Wechsel im Amt des Generalvikars

Neuer Generalvikar des Bischofs von Görlitz wird in wenigen Monaten der bisherige Leiter des Seelsorgeamtes, Ordinariatsrat Markus Kurzweil. Der 40-jährige stammt aus dem Bistum und wuchs im brandenburgischen Senftenberg auf. Nach dem Studium der Theologie in Erfurt und Wien wurde er im Jahre 2009 von Bischof Dr. Konrad Zdarsa zum Priester geweiht. Seit 2018 ist er Mitglied des Domkapitels zum heiligen Jakobus.

Nach beinahe zehn Jahren als Generalvikar und nach dem Abschluss der Innensanierung der Kathedrale hat Dompropst Dr. Alfred Hoffmann (63) den Bischof um Entpflichtung vom Amt des Generalvikars gebeten, um sich wieder mehr seelsorglicher Arbeit widmen zu können. In seiner Aufgabe als Dompropst steht er dem Domkapitel vor, wird weiterhin in Görlitz wohnen und steht für verschiedene Aufgaben im Bistum zur Verfügung. Der Termin für die Verabschiedung des alten und die Einführung des neuen Generalvikars ist offen, bis die  Nachfolge in der Leitung des Seelsorgeamtes geregelt ist.

Der Generalvikar ist der Stellvertreter, das „alter ego“, des Bischofs. Er wird vom Bischof frei ernannt und kann jederzeit von ihm wieder abberufen werden. Mit der Amtszeit des Bischofs endet auch die Amtszeit des Generalvikars.

Foto: Bistum Görlitz

Sternsinger-Spenden für Gesundheit

Zum Greifen nah war die saftige Mango, als Benson plötzlich das Gleichgewicht verlor und vom Baum fiel. Dabei verletzte sich der Fünfjährige so sehr, dass er im Daniel-Comboni-Krankenhaus in der südsudanesischen Diözese Wau behandelt werden musste. 

Beim Fall vom Baum bohrten sich Holzsplitter in Bensons Po. Ein einfaches und schnelles Herausziehen war nicht möglich. Im Dorf gab es keinen Arzt. Benson lebt mit seiner Familie in der Diözese Rumbek, einer abgelegenen Region im Südsudan. Viele Menschen müssen kilometerweit laufen, um gesundheitliche Versorgung zu erhalten. So auch Benson und seine Mutter. Im Comboni-Krankenhaus konnte ihnen ein Arzt helfen. In einer Operation wurden die Holzsplitter entfernt und bald schon durften Benson und seine Mutter wieder nach Hause. 

Medizinische Versorgung im Südsudan

Das Gesundheitssystem im Südsudan ist völlig unzulänglich. Es fehlt im ganzen Land an Gesundheitseinrichtungen, Medikamenten und medizinischem Personal. Die schwache Infrastruktur erschwert schnelle Hilfe: Das Straßennetz ist dünn, besonders auf dem Land. Vor allem während der Regenzeit sind manche Wege nicht mehr befahrbar. Mit 789 Todesfällen auf 100.000 Geburten hat der Südsudan eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt. Eines von zehn Kindern stirbt vor seinem fünften Geburtstag. Zwei Drittel der Todesfälle gehen auf vermeidbare Krankheiten wie Durchfall, Malaria oder Atemwegserkrankungen zurück.

Die Arbeit unserer Sternsinger-Partner im Südsudan

Im Südsudan unterstützen wir mit den gesammelten Spenden der Sternsinger das Daniel-Comboni-Krankenhaus in Wau und das Mary-Immaculate-Krankenhaus in Mapuordit.

So helfen unsere Sternsinger-Partner vor Ort:

  • Behandlung von Babys, Kindern, schwangeren Frauen und jungen Müttern, um frühzeitig Unregelmäßigkeiten oder Krankheiten zu erkennen und zu behandeln.
     
  • Mitarbeitende des Comboni-Krankenhauses besuchen Kinder und Mütter in abgelegenen Regionen mit einer mobilen Klinik. Dort werden die Patientinnen behandelt und geimpft.
     
  • Aufgrund des Klimas im Südsudan gibt es viele Stechmücken, die Malaria übertragen können. Den Kliniken stehen Medikamente zur Verfügung, mit denen sie die Krankheit behandeln können.
     
  • Zur Aufgabe der Projektpartner gehört es auch, Prävention zu betreiben und darüber aufzuklären, wie man Ansteckungen vermeiden und Lebensmittel gut aufbewahren kann.
     
  • Besonders während der Corona-Pandemie liegt auch ein Augenmerk auf dem Vermitteln von Hygienregeln.

Jetzt spenden!

Im Anfang

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ So ähnlich beginnt auch das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel überhaupt: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.“ Und das Markusevangelium beginnt auch ähnlich. Wir haben es erst kürzlich, am 2. Adventsonntag gehört: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“

Es geht also um einen Anfang und es geht um Gott. Und wenn zwei der Evangelien so ähnlich beginnen wie das Alte Testament, dann geht es um einen neuen Anfang. Und zwar nicht nur um ein neues Kapitel, um einen neuen Abschnitt, um etwas Neues, das einfach zum Bestehenden dazukommt. Nein!

Wenn das Evangelium, die Frohbotschaft, so beginnt wie der Schöpfungsbericht, dann geht es tatsächlich um eine neue Schöpfung! Da wird nicht nur ein bisschen etwas ausgebessert, ein Fehler repariert, die Folgen eines Unfalls beseitigt. Nein! Es geht um einen grundlegenden, radikalen Neubeginn!

Mit der Geburt Jesu Christi tritt Gott selbst, das Wort Gottes, durch das alles erschaffen wurde, in die Geschichte des Menschen ein. Dadurch werden alle Bedingungen des Lebens, alle Parameter der gesamten Schöpfung komplett neu ausgerichtet. Es ist, zeitgemäß ausgedrückt, wie wenn eine universelle Reset-Taste gedrückt wird, die Schöpfung neu bootet und ein neues Betriebssystem installiert wird, mit dem nun alle anderen Programme laufen.

„Im Anfang“ heißt es. Das ist ganz entscheidend! Nicht „am Anfang“!
„Am Anfang“ würde einen zeitlichen Beginn bedeuten, der einmal in der Vergangenheit geschehen und abgeschlossen ist. Mit „am Anfang“ beginnt eine Geschichte, die vorbei ist. So wie: „Es war einmal …“ – „IM Anfang“ bedeutet etwas Ursächliches. Etwas, das noch immer fortdauert, das ewiger Anfang, das Grundlage von allem ist und bleibt. Eine neue Bedingung alles Seienden.

Im Kind in der Krippe ist dieser ewige Anfang unter uns erschienen, hat unter uns gewohnt, „gezeltet“, wie es wörtlich heißt. Indem Gott selbst einen Menschenkörper angenommen hat, hat er auch die menschliche Natur von innen heraus und grundlegend verändert. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er dem Menschen dann auch den Weg zum ewigen Leben und zur Einheit mit dem Vater im Heiligen Geist eröffnet. 

„Im Anfang“. Wenn wir Weihnachten wirklich begehen, wenn wir Weihnachten als inneres Fest feiern, dann können auch wir in unserem Leben einen neuen Anfang setzen, neue Bedingungen schaffen. In der Taufe ist das ontologisch, seinsmäßig bereits geschehen. In der Taufe sind wir zu dieser neuen Schöpfung geworden. Aber es gilt, unser Taufversprechen einzulösen, unsere Taufe in unserem Leben auch einzuholen.

Weihnachten kann für uns bedeuten, dass wir tatsächlich Jesus Christus zum Betriebssystem unseres ganzen Lebens machen, um diese Bild noch einmal zu verwenden. Wenn er die Grundlage unseres ganzen Lebens ist und nicht nur ein zusätzliches, nettes Beiwerk, dann verändert sich alles. Dann laufen auch alle Programme in unserem Leben grundlegend anders – nämlich ganz ausgerichtet auf Gott. Von ihm her, erfüllt von ihm und auf ihn hin. 

„Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.“

Für die meisten ist mit dem heutigen Tag Weihnachten vorbei und man bereitet sich auf den Jahreswechsel vor. Für uns hat heute Weihnachten erst begonnen, und wir feiern Weihnachten eine ganze Woche lang bis zum Oktavtag, dem 1. Januar. Und die Weihnachtszeit geht noch bis zum Fest der „Taufe des Herrn“. Aber Weihnachten sollte für uns eigentlich niemals enden. Es soll die Grundlage unseres ganzen Lebens sein und bleiben. Das Wort Gottes, das uns erschaffen hat, das uns belebt und in dem wir vollendet werden.

Diakon Markus 

„Wer bin ich …?“

„Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ – so fragt Elisabeth im Evangelium vom 4. Adventssonntag. Und so können auch wir fragen: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Ja wir können und sollen sogar fragen: „Wer bin ich, dass der Herr selbst zu mir kommt?“, denn Maria trägt den Herrn in ihrem Leib. 

Und im Hebräerbrief wird bereits angedeutet, warum der Herr selbst zu uns kommt: um sich selbst als Opfergabe hinzugeben, damit wir – wie es heißt – „ein für allemal geheiligt“ sind.

Wir können Weihnachten immer und immer wieder feiern. Nie werden wir das große Geheimnis der Menschwerdung Gottes ganz erfassen, können uns nur immer wieder ein kleines Stück annähern, ihn selbst bitten, dass er uns in dieses Wunder mit hineinnimmt. „Wer bin ich, dass der Herr zu mir kommt?“

Wenn Jesus in einem Stall zur Welt kommt, umgeben von Tieren, und in eine Futterkrippe gelegt wird, so entspricht das durchaus auch unserer Realität. Was können wir dem König der Könige schon bieten? Wie sieht der Tempel unseres Herzens aus? 

Er ist kein Palast, der eines Königs würdig ist. Wir müssen gestehen, dass es in uns auch eher wie in einem Stall mit Tieren aussieht. Und doch kommt er immer wieder zu uns in die Krippe unseres Herzens und gibt sich uns als Futter, als Speise des ewigen Lebens hin.

Bereiten wir dem Höchsten, unserem Schöpfer, der kommt, uns zu retten, in all unserer Armseligkeit und Bedürftigkeit ein möglichst sanftes Lager, indem wir nach einer guten Weihnachtsbeichte mit reinem Herzen zum Fest seiner Geburt gehen. 

Schmücken wir mit einer tiefen und echten Freude das Gemach unseres Herzens, damit auch wir gemeinsam mit Maria selig gepriesen werden, weil wir den Herrn in uns tragen!

Diakon Markus

Bischöfe bitten um Unterstützung der Adveniat-Weihnachtsaktion

Infolge der Corona-Pandemie ist Lateinamerika auf die Weltkarte des Hungers zurückgekehrt. Die deutschen Bischöfe und rufen eindringlich dazu auf, die bundesweite Adveniat-Weihnachtsaktion „ÜberLeben in der Stadt“ großzügig zu unterstützen.

Die deutschen Bischöfe rufen am dritten Adventssonntag, dem 12. Dezember 2021, zur Unterstützung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion auf. Unter dem Motto „ÜberLeben in der Stadt“ rückt das Lateinamerika-Hilfswerk die Sorgen und Nöte der armen Stadtbevölkerung in den Blick. Infolge der Corona-Pandemie ist Lateinamerika auf die Weltkarte des Hungers zurückgekehrt. Insbesondere in den Städten ist die Zahl der Menschen, die in Armut leben, extrem gestiegen. Die Bischöfe bitten deshalb in ihrem Aufruf, der in allen Gottesdiensten verlesen wird, um eine großzügige Spende bei der Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Wenn aufgrund der Corona Situation die Gottesdienste an Weihnachten nicht wie gewohnt in der Kirche in Präsenzform stattfinden können, ist eine Beteiligung an der Kollekte auch jederzeit möglich. 

„Lateinamerika ist die am härtesten von der Corona-Pandemie betroffene Weltregion. Vor allem die Situation der Armen hat sich verschlechtert, viele erleiden große Not“, schreiben die Bischöfe. Die kirchlichen Partner vor Ort seien ein „Zeichen der Hoffnung“. Sie stellten sich dem wachsenden Elend entgegen: „Sie lindern akute Not, schenken Kranken und Trauernden Beistand, schaffen Existenzgrundlagen und kümmern sich um die Schwächsten: Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien.“ Seit mehr als 60 Jahren stehe Adveniat an der Seite der Ärmsten, betonen die Bischöfe und rufen mit einem eindringlichen Appell zum Spenden auf: „Wir bitten Sie um eine großzügige Spende bei der Adveniat-Weihnachtskollekte. Bleiben Sie den Menschen in Not und Armut verbunden.“

Wortlaut des Aufrufs der deutschen Bischöfe zur Adveniat-Weihnachtsaktion 2021:

Liebe Schwestern und Brüder,

Lateinamerika ist die am härtesten von der Corona-Pandemie betroffene Weltregion. Die Corona-Krise und ihre Folgen bestimmen das Leben der Menschen in durchgreifender Weise. Vor allem die Situation der Armen hat sich verschlechtert, viele erleiden große Not.

Doch es gibt auch Zeichen der Hoffnung: Zahlreiche Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften und kirchliche Gruppen in ganz Lateinamerika und der Karibik stellen sich dem wachsenden Elend entgegen. Sie nehmen sich der Menschen an und helfen, wo immer dies möglich ist. Sie lindern akute Not, schenken Kranken und Trauernden Beistand, schaffen Existenzgrundlagen und kümmern sich um die Schwächsten: Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien.

Adveniat hat seine diesjährige Weihnachtsaktion unter das Thema „ÜberLeben in der Stadt“ gestellt. Die Aktion präsentiert Beispiele der vielfältigen Hilfe, die vor Ort geleistet wird. Seit mehr als 60 Jahren steht Adveniat an der Seite der Ärmsten. Die Weihnachtskollekte in den Gottesdiensten und die Spenden sind das Fundament der Arbeit.

Wir bitten Sie um eine großzügige Spende bei der Adveniat-Weihnachtskollekte. Ihre Gabe ist ein Hoffnungszeichen für viele Menschen in Lateinamerika und der Karibik. Bleiben Sie den Menschen in Not und Armut verbunden, nicht zuletzt im Gebet!

Das Jubiläumsjahr geht weiter …

Den neuen „Angelus“ für Dezember 2021 bis Februar 2022 gibt es hier zum herunterladen!

Immer noch klingen in meinen Ohren begeisterte Stimmen und Dankbarkeit nach unserem Jubiläum vom 16. bis 17. Oktober. Viele von ihnen haben sich kulturvoll bei mir oder beim Diakon persönlich sowohl für das Worship-Konzert am Samstag, wie auch für die große Feier am Sonntag bedankt. Wir erwidern diese Dankbarkeit, denn es ist heutzutage nicht selbstverständlich, dass man sich für solchen Aufwand an Arbeit bedankt. Hiermit danken wir ausdrücklich allen Helfern, die aktiv an den Vorbereitungen, besonders beim Auf- und Abbau des Festzeltes, mitgewirkt haben – Vergelt’s Gott!

Wie Sie wissen, wollten wir nicht bloß punktuell am Weihetag unserer Kirche das Jubiläum begehen, sondern das dreifache Jubiläum als Ansporn für das ganze Jahr nutzen zur Vertiefung unserer Zugehörigkeit zur Pfarrei und zur Erneuerung wie auch Stärkung des Glaubens.

Hinter uns liegen also die schönen Feierlichkeiten mit unserem Herrn Bischof und geladenen Gästen in Oktober, wie auch das außergewöhnliche Gebet in November für die Gründer und Erbauer der Pfarrei und der Pfarrkirchen seit 160 Jahren, aber natürlich auch für die ersten Christen unserer Region seit dem 12. Jahrhundert, als hier das erste katholische Bistum entstanden ist – Bistum Lebus.

Jetzt bereiten wir uns vor auf die nächsten Ereignisse des Jubiläums vor, und zwar auf unsere 3 adventlichen Roratemessen, die wir in der Dunkelheit unserer Pfarrkirche je an einem Adventsfreitag, um 18.30 Uhr feiern werden – dazu eine herzliche Einladung, besonders an die Kinder und Jugendlichen, mit eigenen Laternen zu kommen und die Dunkelheit der Kirche zu erhellen.

Am 4. Adventssonntag erwartet uns eine spirituelle Herausforderung, und zwar die Möglichkeit des Gebetes mit hunderten oder gar tausenden Radiohörern bei unserem Rundfunkgottesdienst (rbb-Kultur: 104,4 MHz, https://www.rbb-online.de/rbbkultur/livestream/), den wir am Sonntag, den 19. Dezember – ACHTUNG: erst um 10.00 Uhr feiern. 

Den nächsten Schritt bildet dann der Geburtstag unseres Herrn Jesus Christus – Weihnachten. Je nach Lage der Pandemie (wir behalten uns kurzfristige Änderungen vor) planen wir am Heiligen Abend (PL: Wigilia), den 24. Dezember, eine kurze Krippen-Andacht (PL: modlitwa przy szopce), um 16.00 Uhr für die Kinder und die reguläre Christnacht (PL: Pasterka) um 21.00 Uhr.

Das alte Jahr 2021 verabschieden wir am 31. Dezember um 17.00 Uhr mit einem Dankamt in der Pfarrkirche und begrüßen das neue Jahr 2022 am 1. Januar, auch um 17:00 Uhr.

Im neuen Jahr wollen wir – pandemiebedingt in der Kirche während der Sonntagsgottesdienste – einen sogenannten „Glaubenskurs“ starten, der ca. 8 bis 10 Sonntage dauert und uns thematische Katechesen und Meditationen bringt zur Vertiefung des Glaubens. Dieses Projekt werde ich mit unserem Herrn Diakon abwechselnd durchführen. Dazu eine herzliche Einladung und viel Licht des Heiligen Geistes. 

So wollen wir mit offenen Herzen und offenen Sinnen das Jubiläumsjahr miteinander erleben und unseren gemeinsamen Glaubensweg in dieser Welt festigen!

So wünsche ich Euch/Ihnen viel Kraft und Gesundheit, viel Gelassenheit und Geborgenheit, viel Licht und Freude, sowohl im Advent als auch an Weihnachten und besonders im neuen Jahr 2022!

Pfarrer Artur Żuk

„Wacht und betet allezeit“

Es geschieht immer ganz plötzlich: Wie leben dahin, das Jahr vergeht, und plötzlich ist Advent. Und kaum ist der Advent gekommen, ist auch schon Weihnachten da. 

Wie es in Psalm 90 heißt: „Rasch geht es (das Leben) vorbei, wir fliegen dahin.“

So ist der erste Adventsonntag ein gute und wichtige Bremse vor dem Weihnachtsfest. Er reißt uns heraus aus dem Dahinfliegen und stellt uns mit dem Blick auf das Ende der Welt die Frage: „Bist du bereit? Bist du bereit für das Ende? Bist du bereit zum Sterben?“

Diese Frage passt so gar nicht zu unserer adventlichen Stimmung. Doch es geht zu Beginn des Advents nicht um den romantischen Blick auf das Kindlein in der Krippe, sondern um den realistischen Blick auf unser Leben: Sind wir bereit Ihm zu begegnen, vor Ihm zu stehen, wenn die Ewigkeit in unser endliches Leben hereinbricht?

Der Zeichenlehrer meiner Frau hat sie gelehrt, dass ein Bild in jedem Stadium des Zeichnens oder Malens fertig sein muss. Wann immer ich mit der Arbeit an dem Bild abbreche, muss es so stehen bleiben können.

Das gilt auch für unser Leben. Wir wissen nicht, wann der Herr kommt. Sind wir bereit? Sind wir fertig?

Mit dem Blick auf unser Seelenheil und auf das ewige Leben, wird das meiste, mit dem wir uns jeden Tag beschäftigen, völlig unwichtig und unbedeutend. Nehmen wir uns ein Beispiel an todkranken Menschen, die ihr irdisches Ende vor Augen haben. Plötzlich erkennen sie, was wirklich wichtig ist im Leben, worauf es ankommt. Und sie verschwenden keine Zeit mehr, denn die Zeit die ihnen bleibt, ist zu kostbar, um sich mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen.

Nun, wie können wir das tun? Wie bereiten wir uns auf den „Adventus“ vor, auf die Ankunft  des Königs, unseres Herrn Jesus Christus? Er selbst sagt uns heute: „Wacht und betet allezeit.“

„Allezeit beten“, heißt nicht, dass wir 24 Stunden am Tag mit gefalteten Händen knien und das Vaterunser sprechen. Was heißt beten? Beten ist die Kommunikation mit Gott, die zur Kommunion führt. Also die Beziehung zu Gott, die Verbindung mit Gott, die zur Gemeinschaft mit ihm führt.

So können wir uns in diesem Advent vornehmen, was Tobit seinem Sohn Tobias rät: „Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit; bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt.“

Das Morgengebet, das Tischgebet und das Abendgebet sind die drei Säulen auf denen unser geistliches Leben ruht und die es tragen. Aber wir können vielleicht in diesem Advent einen Schritt weiter in Richtung „Beten ohne Unterlass“ gehen, in dem wir alles, was wir beginnen – und sei es die kleinste und unbedeutendste Tätigkeit – im Namen Gottes tun. Mit Ihm und für Ihn. Tun wir ganz bewusst nichts ohne Gott. Und wenn wir damit fertig sind, danken wir Ihm und loben Ihn. 

So entwickelt sich nach und nach ein ständiges inneres Gebet, ein Bewusstsein, dass Er immer gegenwärtig ist. Und so kann Er auch immer mehr in uns und durch uns handeln und wirken. Wir werden transparenter, durchlässiger für Gott.

So können wir auch nach und nach das Vertrauen und die Sicherheit bekommen, dass uns nicht die Politik oder Pharmakonzerne Heil und Erlösung von allem Übel bringen, sondern ausschließlich der wehrlose, ohnmächtige Sohn Gottes im Holz der Krippe und am Holz des Kreuzes. 

Und schließlich können wir zu der Haltung gelangen, von der Jesus im heutigen Evangelium auch gesprochen hat: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“

Sich „aufrichten“ und „das Haupt erheben“ sind in der biblischen Sprache Zeichen des Sieges. All die Schrecken und Verwirrungen dieser Zeit und selbst der Tod werden uns nichts anhaben können. Denn Er ist unser Herr, und Er kommt in unser Leben.

Diakon Markus

Ein kirchliches Fest mit politischer Bedeutung

Das Christkönigsfest ist ein vergleichsweise junges Fest, es wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt. 1925 feierte die römisch-katholische Kirche das 1600-Jahr-Jubiläum des Konzils von Nicäa 325 mit einem Heiligen Jahr. Mit der Enzyklika „Quas primas“ setzte Papst Pius XI. das Hochfest vom Königtum Christi in den liturgischen Kalender ein.

Ursprünglich wurde das Christkönigsfest am letzten Sonntag im Oktober, direkt vor Allerheiligen gefeiert. Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde der Termin auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres gelegt. Damit wird nochmals deutlich, in welcher Überzeugung Christen leben und dieses Fest feiern: Jesus Christus ist der Herr über Raum und Zeit, er ist der Maßstab allen Handelns.

Historischer Hintergrund

Als Papst Pius XI. 1925 das Hochfest von der Königsherrschaft Jesu einführte, befand sich die Welt im politischen Umbruch: der Erste Weltkrieg und seine Folgen waren immer noch präsent und überall in Europa hatten jahrhundertealte Monarchien ihre Macht verloren und wurden von Demokratien abgelöst.

Um dem gesellschaftlichen und politischen Wandel und dem Laizismus, der Trennung von Kirche und Staat, entgegenzuwirken, wollte Papst Pius XI. mit diesem Fest an die Königswürde Jesu erinnern und den Menschen Orientierung für das eigene Leben geben.

Zudem hat das Fest einen endzeitlichen Charakter. Christus König wird tatsächlich über die Welt herrschen, wenn er auf die Erde zurückkehrt.

Politische Bedeutung

Schon bald nach seiner Einführung gelangte das Christkönigsfest in Deutschland zu besonderer Bedeutung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts feierte die katholische Jugendbewegung am Sonntag nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag, den sogenannten Bekenntnissonntag. An diesem Tag bekannten sich die jungen Gläubigen öffentlich zu Jesus Christus.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren auch die katholischen Jugendverbände immer stärkeren Repressalien ausgesetzt. So durften sich die Gruppen nur noch zur rein religiösen Betätigung treffen und der Bekenntnissonntag wurde für sie wichtiger den je. Mit eigenen Uniformen, Bannern und Fahnen zeigten die Jugendlichen im Gottesdienst und bei Prozessionen ihre Zugehörigkeit zu Christus und damit gleichzeitig ihren Widerstand gegen die nationalsozialistischen Vereine und Verbände.

1935 jedoch wurde das Reichssportfest auf den Sonntag nach Pfingsten gelegt und den jungen Christen die Möglichkeit genommen, den Bekenntnissonntag zu feiern. Als Alternativtermin wählten sie deshalb das Christkönigsfest Ende Oktober.
Dieser Termin hatte einen starken Symbolcharakter: Mit ihrem deutlichen Bekenntnis zu Jesus Christus, dem König der Welt, erteilten sie dem Führerkult der Nationalsozialisten eine deutliche Absage.

Quelle: www.vivat.de

Bild: Mosaik in der Kathedrale von Cefalú, Sizilien (Foto: Matthias Süße)

„Glaubst du das?

Nach dem Tod des Lazarus sagt Jesus zu dessen Schwester Marta: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ – Glaubst du das, fragt uns Jesus auch heute. Glauben wir das?

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: Ich glaube an … die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.  – Und wir bekräftigen es mit einem: Amen.

Wenn wir sagen, dass wir daran glauben: sind wir davon überzeugt, vertrauen wir darauf? Oder reden wir es uns ein? Als Trost? Damit nicht alles sinnlos wird?

Der Tod ist eine Grenze, die wir mit unserer Wahrnehmung und aus unserer eigenen Erfahrung nicht überschreiten können. Das wird uns bei jedem Tod, den wir miterleben, besonders bei nahen Angehörigen schmerzhaft bewusst. 

Wenn wir auch an der Grenze des Todes scheitern, so kommt uns doch unser Schöpfer vom Anbeginn der Zeiten über diese Schwelle entgegen. So entgegnet Jesus den Sadduzäern, die nicht an die Auferstehung glaubten: „Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden.“

Gott ist ein Gott der Lebenden. Er ist das Leben selbst. So kann das Leben nicht verloren gehen, den Gott kann sich nicht selbst verlieren. So kann auch das Leben in der Schöpfung nicht einfach aufhören oder verschwinden. Gott hält es in seiner Hand. 

Diese Glaube erwachte schon im alten Bund, wie es im 2. Buch der Makkabäer heißt: „Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.“

Und als dieser Gott des Lebens offenbart sich Jesus bei der Auferweckung des Lazarus indem er zu Marta sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

War es im Alten Bund eine Hoffnung, die langsam aus dem Glauben an den lebendigen Gott gewachsen ist, so ist durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus die Gewissheit noch größer geworden, dass der Gott des Lebens zu uns kommt, den Tod endgültig und für immer überwindet und seine Schöpfung befreit.

Und weiter: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ – Und Marta glaubt – noch vor dem Tod und der Auferstehung des Herrn. 

Die Auferstehung Jesu ist ja der Dreh- und Angelpunkt unseres ganzen Glaubens. So kann Paulus ganz deutlich sagen: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“

Daher fragt uns Jesus: Glaubst du das? 

Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz hat bei einer Katechese über das ewige Leben in St. Pölten einen philosophischen Zugang zum Glauben an die Auferstehung gezeigt. Dadurch, dass der Mensch ein transzendentes Wesen ist, muss es ein ewiges Leben geben. Warum? 

(Ich vereinfache das jetzt:) Wenn ich am Anfang gesagt habe, dass der Tod eine Grenze ist, die wir nicht überschreiten können, so stimmt das nicht ganz. Denn wir können eben über uns selbst hinausdenken, über unser begrenztes Sein in der Welt hinausgehen. Das nennt man Transzendenz, von lateinisch transcendentia „das Übersteigen“. So können wir auch über unsere Grenzen hinausdenken, auch über unseren Tod hinaus. Allein dass wir über ein ewiges Leben nachdenken, ja es denken können, zeigt, so Gerl-Falkovitz, dass wir als Geschöpfe auf das ewige Leben hin angelegt sind, da wir nichts denken könnten, was nicht in uns grundgelegt ist. Oder andersherum gesagt: Ich kann nicht denken, was nicht ist.

So ist das ewige Leben durch den lebendigen Gott in uns hineingelegt worden. Durch die Sünde jedoch – das Wort kommt von „absondern“ – haben wir uns von Gott abgewendet – und dadurch vom Leben. So ist die Folge der Sünde der Tod. Da Jesus jedoch unsere Sünden auf sich genommen und den Tod überwunden hat, so sind wir durch ihn gerettet zur Auferstehung und zum ewigen Leben.

So sagt uns Paulus im 1. Tessalonicherbrief: „Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.“

Diakon Markus

Foto: Shutterstock.com

Hirtenwort zum weltweiten synodalen Prozess

HIRTENWORT
zur Eröffnung des synodalen Prozesses der Weltkirche „Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ am 17. Oktober 2021 im Bistum Görlitz

Liebe Schwestern und Brüder!

Am vergangenen Sonntag, dem 11. Oktober 2021 hat Papst Franziskus für die gesamte Kirche einen synodalen Prozess eröffnet. Dieser Prozess soll im Jahre 2023 in eine Weltbischofssy- node münden. Das ist etwas Neues und noch Ungewohntes für uns. Erstmalig beginnt eine Bischofssynode direkt mit einem Austausch der Gläubigen in den verschiedenen Ländern. Darum wende ich mich heute an Euch, liebe Schwestern und Brüder, in unserem Bistum und insbesondere an die Priester und alle Verantwortlichen für die Pastoral, um mit Euch gemeinsam diesen Prozess zu eröffnen.

Das Wort „Synode“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „zusammen einen Weg gehen“. Gemeint ist damit der Weg der Kirche und der Weg des Glaubens jedes einzel- nen Christen. Jede Zeit bringt neue Fragen und Herausforderungen mit sich. Darum bedarf es immer wieder auch der gemeinsamen Vergewisserung des Glaubens und der gegenseitigen Stärkung. Das Wort „Synode“ deutet auf den Weg hin, den das Volk Gottes geht und verweist zugleich auf Jesus, der von sich selbst sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).

Wir dürfen uns auch daran erinnern, dass die ersten Christen in der Apostelgeschichte die „Anhänger des Weges Jesu“ genannt werden (vgl. Apg 9,2).
Mit dem Bild des Weges erinnert uns der Heilige Vater an einen Stil, der das Leben und die Sendung der Kirche ausmacht. „Synode“ ist darum nicht nur eine Veranstaltung, die auch wieder vorübergeht, es ist die Weggemeinschaft des Volkes Gottes. Dafür brauchen wir eine bestimmte Haltung, die in diesem Prozess eingeübt werden soll.

Grundsätzlich kennen wir das aus unseren Gemeinden und kleinen christlichen Gemeinschaften: Wenn wir zusammen kommen in den Gruppen der Pfarreien oder bei Wallfahrten im Bistum, stärken wir uns gegenseitig, teilen miteinander Freude und Leid und suchen nach Wegen, wie der Glaube heute gelebt werden kann.
Das Neue ist, dass Papst Franziskus eine solche Übung des gemeinsamen Gehens, einen sy- nodalen Prozess, erstmalig für die gesamte Kirche möchte. Alle Teilkirchen sollen ihre guten aber auch schwierigen Erfahrungen von Synodalität zusammentragen. Im kommenden Jahr werden diese Erfahrungen durch die Bischofskonferenzen gebündelt und auf die Ebene der Kontinente gehoben. Im Jahre 2023 wird dann eine Weltbischofssynode mit dem Heiligen Vater gemeinsam alle Fragen des synodalen Stils im Leben der Kirche beraten.

Der synodale Prozess für die Weltkirche hat drei Dimensionen, die hier kurz vorgestellt wer- den sollen.

1. GEMEINSCHAFT – Communio

Gott führt in der Kirche verschiedene Völker in einem Glauben zusammen. Die Kirche ist katholisch und damit eine weltweite Gemeinschaft. Wir freuen uns gerade hier im Osten Deutschlands darüber, dass unsere Gemeinden seit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Öffnung der Grenzen durch katholische Christen aus anderen Ländern bereichert worden sind. Die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander entsteht durch das Sakrament der Taufe. Dadurch sind wir eingefügt in das pilgernde Volk Gottes. Darum können auch alle in dieser Gemeinschaft einen Beitrag dazu leisten, wenn es darum geht, den Ruf Gottes für sein Volk in dieser Zeit zu erkennen. Aus dem gemeinsamen Glauben erwächst eine Haltung des gemeinsamen Gehens. Das ist eine synodale Haltung, die jetzt in der Kirche wachsen soll.

2. TEILHABE – Partizipation

Die heutigen technischen Möglichkeiten erlauben es, dass viele sich beteiligen können – auf der Ebene der Gemeinde, der Diözese und der ganzen Kirche. Gemeint ist damit, zunächst das gegenseitige intensive und respektvolle Zuhören zu üben. Wir sollen einen Raum schaffen, in dem wir die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen. Er will uns den Weg weisen für eine Kirche im dritten Jahrtausend.

In einer synodalen Kirche, in der nicht nur Priester und Bischöfe sprechen, sondern jeder mit seinen Gaben befähigt und berufen ist, etwas beizutragen, wächst das Bewusstsein dafür, dass wir gemeinsam Kirche sind. Teilhabe bedeutet, dass wir zusammengerufen sind, „um zu beten, zu hören, zu analysieren, miteinander zu sprechen, zu unterscheiden…(und) um die pastoralen Entscheidungen zu treffen“, die Gottes Willen am besten entsprechen. Dieses ge- genseitige Hören wird den Reichtum des Glaubens und selbstverständlich auch die Fragen unserer Zeit zutage fördern. Papst Franziskus wünscht, dass besonders Menschen am Rande gehört werden, ja wenn möglich auch jemand, der die Kirche verlassen hat.

3. SENDUNG – Mission

Die Kirche darf niemals Nabelschau betreiben. Sie ist dazu da, dass Evangelium ansteckend zu verbreiten und anderen Menschen den Glauben vorzuschlagen und sie zur Nachfolge Jesu einzuladen. Der synodale Prozess soll die ganze Kirche mehr zu diesem Auftrag befähigen. Durch die Firmung sind wir alle berufen, Zeugen für Christus zu sein. Wer seinen Glauben versteckt oder sich dessen schämt, der verrät diesen Auftrag. Gerade Ostdeutschland ist einer der Landstriche Europas, in dem es die wenigsten Christen gibt. Das darf uns nicht entmutigen oder gar gleichgültig werden lassen. Es ist eine Herausforderung, die der Herr uns zumutet. Es ist eine Gewissensfrage für jeden von uns: Wünsche ich ehrlichen Herzens, dass mein nichtchristlicher Kollege oder die Nachbarin im Haus Christus und seine Kirche kennenlernt? Mit dieser Sehnsucht im Herzen kann jeder Weg mit unseren Zeitgenossen zu einer Gottesberührung werden.

Liebe Schwestern und Brüder,
mit diesem Brief lade ich Sie ein, sich an diesem weltweiten Prozess zu beteiligen, den Papst Franziskus ausgerufen hat. Das soll bis zum Ende des Jahres bei verschiedenen Gelegenheiten geschehen, bei denen Sie gemeinsam auf dem Weg sind: in den verschiedenen Gruppen der Pfarrei und den gewählten Gremien, in den Gebetskreisen und diakonischen Versammlungen. Ich rege an, auch Mitchristen einzuladen, die sich nicht regelmäßig in einer festen Gruppe engagieren. Die Fragen für das Gespräch werden auch auf der Homepage unseres Bistums veröffentlicht, so dass auch Einzelne sich äußern können. Meine Aufgabe als Bischof wird es sein, die Antworten aus den Pfarreien und von einzelnen Gläubigen zu sammeln und zusammen zu fassen. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll dann daraus eine gemeinsame Antwort aus den deutschen Diözesen entstehen, die wir in den synodalen Prozess einbringen und dem Heiligen Vater ans Herz legen. Die Bischofssynode 2023 beginnt damit jetzt mitten unter uns in unseren Pfarreien und Gemeinschaften.

Der Papst lädt ausdrücklich dazu ein, die Fragen zu besprechen, die dem eigenen Bistum und der eigenen Umgebung am besten entsprechen. Aus seinen Vorschlägen habe ich für unsere Diözese drei Felder ausgewählt:

1. Den Weggefährten zuhören

Mit wem gehen wir wirklich gemeinsam den Weg des Glaubens? Wer sind diejenigen, die abseitsstehen, die außen vor bleiben? Warum stehen sie am Rande?
Wie spricht Gott zu uns durch Stimmen, die wir mitunter ignorieren? Was erleichtert oder erschwert uns das Zuhören und die Offenheit für unsere Weggefährten?

2. Mitverantwortung und Teilhabe an der gemeinsame Sendung

Was hindert die Getauften daran, sich an der Sendung der Kirche zu beteiligen? Wo müssen wir für mehr Teilhabe (Partizipation) sorgen und sie ermöglichen? Wo braucht es Unterstützung für diejenigen, die sich beteiligen wollen, aber es sich nicht zutrauen? Wie gut funktionieren unsere gewählten Gremien, die eine synodale Kirche repräsentieren? Was können wir verbessern?

3. Die Quelle aller Mission – die Feier der Liturgie

Wie spiegelt sich in allen unseren Gottesdiensten (nicht nur in der Messfeier am Sonn- tag, sondern auch bei den Feiern der Sakramente), dass wir mit vielen in unserer Gesellschaft auf dem Weg sind? Wie fördern wir die aktive Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie? Welche Rolle spielen das gemeinsame Gebet und die Liturgie bei wichtigen Entscheidungen unserer Gemeinde?

Liebe Schwestern und Brüder,
Papst Franziskus hat eine große Vision: er möchte, dass unsere Kirche tiefer von einem „Wir“ geprägt wird und dass wir uns mehr als Weggefährten verstehen. Jeder Getaufte und Gefirmte, die gottgeweihten Frauen und Männer in den Orden, wie auch die für den Dienst am Volk Gottes geweihten Diakone, Priester und wir Bischöfe – sie alle haben einen „Instinkt des Glaubens – den sensus fidei – der ihnen hilft, das zu unterscheiden, was wirklich von Gott kommt.
Das gerade macht den Reichtum einer synodalen Kirche aus und kann uns als Gemeinschaft anziehender und lebendiger machen. Dass dabei nun alle katholischen Christen auf der Erde zu einem solchen Weg eingeladen sind, wird uns neu bewusst machen, dass wir eine welt- weite Kirche sind, die geeint ist in der Anbetung des dreifaltigen Gottes.
Ich lade Euch ein, diesen synodalen Prozess mit Eurem Gebet zu begleiten, damit wir ganz geöffnet werden für den Weg, den der Herr seiner Kirche im 21. Jahrhundert zeigt. Empfehlen wir unsere Kirche der Mutter des Herrn, die mit den Aposteln im Abendmahlssaal um den Heiligen Geist gebetet hat.

Zu diesem gemeinsamen Weg segne Euch der allmächtige Gott, der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist.

Euer Bischof + Wolfgang