Ein kirchliches Fest mit politischer Bedeutung

Das Christkönigsfest ist ein vergleichsweise junges Fest, es wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt. 1925 feierte die römisch-katholische Kirche das 1600-Jahr-Jubiläum des Konzils von Nicäa 325 mit einem Heiligen Jahr. Mit der Enzyklika „Quas primas“ setzte Papst Pius XI. das Hochfest vom Königtum Christi in den liturgischen Kalender ein.

Ursprünglich wurde das Christkönigsfest am letzten Sonntag im Oktober, direkt vor Allerheiligen gefeiert. Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde der Termin auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres gelegt. Damit wird nochmals deutlich, in welcher Überzeugung Christen leben und dieses Fest feiern: Jesus Christus ist der Herr über Raum und Zeit, er ist der Maßstab allen Handelns.

Historischer Hintergrund

Als Papst Pius XI. 1925 das Hochfest von der Königsherrschaft Jesu einführte, befand sich die Welt im politischen Umbruch: der Erste Weltkrieg und seine Folgen waren immer noch präsent und überall in Europa hatten jahrhundertealte Monarchien ihre Macht verloren und wurden von Demokratien abgelöst.

Um dem gesellschaftlichen und politischen Wandel und dem Laizismus, der Trennung von Kirche und Staat, entgegenzuwirken, wollte Papst Pius XI. mit diesem Fest an die Königswürde Jesu erinnern und den Menschen Orientierung für das eigene Leben geben.

Zudem hat das Fest einen endzeitlichen Charakter. Christus König wird tatsächlich über die Welt herrschen, wenn er auf die Erde zurückkehrt.

Politische Bedeutung

Schon bald nach seiner Einführung gelangte das Christkönigsfest in Deutschland zu besonderer Bedeutung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts feierte die katholische Jugendbewegung am Sonntag nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag, den sogenannten Bekenntnissonntag. An diesem Tag bekannten sich die jungen Gläubigen öffentlich zu Jesus Christus.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren auch die katholischen Jugendverbände immer stärkeren Repressalien ausgesetzt. So durften sich die Gruppen nur noch zur rein religiösen Betätigung treffen und der Bekenntnissonntag wurde für sie wichtiger den je. Mit eigenen Uniformen, Bannern und Fahnen zeigten die Jugendlichen im Gottesdienst und bei Prozessionen ihre Zugehörigkeit zu Christus und damit gleichzeitig ihren Widerstand gegen die nationalsozialistischen Vereine und Verbände.

1935 jedoch wurde das Reichssportfest auf den Sonntag nach Pfingsten gelegt und den jungen Christen die Möglichkeit genommen, den Bekenntnissonntag zu feiern. Als Alternativtermin wählten sie deshalb das Christkönigsfest Ende Oktober.
Dieser Termin hatte einen starken Symbolcharakter: Mit ihrem deutlichen Bekenntnis zu Jesus Christus, dem König der Welt, erteilten sie dem Führerkult der Nationalsozialisten eine deutliche Absage.

Quelle: www.vivat.de

Bild: Mosaik in der Kathedrale von Cefalú, Sizilien (Foto: Matthias Süße)

„Glaubst du das?

Nach dem Tod des Lazarus sagt Jesus zu dessen Schwester Marta: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ – Glaubst du das, fragt uns Jesus auch heute. Glauben wir das?

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: Ich glaube an … die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.  – Und wir bekräftigen es mit einem: Amen.

Wenn wir sagen, dass wir daran glauben: sind wir davon überzeugt, vertrauen wir darauf? Oder reden wir es uns ein? Als Trost? Damit nicht alles sinnlos wird?

Der Tod ist eine Grenze, die wir mit unserer Wahrnehmung und aus unserer eigenen Erfahrung nicht überschreiten können. Das wird uns bei jedem Tod, den wir miterleben, besonders bei nahen Angehörigen schmerzhaft bewusst. 

Wenn wir auch an der Grenze des Todes scheitern, so kommt uns doch unser Schöpfer vom Anbeginn der Zeiten über diese Schwelle entgegen. So entgegnet Jesus den Sadduzäern, die nicht an die Auferstehung glaubten: „Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden.“

Gott ist ein Gott der Lebenden. Er ist das Leben selbst. So kann das Leben nicht verloren gehen, den Gott kann sich nicht selbst verlieren. So kann auch das Leben in der Schöpfung nicht einfach aufhören oder verschwinden. Gott hält es in seiner Hand. 

Diese Glaube erwachte schon im alten Bund, wie es im 2. Buch der Makkabäer heißt: „Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.“

Und als dieser Gott des Lebens offenbart sich Jesus bei der Auferweckung des Lazarus indem er zu Marta sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

War es im Alten Bund eine Hoffnung, die langsam aus dem Glauben an den lebendigen Gott gewachsen ist, so ist durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus die Gewissheit noch größer geworden, dass der Gott des Lebens zu uns kommt, den Tod endgültig und für immer überwindet und seine Schöpfung befreit.

Und weiter: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ – Und Marta glaubt – noch vor dem Tod und der Auferstehung des Herrn. 

Die Auferstehung Jesu ist ja der Dreh- und Angelpunkt unseres ganzen Glaubens. So kann Paulus ganz deutlich sagen: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“

Daher fragt uns Jesus: Glaubst du das? 

Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz hat bei einer Katechese über das ewige Leben in St. Pölten einen philosophischen Zugang zum Glauben an die Auferstehung gezeigt. Dadurch, dass der Mensch ein transzendentes Wesen ist, muss es ein ewiges Leben geben. Warum? 

(Ich vereinfache das jetzt:) Wenn ich am Anfang gesagt habe, dass der Tod eine Grenze ist, die wir nicht überschreiten können, so stimmt das nicht ganz. Denn wir können eben über uns selbst hinausdenken, über unser begrenztes Sein in der Welt hinausgehen. Das nennt man Transzendenz, von lateinisch transcendentia „das Übersteigen“. So können wir auch über unsere Grenzen hinausdenken, auch über unseren Tod hinaus. Allein dass wir über ein ewiges Leben nachdenken, ja es denken können, zeigt, so Gerl-Falkovitz, dass wir als Geschöpfe auf das ewige Leben hin angelegt sind, da wir nichts denken könnten, was nicht in uns grundgelegt ist. Oder andersherum gesagt: Ich kann nicht denken, was nicht ist.

So ist das ewige Leben durch den lebendigen Gott in uns hineingelegt worden. Durch die Sünde jedoch – das Wort kommt von „absondern“ – haben wir uns von Gott abgewendet – und dadurch vom Leben. So ist die Folge der Sünde der Tod. Da Jesus jedoch unsere Sünden auf sich genommen und den Tod überwunden hat, so sind wir durch ihn gerettet zur Auferstehung und zum ewigen Leben.

So sagt uns Paulus im 1. Tessalonicherbrief: „Wenn Jesus – und das ist unser Glaube – gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen zusammen mit ihm zur Herrlichkeit führen.“

Diakon Markus

Foto: Shutterstock.com

Hirtenwort zum weltweiten synodalen Prozess

HIRTENWORT
zur Eröffnung des synodalen Prozesses der Weltkirche „Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ am 17. Oktober 2021 im Bistum Görlitz

Liebe Schwestern und Brüder!

Am vergangenen Sonntag, dem 11. Oktober 2021 hat Papst Franziskus für die gesamte Kirche einen synodalen Prozess eröffnet. Dieser Prozess soll im Jahre 2023 in eine Weltbischofssy- node münden. Das ist etwas Neues und noch Ungewohntes für uns. Erstmalig beginnt eine Bischofssynode direkt mit einem Austausch der Gläubigen in den verschiedenen Ländern. Darum wende ich mich heute an Euch, liebe Schwestern und Brüder, in unserem Bistum und insbesondere an die Priester und alle Verantwortlichen für die Pastoral, um mit Euch gemeinsam diesen Prozess zu eröffnen.

Das Wort „Synode“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „zusammen einen Weg gehen“. Gemeint ist damit der Weg der Kirche und der Weg des Glaubens jedes einzel- nen Christen. Jede Zeit bringt neue Fragen und Herausforderungen mit sich. Darum bedarf es immer wieder auch der gemeinsamen Vergewisserung des Glaubens und der gegenseitigen Stärkung. Das Wort „Synode“ deutet auf den Weg hin, den das Volk Gottes geht und verweist zugleich auf Jesus, der von sich selbst sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6).

Wir dürfen uns auch daran erinnern, dass die ersten Christen in der Apostelgeschichte die „Anhänger des Weges Jesu“ genannt werden (vgl. Apg 9,2).
Mit dem Bild des Weges erinnert uns der Heilige Vater an einen Stil, der das Leben und die Sendung der Kirche ausmacht. „Synode“ ist darum nicht nur eine Veranstaltung, die auch wieder vorübergeht, es ist die Weggemeinschaft des Volkes Gottes. Dafür brauchen wir eine bestimmte Haltung, die in diesem Prozess eingeübt werden soll.

Grundsätzlich kennen wir das aus unseren Gemeinden und kleinen christlichen Gemeinschaften: Wenn wir zusammen kommen in den Gruppen der Pfarreien oder bei Wallfahrten im Bistum, stärken wir uns gegenseitig, teilen miteinander Freude und Leid und suchen nach Wegen, wie der Glaube heute gelebt werden kann.
Das Neue ist, dass Papst Franziskus eine solche Übung des gemeinsamen Gehens, einen sy- nodalen Prozess, erstmalig für die gesamte Kirche möchte. Alle Teilkirchen sollen ihre guten aber auch schwierigen Erfahrungen von Synodalität zusammentragen. Im kommenden Jahr werden diese Erfahrungen durch die Bischofskonferenzen gebündelt und auf die Ebene der Kontinente gehoben. Im Jahre 2023 wird dann eine Weltbischofssynode mit dem Heiligen Vater gemeinsam alle Fragen des synodalen Stils im Leben der Kirche beraten.

Der synodale Prozess für die Weltkirche hat drei Dimensionen, die hier kurz vorgestellt wer- den sollen.

1. GEMEINSCHAFT – Communio

Gott führt in der Kirche verschiedene Völker in einem Glauben zusammen. Die Kirche ist katholisch und damit eine weltweite Gemeinschaft. Wir freuen uns gerade hier im Osten Deutschlands darüber, dass unsere Gemeinden seit der Wiedervereinigung Deutschlands und der Öffnung der Grenzen durch katholische Christen aus anderen Ländern bereichert worden sind. Die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander entsteht durch das Sakrament der Taufe. Dadurch sind wir eingefügt in das pilgernde Volk Gottes. Darum können auch alle in dieser Gemeinschaft einen Beitrag dazu leisten, wenn es darum geht, den Ruf Gottes für sein Volk in dieser Zeit zu erkennen. Aus dem gemeinsamen Glauben erwächst eine Haltung des gemeinsamen Gehens. Das ist eine synodale Haltung, die jetzt in der Kirche wachsen soll.

2. TEILHABE – Partizipation

Die heutigen technischen Möglichkeiten erlauben es, dass viele sich beteiligen können – auf der Ebene der Gemeinde, der Diözese und der ganzen Kirche. Gemeint ist damit, zunächst das gegenseitige intensive und respektvolle Zuhören zu üben. Wir sollen einen Raum schaffen, in dem wir die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen. Er will uns den Weg weisen für eine Kirche im dritten Jahrtausend.

In einer synodalen Kirche, in der nicht nur Priester und Bischöfe sprechen, sondern jeder mit seinen Gaben befähigt und berufen ist, etwas beizutragen, wächst das Bewusstsein dafür, dass wir gemeinsam Kirche sind. Teilhabe bedeutet, dass wir zusammengerufen sind, „um zu beten, zu hören, zu analysieren, miteinander zu sprechen, zu unterscheiden…(und) um die pastoralen Entscheidungen zu treffen“, die Gottes Willen am besten entsprechen. Dieses ge- genseitige Hören wird den Reichtum des Glaubens und selbstverständlich auch die Fragen unserer Zeit zutage fördern. Papst Franziskus wünscht, dass besonders Menschen am Rande gehört werden, ja wenn möglich auch jemand, der die Kirche verlassen hat.

3. SENDUNG – Mission

Die Kirche darf niemals Nabelschau betreiben. Sie ist dazu da, dass Evangelium ansteckend zu verbreiten und anderen Menschen den Glauben vorzuschlagen und sie zur Nachfolge Jesu einzuladen. Der synodale Prozess soll die ganze Kirche mehr zu diesem Auftrag befähigen. Durch die Firmung sind wir alle berufen, Zeugen für Christus zu sein. Wer seinen Glauben versteckt oder sich dessen schämt, der verrät diesen Auftrag. Gerade Ostdeutschland ist einer der Landstriche Europas, in dem es die wenigsten Christen gibt. Das darf uns nicht entmutigen oder gar gleichgültig werden lassen. Es ist eine Herausforderung, die der Herr uns zumutet. Es ist eine Gewissensfrage für jeden von uns: Wünsche ich ehrlichen Herzens, dass mein nichtchristlicher Kollege oder die Nachbarin im Haus Christus und seine Kirche kennenlernt? Mit dieser Sehnsucht im Herzen kann jeder Weg mit unseren Zeitgenossen zu einer Gottesberührung werden.

Liebe Schwestern und Brüder,
mit diesem Brief lade ich Sie ein, sich an diesem weltweiten Prozess zu beteiligen, den Papst Franziskus ausgerufen hat. Das soll bis zum Ende des Jahres bei verschiedenen Gelegenheiten geschehen, bei denen Sie gemeinsam auf dem Weg sind: in den verschiedenen Gruppen der Pfarrei und den gewählten Gremien, in den Gebetskreisen und diakonischen Versammlungen. Ich rege an, auch Mitchristen einzuladen, die sich nicht regelmäßig in einer festen Gruppe engagieren. Die Fragen für das Gespräch werden auch auf der Homepage unseres Bistums veröffentlicht, so dass auch Einzelne sich äußern können. Meine Aufgabe als Bischof wird es sein, die Antworten aus den Pfarreien und von einzelnen Gläubigen zu sammeln und zusammen zu fassen. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll dann daraus eine gemeinsame Antwort aus den deutschen Diözesen entstehen, die wir in den synodalen Prozess einbringen und dem Heiligen Vater ans Herz legen. Die Bischofssynode 2023 beginnt damit jetzt mitten unter uns in unseren Pfarreien und Gemeinschaften.

Der Papst lädt ausdrücklich dazu ein, die Fragen zu besprechen, die dem eigenen Bistum und der eigenen Umgebung am besten entsprechen. Aus seinen Vorschlägen habe ich für unsere Diözese drei Felder ausgewählt:

1. Den Weggefährten zuhören

Mit wem gehen wir wirklich gemeinsam den Weg des Glaubens? Wer sind diejenigen, die abseitsstehen, die außen vor bleiben? Warum stehen sie am Rande?
Wie spricht Gott zu uns durch Stimmen, die wir mitunter ignorieren? Was erleichtert oder erschwert uns das Zuhören und die Offenheit für unsere Weggefährten?

2. Mitverantwortung und Teilhabe an der gemeinsame Sendung

Was hindert die Getauften daran, sich an der Sendung der Kirche zu beteiligen? Wo müssen wir für mehr Teilhabe (Partizipation) sorgen und sie ermöglichen? Wo braucht es Unterstützung für diejenigen, die sich beteiligen wollen, aber es sich nicht zutrauen? Wie gut funktionieren unsere gewählten Gremien, die eine synodale Kirche repräsentieren? Was können wir verbessern?

3. Die Quelle aller Mission – die Feier der Liturgie

Wie spiegelt sich in allen unseren Gottesdiensten (nicht nur in der Messfeier am Sonn- tag, sondern auch bei den Feiern der Sakramente), dass wir mit vielen in unserer Gesellschaft auf dem Weg sind? Wie fördern wir die aktive Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie? Welche Rolle spielen das gemeinsame Gebet und die Liturgie bei wichtigen Entscheidungen unserer Gemeinde?

Liebe Schwestern und Brüder,
Papst Franziskus hat eine große Vision: er möchte, dass unsere Kirche tiefer von einem „Wir“ geprägt wird und dass wir uns mehr als Weggefährten verstehen. Jeder Getaufte und Gefirmte, die gottgeweihten Frauen und Männer in den Orden, wie auch die für den Dienst am Volk Gottes geweihten Diakone, Priester und wir Bischöfe – sie alle haben einen „Instinkt des Glaubens – den sensus fidei – der ihnen hilft, das zu unterscheiden, was wirklich von Gott kommt.
Das gerade macht den Reichtum einer synodalen Kirche aus und kann uns als Gemeinschaft anziehender und lebendiger machen. Dass dabei nun alle katholischen Christen auf der Erde zu einem solchen Weg eingeladen sind, wird uns neu bewusst machen, dass wir eine welt- weite Kirche sind, die geeint ist in der Anbetung des dreifaltigen Gottes.
Ich lade Euch ein, diesen synodalen Prozess mit Eurem Gebet zu begleiten, damit wir ganz geöffnet werden für den Weg, den der Herr seiner Kirche im 21. Jahrhundert zeigt. Empfehlen wir unsere Kirche der Mutter des Herrn, die mit den Aposteln im Abendmahlssaal um den Heiligen Geist gebetet hat.

Zu diesem gemeinsamen Weg segne Euch der allmächtige Gott, der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist.

Euer Bischof + Wolfgang

Eröffnung des Jubiläumsjahres

Das war die Eröffnung unseres Jubiläumsjahres 2021/22 mit Worship-Konzert am 16. und Pontifikalamt mit Weihe des Patroziniumsaltars sowie Agape im Festzelt am 17. Oktober:

Fotos: Lars Lehmann

Die bewegte Geschichte der katholischen Kirchbauten von Guben

Am 17. Oktober 2021 feiert die katholische Pfarrei St. Trinitas in Guben den 50. Jahrestag der Weihe ihrer Pfarrkirche „Maria, Mutter der Christenheit“ im Ortsteil Reichenbach.

Der Kirchbau in Reichenbach war für die katholische Gemeinde Guben nicht der erste. Diese blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.

Die erste Kirche einer katholische Pfarrei stand auf der heute polnischen Seite der Stadt, in Gubin. Wann hier erstmals eine Kirche erbaut wurde, wissen wir heute nicht mehr. Der später Stadt- und Hauptkirche genannte Sakralbau wird bereits 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Von 1508 bis 1557 erhält die spätgotische Kirche ihre endgültige äußere Gestalt. Ende Februar 1945 wird sie durch Kriegshandlungen schwer beschädigt und brennt aus. Seitdem steht sie als Ruine und gleichzeitig als Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung in der historischen Altstadt von Gubin.

Doch bereits vorher geht die historische Pfarrkirche für die Katholiken verloren, denn 1519 setzt in Guben die Reformation ein. Die ganze Lausitz wird protestantisch, einzig Neuzelle bleibt als Glaubensinsel katholisch. Den Neuzeller Zisterziensern ist jedoch jede Amtsausübung in Guben verboten. Um am religiösen Leben teilzunehmen, müssen die verbliebenen Katholiken zu Fuß nach Neuzelle wandern. Auf diese Weise wird ein Zeitraum von 300 Jahren überbrückt.

Ihr erstes Kirchweihfest nach der Reformation kann die durch Zuwanderer gewachsene katholische Gemeinde vor 160 Jahren feiern. Von 1858 bis 1860 wird eine neugotische Kirche auf ehemaligen Weinbergen gebaut. Die erforderlichen Mitteln werden nur durch Spenden von Privatpersonen sowie von kirchlichen Einrichtungen in Paderborn, Linz und Breslau aufgebracht. Die Diözese St. Pölten in Niederösterreich springt helfend ein, um den Unterhalt für einen Geistlichen zu finanzieren. 

Bereits nach 10 Jahren treten durch Bodensenkungen und eintretendes Regenwasser erste Schäden auf. Auch die Gemeinde hat sich in diesem Zeitraum verzehnfacht. Nach schwieriger Geldbeschaffung, Rückschlägen durch den 1. Weltkrieg und die Inflation in den 20er-Jahren sowie zähen Verhandlungen mit den staatlichen Stellen kann im Juli 1935 mit dem Um- und Ausbau der Kirche begonnen werden. Die neue Kirche St. Trinitas wird vor 85 Jahren, am 30. August 1936 geweiht.

Nach der Teilung der Stadt nach dem 2. Weltkrieg ist die Kirche für die Gubener Katholiken nicht mehr zugänglich. Die Sonntagsmessen finden erst in der Aula der Pestalozzischule und später im evangelischen Gemeindehaus bzw. in der Kirche des guten Hirten, auch Wilke-Kirche genannt, statt. 

Im Januar 1952 kann nach langen Verhandlungen das Gelände an der Sprucker Straße erworben werden. Im April wird die Baugenehmigung erteilt für das Gemeindehaus mit Unterrichts- Versammlungs- und Verwaltungsräumen sowie mit einem bescheidenen, aber würdigen Gottesdienstraum. Das Pfarrhaus wird unter großen Opfern der Gemeinde gebaut. Im September 1952 wird Richtfest gefeiert. Im Februar 1953 vom noch unverputzen Haus Besitz ergriffen. Ab April 1955 finden alle Gottesdienste im Gemeindehaus statt.

Der ab 1964 durch das Chemiefaserwerk ausgelöste Zuzug von Arbeitern lässt die katholische Gemeinde stark wachsen, und das Thema Kirchbau wird wieder drängender. Eine entsprechende Anfrage beim Bauamt wird abgeschmettert. Trotz des ungebrochenen Willens zum Kirchbau tauchen immer neue Gründe zur Ablehnung auf.

Der Mai 1966 bringt schließlich eine überraschende Wende: Es darf gebaut werden, jedoch nicht auf dem vorgesehen Geländer in der Sprucker Straße, sondern im Ortsteil Reichenbach. Die Genehmigung zum Kirchbau wird außerdem an zwei Bedingungen geknüpft: kein Baulimit und keine Bindung an eine Baufirma. Es muss also wieder mit eigenen Kräften gebaut werden. 

Am 3. Mai 1967 erfolgt die feierliche Grundsteinlegung durch Bischof Gerhard Schaffran.

Die Beschaffung der Baumaterialien ist oft abenteuerlich und für manche Beteiligte gehen die Einsätze bis an die Grenzen der Belastbarkeit und es gibt einige kritische Momente.

In nur vier Jahren kann trotz aller Widrigkeiten die Kirche unter Pfarrer Winfried Steffen und den sogenannten Baukaplänen Josef Hoffmann und Friedrich Ludwig Quack sowie unter maßgeblicher Beteiligung der Gemeindemitglieder nach den Plänen des Architekten Egon Körner errichtet werden. Am 17. Oktober 1971 ist der große Tag der Kirchweihe gekommen.

Und genau 50 Jahre später dürfen wir mit Bischof Wolfgang Ipolt mit einer Festmesse unser Jubeljahr eröffnen!

Foto: Wilke

Vorbereitungen für das Fest: Marienaltar und Jubiläumskelch

Die Vorbereitungen für die Eröffnung des Jubiläumsjahres mit einem Festgottesdienst am 17. Oktober laufen auf Hochtouren. Dabei geht es aber nicht nur um Organisatorisches oder Kulinarisches. Gerade noch rechtzeitig vor dem Fest ist der neue Patroziniumsaltar geliefert und aufgestellt worden. Dieser trägt nun unsere schöne Madonna aus Holz, unsere Kirchenpatronin „Maria, Mutter der Christenheit“. Im Rahmen der Festmesse wird Bischof Wolfgang Ipolt den neuen Seitenaltar weihen.

Außerdem wird Bischof Ipolt bei der Eröffnung des Jubiläumsjahres einen neuen Messkelch verwenden: Pfarrer Artur Żuk, Kanoniker Uwe Aschenbrenner und Diakon Markus Michael Riccabona haben der Pfarrei zu ihrem „runden Geburtstag“ einen Kelch gestiftet, der bereits am letzten Sonntag geweiht wurde, damit er bei der Festmesse verwendet werden kann.

Papst eröffnet Synodalen Prozess

Mit einer feierlichen Messe hat Papst Franziskus an diesem Sonntag im Petersdom den Synodalen Prozess eröffnet, der in zwei Jahren in der Weltbischofssynode im Vatikan zu Synodalität münden wird. Bereits am Vortag wurden die Arbeiten durch einen „Moment des Nachdenkens“ mit verschiedenen Zeugnissen eingeleitet.

Auch auf diözesaner Ebene wird an diesem Wochenende der Konsultationsprozess eingeläutet, der bis zur Bischofssynode konkrete Erkenntnisse über die Realitäten in der Weltkirche zeitigen soll. In seiner Predigt betonte der Papst zum wiederholten Mal, dass es sich bei der Synode keineswegs um ein Parlament handele, sondern dass es darum gehe, „gemeinsam zu gehen“ und eine „Kirche des Zuhörens“ zu werden. Seine Überlegungen schlüsselte Franziskus – wie mittlerweile von ihm in jesuitischer Manier gewohnt – anhand dreier Verben auf: Begegnen, zuhören, unterscheiden.

Verkörpern wir, die christliche Gemeinschaft, den Stil Gottes, der durch die Geschichte hindurchgeht und die Ereignisse der Menschheit teilt? Sind wir bereit, uns auf das Abenteuer des Weges einzulassen, oder flüchten wir uns aus Angst vor dem Unbekannten lieber in die Ausreden ,das ist nicht nötig‘ und ,das hat man schon immer so gemacht‘?“, so leitete Franziskus die Predigt mit einer Einladung zur kollektiven Gewissenserforschung ein.

Die Predigt im Wortlaut

Foto: Vatican News

Die Bausteine der Kirche sind wir selbst

Als ich vor meinem Dienstantritt das erste Mal nach Guben kam, führte mich Pfarrer Aschenbrenner durch
Pfarrhaus und Kirche und erzählte auch kurz von deren Geschichte. Ich war tief beeindruckt, dass all das von den Gläubigen selbst, mit ihren eigenen Händen aufgebaut wurde. Bisher hatte ich das nur aus der Geschichte gekannt, als früher im Mittelalter das gläubige Volk unter großen Opfern mithalf, Klöster und Kathedralen zu bauen.

Im Stift Heiligenkreuz, meinem früheren Dienstort, sind in der vormaligen Fraterie (Werkstatt der Laienmönche) die Fugen der Steinmauern rot eingefärbt (siehe Foto). Das soll bedeuten, dass die Bausteine der Kirche vom Blut der Märtyrer zusammengehalten werden.

Ich hoffe zwar, dass beim Kirchenbau in Guben kein reales Blut geflossen ist, aber im übertragenen Sinne kann man auch hier sagen, dass die Kirche durch den Schweiß und das Blut der damaligen Generation aufgebaut und zusammengehalten wurde und wird. Auf dem Fundament des tätigen Glaubens unserer Eltern und Großeltern steht unsere heutige Pfarrgemeinde.

Mögen auch wir selbst zu wahren Bausteinen der Kirche Christi werden und uns von ihm einfügen lassen an der Stelle, die er für uns vorgesehen hat, damit auch wir das Fundament des Glaubens für die nachkommenden Generationen werden.

Diakon Markus

Foto: Stift Heiligenkreuz

Lasst uns jubeln!

Den aktuellen Gemeindeboten „Angelus“ zur Eröffnung unseres Jubiläumsjahres gibt es hier zum Herunterladen. Den Beitrag von Pfarrer Artur Żuk können Sie gleich im Folgenden lesen:

Ein Jubeljahr (lateinisch annus iubilaeus) oder Heiliges Jahr (annus sanctus) ist ein besonderes Jubiläumsjahr in der römisch-katholischen Kirche, in dem der Papst den Gläubigen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen einen vollständigen Ablass gewährt.

Das kirchliche Jubeljahr knüpft indirekt an das biblische Erlassjahr an: einen alle 50 Jahre gebotenen Schuldenerlass und Besitzausgleich für alle Israeliten (Lev 25,8–55). Die Bezeichnung „Jubeljahr“ oder „Jobeljahr“ stammt vom hebräischen Wort jobel, das ursprünglich „Widder“ bedeutete. Aus Widderhörnern wurde das Blasinstrument Schofar gebaut, das zur Eröffnung eines Erlassjahrs geblasen werden sollte. Daher wurde der Ausdruck jobel auf das Instrument und das damit eröffnete Erlassjahr übertragen. – Die lateinische Bibelübersetzung Vulgata des 4. Jahrhunderts übersetzte das hebräische schenat hajobel mit annus iubilæus. Daher stammen „Jubel“, „Jubeljahr“ und das Fremdwort Jubiläum. Daraus abgeleitet ist die umgangssprachliche Redewendung „alle Jubeljahre“, die „ganz selten“ bedeutet, da ein Mensch in der Regel nur zwei bis drei dieser Jubeljahre erleben kann.

So ergibt sich auch für uns in Guben ein besonderes Jubiläumsjahr, das wir am Sonntag, den 17. Oktober 2021 mit einem Pontifikalgottesdienst um 16:00 Uhr mit unserem Bischof Wolfgang Ipolt eröffnen.

Da sich unser Jubiläumsjahr mit dem „Jahr des hl. Josefs“, das Bischof Ipolt bei uns in Guben am 19. März dieses Jahres für die ganze Diözese Görlitz eröffnete, wie auch mit dem „Jahr der Familie“ verbindet (diese beiden spirituellen „Maßnahmen“ hat der Papst Franziskus auch für die gesamte römisch-katholische Kirche in Rom eröffnet), dürfen auch wir hier vor Ort aus den Schätzen der Kirche schöpfen und die am Anfang erwähnten und mit dem Jubeljahr verbundenen Ablässe geistlich nutzen.

Auch die traditionelle Ankündigung unseres Jubeljahres werden wir tätigen. Allerdings nicht mit den Widderhörnern, sondern mit unserer Band, die bereits am Vorabend unseres Festes, am Samstag, den 16. Oktober (Fest der hl. Hedwig), um 19:00 Uhr ein Worship-Konzert in unserer Pfarrkirche geben wird.

Aber… was wollen wir tatsächlich feiern?

Nach den historischen Recherchen hat sich ergeben, dass genau auf den Tag vor 50 Jahren, d.h. am 17. Oktober 1971 unsere Pfarrkirche am Rosenweg 14, durch den damaligen Bischof von Görlitz, Gerhard Schaffran, geweiht wurde. Das ist unser erstes Jubiläum, das wir an dem Tag feiern werden. Aber nicht das einzige, denn in dieser Zeit jährt sich zum 155. Mal die Weihe der ersten Pfarrkirche (die auf der polnischen Seite in der Stadt Gubin steht) und zum 160. Mal die Gründung der römisch-katholischen Pfarrei in Guben. Dieses dreifache Jubiläum wollen wir also ordentlich feiern, und zwar nicht nur an einem Tag, sondern durch das ganze Jubiläumsjahr 2021/2022 hindurch.

Die große Jahresfeier soll viele spirituelle Impulse beinhalten, die in uns den Glauben erneuern und stärken sollen:

Oktober 2021: Konzert und Eröffnung des Jubiläumsjahres mit Agape (16./17. Oktober)

November 2021: Besonderes Gebet für die verstorbenen Katholiken der Stadt Guben 

Dezember 2021: Rundfunkgottesdienst (am 19. Dezember, um 10:00 Uhr, ja! um 10:00 Uhr)

Januar bis März 2022: Glaubenskurs

April 2022: öffentlicher Kreuzweg, Triduum Sacrum

Mai 2022: Maiandachten mit Marienkatechesen, Erstkommunion

Juni 2022: Pfingst-Triduum mit Patrozinium und Firmung am Pfingstmontag (6. Juni)

Juli 2022: Anbetungssonntag

August 2022: Marien-Wochenende um den 15. August herum

September 2022: Bistumswallfahrt nach Neuzelle (4. Sept.)

Oktober 2022: Abschlussgottesdienst des Jubiläumsjahres mit Pfarrfest (16. Oktober)

Hiermit lade ich Sie/Euch alle zur Teilnahme an den Eröffnungsfeierlichkeiten, wie auch an allen spirituellen Angeboten des ganzen Jubiläumsjahres unserer Pfarrei herzlich ein. Für alle gibt es Platz und entsprechende Angebote. 

Und noch eine Bitte: Verrichten Sie in dem kommenden Jubeljahr jeden Tag ein beharrliches Gebet für die Pfarrei und die ganze Stadt Guben, damit wir alle eine tatsächliche Erneuerung im Geiste Jesu Christi erleben. In diesem Sinne: Lasst uns jubeln!

Pfarrer Artur Żuk

Foto: Archiv der Pfarrei Guben

Aktion „Brückenband“

Herzliche Einladung zur Aktion „Brückenband“ am 19. September 2021 auf der TheaterinselDiakonie und Kirchengemeinden laden ein zur deutsch-polnischen Begegnung.

Mit der Aktion „Brückenband“ wollen wir im Monat der Diakonie besonders die Brücke zwischen den Menschen in Guben und Gubin stärken. Die deutsch-polnische Brücke hat es während der Corona-Pandemie schwer gehabt. Wie in vielen Bereichen ist die gemeinsame Begegnung zu kurz gekommen.

Darum veranstalten die Kirchen der Stadtökumene Guben am 19. September 2021 um 14.30 Uhr auf der Theaterinsel die ökumenische Aktion „Brückenband“.
Gemeinsam mit den Kirchengemeinden in Gubin sind Gubener und Gubiner und Einrichtungen der Diakonie und Caritas eingeladen, das gemeinsame Band mit einer symbolischen Aktion zu stärken.
Im Vorfeld werden Bänder in den Nationalfarben in den Kirchengemeinden und auch am 19. September ausgeteilt. Die einzelnen Bänder werden dann zu einem großen Band verknüpft, das möglichst von einem Ufer der Neiße bis zum anderen reichen soll.

Gegen 15 Uhr erfolgt eine Andacht mit geistlichen Ansprachen auf Polnisch und Deutsch und jeweiliger Übersetzung. Anschließend können die Gäste bei Kaffee und Kuchen verweilen und miteinander ins Gespräch kommen oder auch vielleicht die eine oder andere Einrichtung näher kennenlernen.