Darstellung des Herrn – Maria Lichtmess

Heilige Messe mit Kerzensegnung und Blasiussegen am 2. Februar um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Guben.

Es ist eine schöne Szene im Lukas-Evangelium: Maria und Josef kommen mit ihrem Baby in den Tempel – und dort merken zwei Menschen sofort, dass es kein gewöhnliches Kind ist. Simeon und Hanna bekennen laut im Gotteshaus, dass Jesus der Erlöser ist. „Das Zeugnis des Simeon und der Hanna über Jesus“ (Lk 2,22-40) ist der Ausgangspunkt für das Hochfest, das die katholische Kirche am 2. Februar feiert: „Darstellung des Herrn“, im Volksmund auch als „Maria Lichtmess“ bekannt.

Das Gesetz Mose schrieb damals Juden vor, ein Neugeborenes innerhalb einer bestimmten Frist in den Tempel zu bringen. Das Lukasevangelium berichtet von zwei Riten, die die Heilige Familie an dem Tag erledigt: Im Tempel sollte die „männliche Erstgeburt (…) dem Herrn geweiht“ werden und die Mutter sollte zur „Reinigung“ ein Schaf und eine Taube an den Priester übergeben. Frauen galten nach dem Gesetz 40 Tage nach der Geburt eines Jungen als unrein – und 80 Tage nach der Geburt eines Mädchens. Schon aus der biblischen Erzählung heraus gibt es zwei Möglichkeiten, das Fest auszudeuten: Mit Blick auf Jesus oder mit dem Fokus auf seine Mutter Maria.

Aus Simeons Ausruf wurde das Nachtgebet der Kirche

Jesus kommt also in seinen Tempel, sein Eigentum. Dort sollte er laut Gesetz Gott übergeben, also „dargestellt“ werden, und durch ein Geldopfer wieder ausgelöst werden. Interessanterweise steht bei Lukas nicht explizit, dass Maria und Josef ihn auslösten. In der Ostkirche verstand man das Ereignis schon immer als Fest der Begegnung des Herrn, an dem der Messias in seinen Tempel kommt und symbolisch in Simeon und Hanna dem Gottesvolk des Alten Bundes begegnet.

Der alte Simeon wartet im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm wurde geweissagt, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Aus diesem Bekenntnis wurde später das Nachtgebet „Nunc dimittis“.

Simeon segnet die kleine Familie und weissagt Maria die Zukunft Jesu: Viele kommen zu Fall durch ihn, andere werden aufgerichtet, das Kind wird Zeichen sein und Anlass zum Widerspruch. Maria werde hingegen „ein Schwert durch die Seele dringen“, so Simeon. Danach preist die Witwe Hanna Jesus. Auch die 84-jährige Prophetin, die ständig im Tempel war, betete und fastete, spricht zu allen, die auf die Erlösung Israels warten, über das Kind.

Lichterprozessionen und Kerzensegnungen

Bereits im 4. Jahrhundert feierte die Kirche in Jerusalem das Fest – zunächst am 14. Februar, dem 40. Tag nach dem Fest „Erscheinung des Herrn“, später dann 40 Tage nach Weihnachten, der Geburt Jesu. Es wurde bald als der erste Einzug Jesu in Jerusalem betrachtet. Aus dem Grund – auch mit Blick auf den Lobgesang des Simeon – kam es im 7. Jahrhundert zu Lichterprozessionen. Die Gläubigen wollten Christus entgegengehen, ähnlich wie sie es aus den Evangelien kannten, wo die Menschen den erwachsenen Jesus an Palmsonntag begrüßten. Die Kerzen, mit denen die Gläubigen das Kommen Jesus in die Welt nun symbolisch begleiteten, wurden eigens zu diesem Fest geweiht.

Der Brauch der Kerzensegnung führte im Westen dazu, dass das Fest als „Maria Lichtmess“ bekannt wurde. Denn die westliche Kirche betonte lange Zeit eher die Reinigung Marias als Festinhalt. Das Marienfest war deshalb auch unter den Namen „Mariä Reinigung“ oder Latein „Purificatio Mariae“ bekannt. Erst seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird es wieder als „Herrenfest“, also mit Bezug auf Jesus, gefeiert. Somit lautet der offizielle Name auf Latein „Praesentatio Jesu in Templo“, zu Deutsch „Darstellung des Herrn“.

Bis heute ist die Lichtsymbolik in dem Fest enthalten und in den Gottesdiensten werden alle Kerzen, die in der Kirche für das Jahr benötigt werden, gesegnet. Mancherorts bringen auch Gläubige ihre Kerzen mit und lassen sie segnen. Wegen der zeitlichen Nähe zum Gedenktag des heiligen Bischofs Blasius (3. Februar) wird oft auch schon der Blasiussegen gegen Halskrankheiten gespendet, bei dem ebenfalls Kerzen zum Einsatz kommen.

Auch in der Wirtschaft hatte „Lichtmess“ seine Bedeutung: Die Handwerker hörten an dem Tag auf, bei Kunstlicht zu arbeiten und zur Feier des Tages gaben die Meister ihren Gesellen und Lehrlingen den Nachmittag frei. Das Wirtschaftsjahr in der Landwirtschaft endete an diesem Tag, was den Mägden und Knechten ihren Lohn sowie einige freie Tage brachte und den Wechsel des Arbeitgebers ermöglichte.

An der „Darstellung des Herrn“ wird noch einmal an Weihnachten erinnert. Das „Licht, das die Heiden erleuchtet“, wie Simeon rief, ist durch den Gottessohn in die Welt gekommen. Zwar schließt bereits die „Taufe des Herrn“ am Sonntag nach dem 6. Januar den Weihnachtsfestkreis, aber dieses Fest, wie auch die „Verkündigung des Herrn“ am 25. März, klingen weihnachtlich an. Manche Pfarreien, Orden und Gläubige räumen ihre Krippen und Christbäume erst an diesem 2. Februar weg.

von Agathe Lukassek auf katholisch.de

Dienerinnen vom Heiligen Blut besuchten Guben

Die drei Ordensschwestern der Dienerinnen vom Heiligen Blut, die seit einem halben Jahr in Neuzelle die Zisterziensermönche in der Verwaltung und der Seelsorge unterstützen, haben unsere Pfarrgemeinde besucht. Sr. M. Lioba, Sr. M. Gloria und Sr. M. Dolorosa gestalteten die Sonntagsmesse musikalisch mit und erzählten anschließend über die Entstehung ihrer Ordensgemeinschaft, über das Charisma der Dienerinnen vom Heiligen Blut, über ihre Aufgaben in Neuzelle und legten Zeugnis über ihre Berufungswege ab. Anschließend standen sie für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Weitere Informationen: dienerinnen.org

Kontakt:
Frankfurter Str. 3a
15898 Neuzelle
Tel.: +49 (0)33652/82 58 948
sas.neuzelle(at)blut-christi.de

Fotos: Meiert

Neuer Leiter des Seelsorgeamtes

Im Rahmen des täglichen Angelus-Gebetes im Bischöflichen Ordinariat wurde am 2. Januar Herr Ansgar Hoffmann als neuer Leiter des Seelsorgeamts begrüßt. Bischof Ipolt gab dabei seiner Freude Ausdruck, dass mit der Leitung des Seelsorgeamtes im Bischöflichen Ordinariat eine „wichtige Schaltstelle“ des Bistums mit einer erfahrenen Person besetzt werden konnte. Der aus dem Nachbarbistum Dresden-Meissen stammende Ansgar Hoffmann war zuletzt als Referent im Bildungsgut Schmochtitz tätig und freut sich auf die neuen Herausforderungen und die damit verbundenen Aufgaben im Bistum Görlitz.

Ansgar Hoffmann ist unter der Adresse a.hoffmann@bistum-goerlitz.de und unter 03581/478235 im Seelsorgeamt erreichbar.

Foto: Bistum Görlitz

Das geistliche Testament von Papst Benedikt XVI.

Wenn ich in dieser späten Stunde meines Lebens auf die Jahrzehnte zurückschaue, die ich durchwandert habe, so sehe ich zuallererst, wieviel Grund ich zu danken habe. Ich danke vor allen anderen Gott selber, dem Geber aller guten Gaben, der mir das Leben geschenkt und mich durch vielerlei Wirrnisse hindurchgeführt hat; immer wieder mich aufgehoben hat, wenn ich zu gleiten begann, mir immer wieder neu das Licht seines Angesichts geschenkt hat. In der Rückschau sehe und verstehe ich, daß auch die dunklen und mühsamen Strecken dieses Weges mir zum Heile waren und daß Er mich gerade da gut geführt hat.

Ich danke meinen Eltern, die mir in schwerer Zeit das Leben geschenkt und unter großen Verzichten mir mit ihrer Liebe ein wundervolles Zuhause bereitet haben, das als helles Licht alle meine Tage bis heute durchstrahlt. Der hellsichtige Glaube meines Vaters hat uns Geschwister glauben gelehrt und hat als Wegweisung mitten in all meinen wissenschaftlichen Erkenntnissen standgehalten; die herzliche Frömmigkeit und die große Güte der Mutter bleiben ein Erbe, für das ich nicht genug danken kann.

Meine Schwester hat mir selbstlos und voll gütiger Sorge über Jahrzehnte gedient; mein Bruder hat mir mit der Hellsicht seiner Urteile, mit seiner kraftvollen Entschiedenheit und mit der Heiterkeit des Herzens immer wieder den Weg gebahnt; ohne dieses immer neue Vorausgehen und Mitgehen hätte ich den rechten Weg nicht finden können.

Von Herzen danke ich Gott für die vielen Freunde, Männer und Frauen, die er mir immer wieder zur Seite gestellt hat; für die Mitarbeiter auf allen Stationen meines Weges; für die Lehrer und Schüler, die er mir gegeben hat. Sie alle vertraue ich dankbar seiner Güte an. Und danken möchte ich dem Herrn für die schöne Heimat im bayerischen Voralpenland, in der ich immer wieder den Glanz des Schöpfers selbst durchscheinen sehen durfte.

Den Menschen meiner Heimat danke ich dafür, daß ich bei ihnen immer wieder die Schönheit des Glaubens erleben durfte. Ich bete darum, daß unser Land ein Land des Glaubens bleibt und bitte Euch, liebe Landsleute: Laßt euch nicht vom Glauben abbringen. Endlich danke ich Gott für all das Schöne, das ich auf den verschiedenen Stationen meines Weges, besonders aber in Rom und in Italien erfahren durfte, das mir zur zweiten Heimat geworden ist.

Alle, denen ich irgendwie Unrecht getan habe, bitte ich von Herzen um Verzeihung.

Was ich vorhin von meinen Landsleuten gesagt habe, sage ich nun zu allen, die meinem Dienst in der Kirche anvertraut waren: Steht fest im Glauben! Laßt euch nicht verwirren! Oft sieht es aus, als ob die Wissenschaft – auf der einen Seite die Naturwissenschaften, auf der anderen Seite die Geschichtsforschung (besonders die Exegese der Heiligen Schriften) – unwiderlegliche Einsichten vorzuweisen hätten, die dem katholischen Glauben entgegenstünden.

Ich habe von weitem die Wandlungen der Naturwissenschaft miterlebt und sehen können, wie scheinbare Gewißheiten gegen den Glauben dahinschmolzen, sich nicht als Wissenschaft, sondern als nur scheinbar der Wissenschaft zugehörige philosophische Interpretationen erwiesen – wie freilich auch der Glaube im Dialog mit den Naturwissenschaften die Grenze der Reichweite seiner Aussagen und so sein Eigentliches besser verstehen lernte.

Seit 60 Jahren begleite ich nun den Weg der Theologie, besonders auch der Bibelwissenschaften, und habe mit den wechselnden Generationen unerschütterlich scheinende Thesen zusammenbrechen sehen, die sich als bloße Hypothesen erwiesen: die liberale Generation (Harnack, Jülicher usw.), die existenzialistische Generation (Bultmann usw.), die marxistische Generation. Ich habe gesehen und sehe, wie aus dem Gewirr der Hypothesen wieder neu die Vernunft des Glaubens hervorgetreten ist und hervortritt.

Jesus Christus ist wirklich der Weg, die Wahrheit und das Leben – und die Kirche ist in all ihren Mängeln wirklich Sein Leib. Endlich bitte ich demütig: Betet für mich, damit der Herr mich trotz all meiner Sünden und Unzulänglichkeiten in die ewigen Wohnungen einläßt. Allen, die mir anvertraut sind, gilt Tag um Tag mein von Herzen kommendes Gebet.

Benedictus PP XVI.

Foto: Bistum Regensburg

Weihnachtsgruß des Bischofs

Liebe Schwestern und Brüder im Bistum Görlitz!

Ein bischöflicher Mitbruder hat mir vor dem Fest ein beeindruckendes Weihnachtsbild geschickt. Man sieht Ochs und Esel vor der Krippe stehen und die staunende Maria, die auf das Kind schaut. Das Besondere aber ist: Das Kind in der Krippe hat mit seinen kleinen Händen ein Kreuz in der Hand, das es fest umarmt und festhält. Dieses Bild ist mir nachgegangen: Woran soll man sich festhalten in diesen Tagen, die gezeichnet sind von Unsicherheit, Krieg, Teuerung und Angst? Am besten hält man sich fest an dem göttlichen Kind, das in diese Welt gekommen ist. Dieses Kind umarmt das Kreuz – auch unser Kreuz und alle Kreuze dieser Welt. Dazu ist es ja gekommen. Das ist der Trost, den wir an Weihnachten feiern.

Ich wünsche Ihnen gesegnete und erfüllte Festtage im Kreis Ihrer Lieben. Für das neue Jahr Zuversicht und Hoffnung

Ihr Bischof

+ Wolfgang

Adveniat Weihnachtsaktion

Jedes zweite Kind in Guatemala ist unterernährt. Und auch in vielen anderen Ländern Lateinamerikas ist die Ernährungssicherheit nicht gegeben. Engagierte Gemeindemitglieder, Ordensleute und Priester lassen den Armen daher medizinische Hilfe zukommen und retten nicht nur in der Corona-Pandemie Leben. Das
Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat stellt das Thema Gesundheit in den Mittelpunkt der Weihnachtsaktion
2022 der Katholischen Kirche in Deutschland, um mit seinen Partnerinnen und Partnern vor Ort die Spirale
von mangelnder Gesundheitsversorgung, Hunger und Armut zu durchbrechen.

Lateinamerika befindet sich in einer dramatischen humanitären Krise. Mit seinen Projektpartnerinnen und –
partnern vor Ort durchbricht das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die Spirale von mangelnder Gesundheitsversorgung, Hunger und Armut. Gesundheitshelferinnen und -helfer werden von der Kirche ausgebildet, Gemeindeteams besuchen Kranke und Familien, kirchliche Krankenhäuser und Gesundheitsposten sind die Hoffnung der Armen. Unter dem Motto „Gesundsein Fördern“ ruft die diesjährige bundesweite Weihnachtsaktion der Katholischen Kirche die Menschen in Deutschland zur Solidarität auf, damit Gesundheit für die Armen in Lateinamerika nicht länger ein unerreichbares Gut bleibt.

Schwerpunktländer sind Guatemala und Bolivien. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 27. November 2022, im Bistum Trier statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt.

Weihnachts-Angelus

Den neuen „Angelus“ für die Monate Dezember 2022 bis Februar 2023 gibt es hier zum herunterladen!
Die Kolumne „diakonal“ von Diakon Markus können sie schon hier lesen:

Der Friedensfürst

Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens: Mit diesen Titeln kündigt der Prophet Jesaja die Geburt des Messias an (Jes 9,5). Das Kind in der Krippe wurde vor über 2000 Jahren geboren. Doch wo ist sein Friede? 

Hat es je eine Zeit gegeben, wo wirklich überall Friede geherrscht hat? Man müsste konsequent weiterfragen: wo überall Jesus Christus geherrscht hat? Da sehen wir wo das Problem liegt.

Er ist der Friedensfürst, aber wir lassen ihn nicht herrschen. Der Friede beginnt in uns selbst, mit unserer Beziehung zu Jesus. Haben wir den Frieden nicht in uns, wie können wir erwarten, dass in unseren Beziehungen, in unseren Familien, in unserer Gesellschaft, in allen Ländern der Erde Frieden herrscht?

Jede Generation und jeder einzelne muss diesen Frieden neu gewinnen, Jesus Christus als den Fürsten des Friedens neu entdecken und Ihn in sich Wohnung nehmen lassen! Und ja: die Heiligen aller Generationen haben ihn Ihm den Frieden gefunden! 

Unser Herz soll zur Krippe werden, die das himmlische Kind aufnehmen kann. Und diese Krippe ist aus demselben Holz wie das Kreuz geschnitzt. Das heißt, dass wir uns selbst aufgeben, hingeben sollen, damit wir dem Friedensfürsten nicht im Wege stehen und IHN in uns herrschen lassen. 

Dann, und nur dann wird Friede sein.

Diakon Markus

Neue Grundordnung des kirchlichen Dienstes im Bistum Görlitz

Die Vollversammlung des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) hat am 22. November 2022 mit der erforderlichen Mehrheit eine Neufassung des Kirchlichen Arbeitsrechts in Form der „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ als Empfehlung für die deutschen (Erz-)Bistümer beschlossen

Die neue Grundordnung ist differenziert zu betrachten, so Bischof Wolfgang Ipolt.

Einerseits sieht Bischof Wolfgang Ipolt den institutionenorientierten Ansatz als positiv. Die Leitung einer Einrichtung der katholischen Kirche wird in die Pflicht genommen das katholische Profil sichtbar zu machen. Die Möglichkeit einer Unterscheidung zwischen den Einrichtungen und deren Beschäftigten sind somit möglich.

Andererseits hätte sich Bischof Wolfgang Ipolt differenziertere Formulierungen gewünscht. Eine Unterscheidung für Beschäftigte in den pastoralen Berufen und anderen Beschäftigten (wie beispielsweise Pflegepersonal) wäre notwendig gewesen. Menschen, die im pastoralen Beruf und damit unmittelbar in der Verkündigung  tätig sind, sind unmittelbar Zeugen des Evangeliums und der Lehre der Kirche – und das nicht nur mit Worten, sondern vor allem durch ihr Leben. Diesen Zusammenhang hat bereits Papst Paul VI. im Jahre 1975 so formuliert:

„Durch dieses Zeugnis ohne Worte wecken diese Christen in den Herzen derer, die ihr Leben sehen, unwiderstehliche Fragen: Warum sind jene so? Warum leben sie auf diese Weise? Was – oder wer – ist es, das sie beseelt? Warum sind sie mit uns? In der Tat, ein solches Zeugnis ist bereits stille, aber sehr kraftvolle und wirksame Verkündigung der Frohbotschaft. Es handelt sich hier um eine Anfangsstufe der Evangelisierung.“
(Paul VI., Apostolisches Schreiben „Evangelii nuntiandi“ 21)

Weiterlesen

Foto: katholisch.de

Diaspora-Sonntag

Seit 56 Jahren macht das Bonifatiuswerk jeden November mit der Diaspora-Aktion auf die Herausforderungen katholischer Christen aufmerksam, die als Minderheit in der Gesellschaft ihren Glauben leben und regt dazu an, sich für die Anliegen der Katholiken in der Diaspora aktiv einzusetzen. Am „Diaspora-Sonntag“ sammeln katholische Christinnen und Christen bundesweit in den Gottesdiensten für die Belange ihrer Glaubensgeschwister in der Diaspora.

Der diesjährige Diaspora-Aktion steht unter dem Leitwort „Mit DIR zum WIR“. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Bonifatiustag hat das Bonifatiuswerk das Motto Anfang Juni vorgestellt. Es ruft „uns in Erinnerung, wie wichtig das WIR ist und dass dieses WIR ein DU benötigt. Erst durch das Gegenüber wird man zu einer Gemeinschaft. In der Diaspora kommt es auf jeden Einzelnen an, unser Glaube lebt von Menschen, die sich gegenseitig bestärken, den Glauben feiern und in den Dialog treten. Das WIR ist der Markenkern unseres Glaubens, die Beziehung zueinander und zu Christus. Wir sind keine Nationalkirche, sondern Weltkirche, die sich Jesus Christus als Vorbild nimmt und die in die Welt von heute hineinwirkt“, so der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Spenden

Christkönigsfest: Jesus als Herrscher

Das Bild scheint aus der Zeit gefallen: Jesus auf dem Herrscherthron, ein allmächtiger Himmelsfürst, der zur Erde zurückkehren wird, um über die Menschen zu herrschen. Im Zeitalter von Demokratie und Gewaltenteilung kann diese Vorstellung schnell missverstanden werden: Hat uns die Geschichte nicht gelehrt, dass die Herrschaft eines Einzelnen nur selten friedlich endet? Ist es nicht einfacher, die Menschwerdung Jesu in den Vordergrund zu stellen, das Phänomen Christus zu erden, um dem Gottessohn „auf Augenhöhe“ zu begegnen?

Papst will mit dem Fest ein Zeichen der Hoffnung setzen

Das Christkönigsfest erinnert einmal im Jahr an die andere, die unbequemere Seite Jesu: Zum Ende des Kirchenjahres, am Sonntag vor dem ersten Advent, feiert die katholische Kirche die Königswürde ihres „Erlösers“. Doch was so manchem heute Bauchschmerzen bereitet, war vor fast 90 Jahren ein wichtiger Tag der Hoffnung für Deutschlands Katholiken.

Triumphale Lieder wie „Christus Sieger, Christus König“ und „Christkönig, Halleluja!“ entstanden eben nicht aus einer Position der Stärke. Ganz im Gegenteil: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich die katholische Kirche auf dem Tiefpunkt ihrer politischen Macht: Papst Pius IX. hatte 1870 Rom und den Kirchenstaat an Italien verloren, der Oberhirte und seine Nachfolger standen unter – mehr oder weniger freiwillig gewähltem – Hausarrest. Zudem lagen nach dem Ersten Weltkrieg die großen Monarchien in Trümmern.

Was an deren Stelle getreten war, bereitete den Katholiken große Sorge: Die Parteienlandschaft der Weimarer Republik zeigte sich hoffnungslos zersplittert, auf den Straßen der großen deutschen Städte herrschten Chaos und Gewalt. Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn war zerfallen. Und nicht nur im ehemaligen Zarenreich Russland erstarkten kommunistische und faschistische Kräfte, die Religion und Kirche grundsätzlich ablehnten.

Jubiläum der Königswürde Jesu

Die Zeit schien reif für ein Zeichen der Hoffnung: So sah es zumindest Papst Pius XI., als er am 11. Dezember 1925 seine Enzyklika „Quas Primas“ veröffentlichte. „Jene Flut von Übeln hat eben deshalb die Welt überschwemmt, weil die meisten Menschen Jesus Christus und sein heiligstes Gesetz sowohl aus ihrem persönlichen Lebenswandel als auch aus der häuslichen Gemeinschaft und dem öffentlichen Leben verbannt haben“, beklagte sich der Pontifex in der Einleitung seiner Schrift.

Mit der Einführung eines neuen Hochfestes wollte Pius die Katholiken an den Herrschaftsanspruch Jesu erinnern und ihnen auf diese Weise Hoffnung auf eine bessere Zukunft schenken: „Wenn wir nun anordnen, Christus solle von der ganzen katholischen Welt als König verehrt werden, so wollen wir damit auch dem Bedürfnis unserer Zeit entgegenkommen und ein wirksames Heilmittel jener Pest entgegenstellen, welche die menschliche Gesellschaft befallen hat. Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten.“

Der Zeitpunkt ist auch aus der Kirchengeschichte heraus zu verstehen: 1600 Jahre zuvor, 325 n. Chr., wurde vom römischen Kaiser Konstantin I. das Konzil von Nicäa abgehalten. Dort bekannte sich die junge Kirche u.a. offiziell zur Königswürde Jesu Christi: Der Sohn sei seines Wesens nach dem Vater gleich. Gleichzeitig wurden die Worte „cuius regni non erit finis“ (dessen Reich kein Ende haben wird) ins Glaubensbekenntnis aufgenommen.

Papst Pius XI. führte 1925 das Christkönigsfest ein.

Theologisch gesehen ist dieser Herrschaftsanspruch durchaus verzwickt: Schließlich solle Jesus laut Pius XI. nicht nur im übertragenen Sinne als „König der Herzen“ verstanden werden („Meine Herrschaft ist nicht von dieser Welt“ – Joh 18,36), sondern als Herrscher auch im praktischen Sinn: Weil wesensgleich mit dem Vater, besitze Jesus „über alle Geschöpfe die höchste und vollkommenste Gewalt“. Damit beschränke sich sein Herrschaftsanspruch eben nicht allein auf die symbolische Ebene: Kommt Jesus Christus zurück auf die Erde, werde er tatsächlich über die Menschen herrschen – alle gesetzgeberische, richterliche und ausführende Gewalt in sich vereint. Diese besondere Betonung der Monarchie in einem christlichen Zusammenhang hatte in jenen Tagen nicht nur positive Auswirkungen: Schwierig war es jedenfalls nicht, in diese Gedanken eine antidemokratische Stoßrichtung hineinzuinterpretieren.

Bekenntnis gegen den Führerkult

Wie wichtig das Christkönigsfest nur ein Jahrzehnt später werden sollte, konnte Pius XI. freilich nicht ahnen. In der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich der Tag zu einem wichtigen Widerstandssymbol: Junge Katholiken nutzten die Feier, um sichtbare Zeichen gegen den Führerkult zu setzen. Im Rahmen des „Bekenntnistags der Jugend“ zogen katholische Jugendverbände mit eigenen Fahnen und Uniformen durch die Städte. Eine Verlegung des „Bekenntnistags“ auf den Christkönigssonntag war nötig geworden, da die Nationalsozialisten ihr Reichssportfest auf den ursprünglichen Termin (den Dreifaltigkeitssonntag) gelegt hatten. Es wurde zu einem Mutmachfest in schweren Zeiten.

Auch Christkönig sollte noch einmal verlegt werden: Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wird Jesu Königswürde am 34. Sonntag im Jahreskreis gedacht, eine Woche vor dem ersten Advent. So endet das Kirchenjahr für alle Gläubigen mit einer optimistischen Note: Egal, wie schlimm es auf Erden auch zugeht, die Aussicht auf die Herrschaft des „guten Königs“ Jesus bleibt.

Foto: Apsismosaik im Münster in Bonn (Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon)