Pfingsten – Geburtstag der Kirche

Das jüdische Pfingstfest ist das Fest des Wortes Gottes, der Thora. Es eint alle Jüdisch-Gläubigen, ob sie zu Hause in Israel leben oder verstreut irgendwo im Ausland, in der Diaspora. Hier beim Pilgerfest zu Pfingsten in Jerusalem erfahren sie erneut die Kraft des Wortes: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“. Es sind viele Volksgruppen jüdischen Glaubens mit eigenen Sprachen versammelt. Da geschieht es, dass Gläubige aus allen möglichen Ländern, aus Ägypten, aus Rom, aus Kreta oder Arabien, „außer sich vor Staunen“ geraten. Denn jeder hört die Jünger plötzlich in seiner Muttersprache reden, er versteht auf wundersame Weise, was gesprochen wird. Sie werden eine neue Einheit im Glauben an Jesus, das neue Gottesvolk.

Wenn wir zurückgehen an den Anfang des Alten Testamentes, finden wir die Erzählung des Turmbaus zu Babel. Menschen sprechen eine Sprache und wollen einen Turm bis in den Himmel bauen, um selbst Gott zu sein. Ihr Hochmut bringt sie durcheinander, sie verstehen sich nicht mehr. Pfingsten dagegen ist das Wunder des Grenzen überschreitenden Verstehens. Dieser Heilige Geist, der auf die Jünger herabkommt, schafft die Einheit der Gläubigen und hebt die Kirche aus der Taufe.

Dieser Geburtstag der Kirche beginnt jedoch eigentlich schon früher. Im Evangelium hören wir an Pfingsten: „Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ Können die Apostel und ihre Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt Sünden vergeben? Nein, nur Gott kann Sünden vergeben, nach wie vor. Aber der Heilige Geist ist es, der in den Sakramenten wirkt, Gott selbst. Der Vater vergibt die Sünden, durch Jesus Christus, im Heiligen Geist. Bei der Eucharistiefeier ruft der Priester in der so genannten Epiklese den Hl. Geist herab, damit ER Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi verwandle. Oder: In der Taufe ist es der Heilige Geist, der herabkommt und den Täufling salbt. In allen Sakramenten ist es der Heilige Geist, der das Heilsgeschehen bewirkt und durch den Gott gegenwärtig ist.

Die ganze Kirche lebt und wirkt im Heiligen Geist, ist erfüllt von ihm. Ohne die Sendung des Heiligen Geistes würde es keine Kirche geben. Warum? Ohne die Ausgießung des Geistes zu Pfingsten wäre alles Geschichte geblieben. Es war heilsnotwendig, dass Gott in die Menschheitsgeschichte eingetreten ist. Aber genauso wichtig ist es, dass sein Wirken hier auf Erden, unter den Menschen weitegeht, fortgeführt wird. Sonst wäre die Geburt Jesu, sein Leben und Wirken, sein Leiden und Sterben, ja auch seine Auferstehung zwar bemerkenswerte, aber doch nur geschichtliche Ereignisse, die sich vor langer Zeit, vor 2000 Jahren zugetragen hätten und mit uns hier und heute nichts zu tun hätten. Die Sendung des Heiligen Geistes ermöglicht es, dass Gott sein Heilswirken weiterführen kann. Durch seinen Geist, ist er bleibend gegenwärtig unter seinem Volk, ja IN jedem einzelnen Getauften. Der Heilige Geist wirkt in und durch uns Getaufte und Gefirmte. 

Wichtig ist dabei, dass der Geist Person ist, ebenso wie der Vater und der Sohn. Er ist nicht irgendeine unbestimmte Energie oder kosmische Kraft, sondern er ist konkrete Person. Und er wirkt auch personal. Das heißt, er sprich uns, dich und mich ganz persönlich an. Deswegen ist auch Maria das Urbild und die Mutter der Kirche. Deswegen ist sie uns auch Vorbild im Wirken des Heiligen Geistes. Denn sie ist die Braut des Geistes Gottes, sie hat durch ihr „Fiat“ als erster Mensch den Heiligen Geist empfangen und so uns den Sohn Gottes geboren. Deswegen war sie auch zu Pfingsten in der Mitte der versammelten Apostel, denn wo Maria ist, ist auch der Heilige Geist. Halten wir uns an Maria, so führt sie uns mitten hinein in das Geheimnis der Menschwerdung Christi.

Denn auch wir sollen erfüllt vom Heiligen Geist, Christus in uns Mensch werden lassen, in uns Fleisch und Blut annehmen lassen. Auch wir sollen Christus gebären, ihn durch unser Leben hervorbringen in die Welt, für die anderen Menschen. Bitten wir den Herrn, dass er uns durch den Geist hineinnimmt in die Einheit mit dem Vater. Und bitten wir unsere Himmelsmutter, dass wir wie sie Gott der Welt bringen können.
Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu!

Diakon Markus

Foto: Trommler/Pfarre Deutschkreuz

Marienmonat Mai

Der Mai gilt kirchlich traditionell als „Marienmonat“. Die Gottesmutter wird in der christlichen Spiritualität zugleich als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings und seine überbordende Fruchtbarkeit verstanden und etwa als „Maienkönigin“ verehrt. Wie sehr Maria mit dem Frühling verbunden wird, zeigt sich unter anderem in dem Umstand, dass auf der südlichen Halbkugel der Marienmonat nicht im Mai, sondern im November, dem dortigen Frühling gefeiert wird. Maria steht am Beginn des Heilswerkes Gottes und symbolisiert somit den „Frühling des Heils“.

Im Zentrum der Marienfrömmigkeit steht u.a. die Demut, lateinisch „humilitas“, die in enger Verbindung mit „humus“ – Erde – steht. Sie wird so zum Sinnbild einer „Frau des Volkes“ und ist den Gläubigen in besondere Weise nahe, indem in ihr Göttliches und Menschliches verschmelzen.

Die besondere Verehrung Mariens blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits im Mittelalter wurden Maifeste heidnischen Ursprungs christlich umgedeutet. Im Laufe der Geschichte kristallisierte sich vermehrt die marianische Prägung dieser Feste heraus und mündete in den sogenannten Maiandachten.

Maria wird nicht selbst angebetet, da dies nur Gott zusteht, wohl aber wird sie als Weg zu Jesus Christus gesehen, wie es Papst Paul VI. in seiner Enzyklika „Mense Maio“ formuliert: „Maria ist immer die Straße, die zu Christus führt. Jede Begegnung mit ihr wird notwendig zu einer Begegnung mit Christus.“

Weiters heißt es: „Zu Beginn des Monats Mai, den die Christgläubigen der Gottesmutter Maria seit langem zu weihen pflegen, jubelt unser Herz voll Freude im Gedanken an das bewegende Schauspiel von Glaube und Liebe, das sich bald zur Ehre der Himmelskönigin in der ganzen Welt darbieten wird. Es ist der Monat, in dem in den Kirchen und in der häuslichen Geborgenheit aus dem Herzen der Christen Lobgebet und Verehrung zur jungfräulichen Gottesgebärerin eifriger und inniger emporsteigen; es ist auch der Monat, in dem vom Thron unserer Mutter in Überfülle die Gaben der göttlichen Barmherzigkeit auf uns herabzuströmen pflegen.“

http://www.katholisch.at

Maiandachten
an jedem Sonntag um 17 Uhr in der Pfarrkirche, Rosenweg 14
an jedem Dienstag und Freitag um 18. 30 Uhr in der Kapelle (im Rahmen der Hl. Messe)

Foto: Maria Smith auf Pinterest

Caritas-Straßensammlung – auch online!

Der Frühling breitet sich aus und ruft uns in die Natur. Das Infektionsgeschehen hält uns nach wie vor auf Abstand. Liebgewordenes und Notwendiges kann noch nicht stattfinden. Auch die vielen ehrenamtlichen Sammlerinnen und Sammler der Caritas sind noch nicht wieder alle auf den Straßen und Plätzen der Städte und Dörfer des Bistums Görlitz zu sehen.

Was aber bleibt, ist unser wichtigstes Anliegen, Menschen in Not beizustehen und sie zu unterstützen. Die Not ist vielerorts größer geworden. Aktuell fliehen Menschen aus der Ukraine vor dem schrecklichen Kriegsgeschehen aus ihrem Land, auch nach Deutschland. Um diese Not zu lindern, sind wir als Caritas auf die Spenden aus den Sammlungen angewiesen.

In diesem Jahr stehen die Kinder- und Jugendarbeit und die Arbeit mit jungen Flüchtlingen im Fokus. Besonders für Kinder und Jugendliche hat sich der Alltag seit mittlerweile zwei Jahren durch vielfältige Einschränkungen und Verzichte verändert. Umso mehr ist es eine dauerhafte Aufgabe für die Dienste der Caritas, Kontakt zu halten, Unterstützung zu geben und zuverlässig da zu sein. 

Der Caritasverband ist vielfältig aktiv beispielsweise im Jugendwohnen in Görlitz für geflüchtete Jugendliche und für junge ausländische Heranwachsende, in Lübben in der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung „die Insel“ mit dem Jugendaktionsteam, in Cottbus im Caritas Familienzentrum mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung für Kinder und junge Familien und im Projekt „Wir für Uns!“ zur Gewaltprävention. 

Viele Dinge in unserem Leben finden ganz selbstverständlich online statt – auch das Spenden sammeln. Jeder, der mit seiner Spende helfen will, die Chancen für Kinder und Jugendliche zu verbessern, ist aufgerufen, seinen Beitrag als Spende per Überweisung auf das Konto des Caritasverbandes bei der 

Liga-Bank Dresden eG, IBAN: DE48750903000108284822, BIC: GENO- DEF1M05, Kennwort: Frühjahrssammlung 

einzubringen. Oder nutzen Sie unser Online-Spendenportal.

Im Namen aller, denen wir als Caritas mit ihrer Spende helfen können, eine Notsituation zu meistern, danke ich Ihnen ganz herzlich. 

Bernd Mones
Diözesancaritasdirektor

Foto: Marco Wolff auf Pixabay

Leben in der neuen Wirklichkeit

Ostern ist aus dem jüdischen Pascha oder Pessach hervorgegangen. Jesus hat mit seinen Jüngern ein – ganz besonderes – Paschamahl gefeiert. Das Lamm dabei war er selbst. Und zur Stunde, als die Lämmer geschlachtet wurden, zur 9 Stunde am Vortag des Festes, ist Jesus am Kreuz gestorben, das wahre Osterlamm.

Das Paschafest geht zurück auf das Gedächtnis und die Vergegenwärtigung des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten unter Moses. Pascha heißt „Vorübergang“ oder auch „Durchgang“. Traditionell wurden und werden zwei Arten von Pascha unterschieden: ein auf Gott bezogenes und ein auf die Menschen bezogenes. Beim ersten ist der Todesengel Gottes an den Häusern der Israeliten vorbeigegangen, die das Blut des Opferlammes an die Türpfosten gestrichen hatten. Beim zweiten sind die Israeliten durch das Meer hindurch in die Freiheit gezogen.

Auch der Tod und die Auferstehung Jesu ein Pascha, ein Vorübergang oder Durchgang. Die Passion Jesu ist das wahre Pascha, in dem sich die Vorausbilder und Andeutungen des Alten Testaments wahrhaft und ganz erfüllen. Und auch hier unterscheiden wir ein Pascha Gottes und ein Pascha der Menschen: Das Pascha Gottes ist der Tod Jesu. Johannes ordnet sein ganzes Evangelium auf diese Bedeutung des österlichen Exodus hin. So heißt es in Joh 13,1: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ Und das Pascha der Menschen ist das Geheimnis unserer Erlösung: Wenn wir Jesus nachfolgen, werden wir mit ihm sterben und mit ihm auferstehen. Und das geschieht in der Taufe!

Deswegen ist auch die Ostern DER Ort für Taufen: Der Mensch taucht in das Wasser ein und stirbt. Der Heilige Geist kommt auf ihn herab, er taucht auf und wird in das neue, das ewige Leben geboren, in das Leben in Christus. Jesus sagt selbst im Gespräch mit Nikodemus: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Das Wasser ist das äußere Zeichen dieser Welt, die Geisttaufe ist das reale Heilgeschehen in der Wirklichkeit Gottes. Genau das hat unser neu getaufter René in der letzten Nacht erlebt. Er wurde neu geboren; und genau das bedeutet der Name René: der Wiedergeborene – und zwar aus Wasser und Geist! 

Mit dem Pascha Jesu vollziehen wir auch unser Pascha, unseren Durchzug durch das Rote Meer aus der Knechtschaft Ägyptens. der Sünde, in die Freiheit der Kinder Gottes. Wir leben also in einer neuen Wirklichkeit. Wie Jesus selber sagt: wir sind zwar noch in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. 

Und das ist jetzt der entscheidende Punkt an Ostern: Wir sind zwar dazu bestimmt und dazu befähigt in der Wahrheit zu leben, in der Glaubenswirklichkeit, in der Wirklichkeit Gottes. Aber tun wir es auch? Leben wir nicht viel mehr, zumindest die meiste Zeit als alte Menschen in der alten Welt, im gefallenen Zustand in der Welt der Sünde?

In der Taufe hat sich für uns das Pascha vollzogen, und das Gelobte Land, die neue Wirklichkeit hat sich für uns geöffnet. Nur, sind wir auch hineingegangen? Haben wir dieses Land in Besitzgenommen, es besiedelt, leben wir dort? Oder sind wir wieder zu den Fleischtöpfen Ägyptens, in das Land der Knechtschaft und der Sünde zurückgekehrt?

Liebe Schwestern und Brüder, die Taufe bewirkt gar nichts, wenn wir sie nicht leben! Deswegen feiern wir zu Ostern nicht nur das Pascha Christi, sondern auch unser eigenes Paschafest. Deswegen gibt es als Vorbereitung die Fastenzeit, die Bußzeit, damit wir erkennen, wo wir noch in Ägypten feststecken und noch nicht durch das Rote Meer in die Wahrheit und Freiheit gezogen sind. Deswegen feiern wir in der Osternacht auch die Erneuerung unseres Taufversprechens. Das ist nicht nur ein Gedächtnis an unsere Taufe, sondern die Vergegenwärtigung der Taufgnade, aus der wir befähigt sind, in der neuen Wirklichkeit zu leben. 

Liebe Schwestern und Brüder, vergessen wir nicht, zu welcher Herrlichkeit wir berufen sind, wie der Apostel Paulus sagt. Durch die Sakramente werden wir immer wieder mit dieser Herrlichkeit, mit dieser höheren Wirklichkeit verbunden. Deswegen: Falls sie noch nicht die Osterbeichte gefeiert haben – ich sage bewusst: gefeiert – dann holen sie diese noch in der Osterzeit nach! Wir können nicht in der höheren Wirklichkeit, nicht in der Gegenwart Gottes leben, wenn wir in Ägypten feststecken, wenn wir in Sünde sind. Ostern und Sünde verträgt sich nicht, das schließt einander aus. 

Und wenn Sie im Stand der Gnade sind, dann machen Sie sich bewusst, vergegenwärtigen Sie: Pascha ist die Tilgung aller Sünden und das Hinübergehen in die Freiheit der Kinder Gottes. Leben wir in dieser Wahrheit. Dafür ist Jesus gestorben und auferstanden. Halleluja!

Diakon Markus

Den Kreuzweg Jesu mitgehen

Feierliche Einzüge von Herrschern und andern wichtigen Persönlichkeiten in eine Stadt waren in der römischen Welt ein Mittel der Machtdemonstration und der politischen Propaganda. Sie folgten einem mehr oder weniger festen Ritual. Hoch zu Ross, umgeben von seinen Offizieren, Magistraten und Soldaten traf der Erwartete vor dem Stadttor ein. Dort wurde er von den Behörden und von Vertretern der Oberschicht feierlich empfangen und unter dem Jubel der Bevölkerung in die Stadt geleitet. Hymnische Akklamationen und Jubelrufe gehörten zu diesem Ritual ebenso wie das Ausbreiten von Kleidern und Zweigen vor den Füßen des Geehrten.
Genauso wird Jesus in Jerusalem empfangen, wie ein König. Die Erwartungen, dass das Königtum Davids durch den verheißenen Messias wieder hergestellt wird waren groß.

Doch einige Punkte passen nicht ganz in das Bild und erzeugen eine ganz andere Stimmung. Die Passion Christi und sein Kreuzestod liegen bereits in der Luft, kündigen sich an.

Jesus kommt zuerst zum Ölberg und schickt von dort seine Jünger aus. Nur ein paar Tage später wird der Ölberg der Ort seiner schlimmsten Seelenqualen und des Verrats sein.
Die Beschaffung des Reittieres Jesu erinnert an das königliche Recht auf Requirierung. Aber Jesus reitet nicht wie ein König auf einem Pferd, auf einem mächtigen Schlachtross, sondern auf einem Esel. Damit geht das Wort des Propheten Sacharia in Erfüllung, der sagt: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“ Doch was für ein König wird Jesus sein? 

Das Volk jubelt: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt.“ Die Frage ist: Was erwarten sie denn? Einen starken Befreier, der das Joch der Römer abschüttelt. Einen Messias, der allen Hunger und alles Leid beendet und dem Volk Israel zu seinem Recht verhilft.

Seien wir ehrlich: Würden wir uns das nicht auch oft wünschen – einen Messias, einen von Gott gesandten König, der einmal so ordentlich dreinschlägt und mit einem Mal allen Hunger, alles Leid, alle Ungerechtigkeiten, alle Kriege auf Erden beendet?
Doch wie Jesus dann vor Pilatus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Gottes Plan der endgültigen Befreiung sieht anders aus: Er geht über das Kreuz. Und genau dahin führt Jesu Weg. Die Menschenmassen, die im heute zujubeln, verlangen ein paar Tage später seinen Tod. Und die Jünger, die letzten die geblieben sind? Sie werden davonlaufen und ihn verleugnen. – Wo werden wir sein? 

Ich möchte anregen, dass wir bei Jesus bleiben. Und zwar ganz konkret: Machen wir in der kommenden Karwoche Exerzitien, geistliche Übungen, Exerzitien im Alltag:
Gehen wir in den nächsten Tagen bis Ostern mit Jesus mit, ganz bewusst.
Wenn eine schwierige Situation kommt – laufen wir nicht davon. Bleiben wir mit Jesus dabei.
Wenn wir beleidigt oder verletzt werden, schlagen wir nicht zurück. Bleiben wir bei Jesus.
Was auch immer geschieht in den Tagen der Karwoche, in jeder Stunde, in jeder Minute: Erleben wir es als Mitgehen mit Jesus.

Dann werden wir am Karfreitag nicht weit weg von ihm sein, sondern mit Maria unter dem Kreuz stehen und unseren König sehen, wie er den endgültigen Sieg errungen und uns für immer befreit hat.

Diakon Markus

Papst: „Im Namen Gottes, stoppt dieses Massaker!“

Papst Franziskus ist entsetzt über die Nachrichten und Bilder aus der von Russen belagerten ukrainischen Stadt Mariupol. Beim Angelusgebet am letzten Sonntag sprach er von „Barbarei“.

„Das Einzige, was getan werden muss, ist, der inakzeptablen bewaffneten Aggression ein Ende zu setzen, bevor sie Städte in Friedhöfe verwandelt“, so der Papst wörtlich. Er sprach sich einmal mehr für Verhandlungen und wirklich sichere humanitäre Korridore für Zivilisten aus. „Im Namen Gottes bitte ich Euch: Stoppt dieses Massaker!“

Franziskus dankte allen, die sich für ukrainische Flüchtlinge einsetzen. „Gott ist nur ein Gott des Friedens, er ist kein Gott des Krieges, und diejenigen, die Gewalt unterstützen, entweihen seinen Namen.“

Der Papst-Appell im Wortlaut

„Brüder und Schwestern,
wir haben gerade zur Jungfrau Maria gebetet. In dieser Woche wurde die Stadt, die ihren Namen trägt, Mariupol, zu einer Märtyrerstadt in dem erschütternden Krieg, der in der Ukraine wütet. Angesichts der Barbarei der Tötung von Kindern, unschuldigen Menschen und wehrlosen Zivilisten gibt es keine stichhaltigen strategischen Gründe: Das Einzige, was getan werden muss, ist, der inakzeptablen bewaffneten Aggression ein Ende zu setzen, bevor sie Städte in Friedhöfe verwandelt.

Mit Trauer im Herzen schließe ich mich der Stimme des einfachen Volkes an, das um ein Ende des Krieges bittet. In Gottes Namen, hört die Schreie der Leidenden und lasst die Bombardierungen und Angriffe aufhören! Wir sollten uns wirklich und entschlossen auf Verhandlungen konzentrieren und dafür sorgen, dass die humanitären Korridore effizient und sicher sind. Im Namen Gottes bitte ich Euch: Stoppt dieses Massaker!

Ich möchte noch einmal dazu aufrufen, die vielen Flüchtlinge, in denen Christus gegenwärtig ist, willkommen zu heißen und für das große Netz der Solidarität zu danken, das sich gebildet hat. Ich bitte alle Diözesan- und Ordensgemeinschaften, mehr Momente des Gebets für den Frieden zu schaffen. Mehr Momente des Gebets für den Frieden. Gott ist nur ein Gott des Friedens, er ist kein Gott des Krieges, und diejenigen, die Gewalt unterstützen, entweihen seinen Namen. Lasst uns nun in der Stille für die Leidenden beten und dass Gott die Herzen zu einem festen Friedenswillen bekehren möge.“

Bischof Ipolt bittet um Hilfe für Menschen in der Ukraine

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Görlitz!

Wir alle sind erschüttert und beunruhigt vom Krieg in der Ukraine. Plötzlich ist das geschehen, was die meisten von uns noch nie erlebt haben: Der Frieden in Europa ist zerbrochen. Dieser Krieg ist ein barbarischer Überfall auf ein Volk. Hunderttausende Flüchtlinge sind schon in Richtung Westen unterwegs. Wir alle sind herausgefordert, soweit es in unseren Kräften steht, Hilfe anzubieten und vor allem der Kirche in der Ukraine zu helfen, dass sie ihren seelsorglichen Dienst für die Menschen weiter ausüben kann. Unterstützen Sie besonders unser Hilfswerk RENOVABIS, das in der Ukraine schon seit längerer Zeit tätig ist. Derzeit kommt es unter anderem darauf an, dass die vielen Binnenflüchtlinge gut versorgt und betreut werden können. Sie können auf der Internet-Seite von Renovabis direkt online spenden.

Neben der materiellen Hilfe ist unsere Gebetsverbundenheit wichtig. Ich bin froh, dass es in unserem Bistum auch geistliche Initiativen gibt, um den Menschen dort unsere Solidarität auszudrücken. Beten wir auch darum, dass Präsident Putin vom Wahnsinn dieses Krieges ablässt und seine Pläne aufgibt. Beten wir um eine Möglichkeit zur Versöhnung und zu einem neuen Anfang für die Menschen in der Ukraine.

Im Namen dieser Menschen danke ich Ihnen allen für Ihre praktische Hilfe und Unterstützung im Gebet.

Ihr Bischof

+ Wolfgang Ipolt

Friede – Schalom

Den aktuellen Gemeindeboten „Angelus“ für die Monate März bis Mai 2022 gibt es hier zum Herunterladen!
Die Kolumne „diakonal“ gibt es auch gleich hier zu lesen:

Wie sehnen wir uns doch nach Frieden! In einer Zeit, in der wider alle Hoffnung in Europa Krieg ist, nehmen Gebete und Initiativen für den Frieden zu. Wenn der Krieg näher rückt, machen wir uns plötzlich wieder Sorgen um den Frieden.

Doch selbst die Abwesenheit von Krieg bedeutet noch nicht, dass Frieden herrscht. Schauen wir auf die Spaltungen und Zerwürfnisse in unserer Gesellschaft, schauen wir auf die Krise der Kirche in Deutschland und schauen wir – ja, auf uns selbst!

Seien wir ehrlich: Wie kann in unseren Familien, in unserer Gemeinde, in unserem Land und schließlich auf der ganzen Welt Frieden sein, wenn der Unfriede in uns selbst herrscht, in unseren Herzen?

Die erste Gabe des Auferstandenen war der Friede. Jesu erste Worte an seine Jünger waren: Friede sei mit euch! Und wie oft wiederholte er diese Zusprache! 

Wahrer, wirklicher, dauerhafter Friede kann nicht von uns „gemacht“ werden, er ist die Gabe des Herrn: Sein „Schalom“ ist weit mehr als die Abwesenheit von Krieg und Kämpfen (auch in uns), sondern darüber hinaus Gesundheit, Sicherheit, Ruhe und umfassendes Heil.

Nur wenn wir uns in einer persönlichen Beziehung zum Auferstandenen von ihm umwandeln lassen, erfahren wir auch sein „Schalom“, sein Heil, seinen wahren Frieden – in uns und in der ganzen Welt!

Diakon Markus

Bischof Ipolt reagiert positiv auf polnischen Brief zum Synodalen Weg

Positiv reagierte Bischof Wolfgang Ipolt auf einen  kritischen Brief des Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Stanislaw Gądecki. Gegenüber kath.net betonte Ipolt auf Nachfrage: „Wir haben im Zusammenhang des synodalen Weges in Deutschland immer betont, dass wir Teil der Weltkirche sind und sein wollen. Der Brief aus Polen ist eine Stimme aus der Weltkirche. Die sollten wir zunächst hören. In dem Brief spricht Erzbischof Gądecki von verschiedenen Versuchungen, denen die Kirche insgesamt erliegen kann. Wer wollte leugnen, dass es diese Versuchungen gibt? Ich weiß aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft, dass die Kirche in Polen derzeit ähnlichen Herausforderungen gegenübersteht wie wir in Deutschland. Ob der Brief aus Polen nicht auch unseren synodalen Weg auf Fragen aufmerksam machen kann, die wir vielleicht noch ausblenden?“

Gleichzeitig reagierte Bischof Ipolt mit Unverständnis auf die Kritik des Essener Generalvikars Klaus Pfeffer am Brief aus dem polnischen Episkopat. Ipolt stellte fest: „Die harsche Kritik an dem Brief kann ich nicht teilen. Papst Franziskus selbst hat von diesem Minderwertigkeitskomplex gesprochen, der den missionarischen Eifer allseits behindert. Ich finde durchaus, dass wir in Deutschland derzeit ein eher verschämtes Christentum leben, dessen Ausstrahlung – aus verschiedenen Gründen – behindert oder verdunkelt ist. Es gilt, die Freude des Evangeliums (Evangelii gaudium) wieder zu gewinnen und  mit einem demütigen Selbstbewusstsein den Glauben zu leben.“

Außerdem erinnerte Ipolt gegenüber kath.net, dass „in den Städten und Dörfern unseres Landes … viele katholische Christen aus Polen“ leben. „Wie selbstverständlich gehören sie auch in unsere Pfarreien und haben dort zum Teil Verantwortung übernommen. Auch in unserem Ordinariat arbeiten bereits einige Frauen aus dem Nachbarland und wirken so beim Aufbau unserer Ortskirche mit. Dafür bin ich dankbar. Dass wir ganz sicher in mancher Hinsicht verschiedene Zugänge zum Glauben und zur Kirche haben, das darf unseren guten Beziehungen keinen Abbruch tun. Immerhin gehören wir zu einer Kirche.“

Foto: Bistum Görlitz / Raphael Schmidt

Beteiligung am weltweiten Synodalen Prozess

Bischof Wolfgang Ipolt lädt dazu ein, sich am weltweiten Prozess zu beteiligen, den Papst Franziskus ausgerufen hat. Das ist bei uns bereits in den verschiedenen Gruppen der Pfarrei und im Pfarreirat geschehen. Damit auch alle Gemeindemitglieder, die in keiner Pfarrgruppe aktiv sind, sowie Rand- und Fernstehende die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen, werden die Fragen auf der Homepage unseres Bistums und auch hier veröffentlicht. Bischof Ipolt sammelt bis Mitte Februar die Antworten aus den Pfarreien und von einzelnen Gläubigen und fasst sie zusammen. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll dann daraus eine gemeinsame Antwort aus den deutschen Diözesen entstehen, die die Bischöfe in den Synodalen Prozess einbringen und dem Papst ans Herz legen. Die Bischofssynode 2023 beginnt damit jetzt mitten unter uns, in unseren Pfarreien und Gemeinschaften.
Der Papst lädt ausdrücklich dazu ein, die Fragen zu besprechen, die dem eigenen Bistum und der eigenen Umgebung am besten entsprechen. Aus seinen Vorschlägen hat Bischof Ipolt für unsere Diözese drei Felder ausgewählt:

  1. Den Weggefährten zuhören
    Mit wem gehen wir wirklich gemeinsam den Weg des Glaubens? Wer sind diejenigen,
    die abseitsstehen, die außen vor bleiben? Warum stehen sie am Rande?
    Wie spricht Gott zu uns durch Stimmen, die wir mitunter ignorieren? Was erleichtert
    oder erschwert uns das Zuhören und die Offenheit für unsere Weggefährten?
  2. Mitverantwortung und Teilhabe an der gemeinsame Sendung
    Was hindert die Getauften daran, sich an der Sendung der Kirche zu beteiligen? Wo
    müssen wir für mehr Teilhabe (Partizipation) sorgen und sie ermöglichen? Wo braucht
    es Unterstützung für diejenigen, die sich beteiligen wollen, aber es sich nicht zutrauen? Wie gut funktionieren unsere gewählten Gremien, die eine synodale Kirche
    repräsentieren? Was können wir verbessern?
  3. Die Quelle aller Mission – die Feier der Liturgie
    Wie spiegelt sich in allen unseren Gottesdiensten (nicht nur in der Messfeier am Sonntag, sondern auch bei den Feiern der Sakramente), dass wir mit vielen in unserer Gesellschaft auf dem Weg sind? Wie fördern wir die aktive Teilnahme der Gläubigen an
    der Liturgie? Welche Rolle spielen das gemeinsame Gebet und die Liturgie bei wichtigen Entscheidungen unserer Gemeinde?

Ihre Beiträge schicken Sie bitte bis 10. Februar schriftlich an Diakon Markus in das Pfarrbüro oder per E-Mail: mm.riccabona@hotmail.com.