Freue dich!

Der 4. Fastensonntag am 14. März trägt den Namen „Laetare“. Diese Bezeichnung kommt vom Beginn des lateinischen Eröffnungsverses „Laetare Ierusalem“ – „Freue dich, Jerusalem“! In den Messgewändern wird das ernste Violett der Fastenzeit zu einem Rosa aufgehellt: Die Hälfte der Fastenzeit ist um, die Freude auf das Osterfest wächst.

Doch die Freude soll sich nicht auf äußere Zeichen wie einen Vers oder eine Farbe beschränken. Die Freude ist eine der wichtigsten Botschaften des Evangeliums: Wir dürfen, ja wir sollen uns freuen, weil Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt von Sünde und Tod befreit, die an ihn glauben erlöst hat.

So kann uns der Laetare-Sonntag daran erinnern, dass es auch in diesen schwierigen Zeiten, inmitten von Krankheit, Not, Unsicherheit und Ängsten einen Grund zur Freude gibt. Auch wenn die äußeren Umstände dazu wenig Anlass geben mögen, so können wir uns doch innerlich von allen Einschränkungen befreien, unseren Geist und unser Herz frei machen und uns wahrhaft freuen. Tiefe Freude ist nicht abhängig von äußeren Bedingungen: Es gibt bewegende Zeugnisse von Menschen, die Freude sogar unter den furchtbaren Bedingungen von Verfolgung und Gefangenschaft, ja in KZs und Gulags erlebt und bezeugt haben. 

Diese Freude hat oft eine Kleinigkeit zum Anlass, als Auslöser: eine Blüte, die nach dem Winter durch den Schnee oder die Laubdecke bricht; ein wärmender Sonnenstrahl, der mein Gesicht trifft; eine kleine Geste eines anderen Menschen, die mich berührt; das Lachen eines Kindes. Die Liste könnte lange fortgesetzt werden, und wir alle haben diese kleinen Momente der Freude schon erlebt. 

Doch warum „wirken“ diese Auslöser von Freude? Weil sie etwas berühren, das tief in uns liegt. Weil sie uns an etwas erinnern, das in unser Menschsein hineingelegt wurde. Diese äußere Schönheit, Lieblichkeit oder Nähe bewirken eine tiefe Resonanz in unserer Seele. Es wird eine Saite in uns angeschwungen, die uns an eine ganz ursprüngliche Freude erinnert und diese lebendig macht, vergegenwärtigt.

Diese Freude liegt in einer persönlichen Beziehung begründet: der Liebe Gottes zum Menschen. Er hat diese Liebe in der ganzen Schöpfung zum Ausdruck gebracht. „Gott sah, dass es gut war“, wie es in der Bibel heißt. Diese Liebe hat er in der Erschaffung jedes einzelnen von uns, von Ihnen und von mir, zum Ausdruck gebracht. Und diese Liebe hat er auf ganz besondere Weise gezeigt, als er selbst Mensch geworden ist und am Kreuz sein Leben für uns hingegeben hat: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“

Diese Liebe, die aus seiner Beziehung zu den Menschen kommt, ist die Freude Gottes. Und wir können diese Freude entdecken, wenn wir selbst auch in Beziehung mit ihm treten, wenn wir auf sein Liebesangebot antworten. Diese persönliche Beziehung zu Gott wird uns zur Quelle einer Freude, die niemals versiegt. Nicht unter den widrigsten Umständen.

Diakon Markus

Foto: Riccabona

Es geht! Anders.

Mit der Fastenaktion lädt MISEREOR zu einer Neuausrichtung unserer Lebensweise ein: In der Corona-Krise haben wir gelernt, dass ein anderes, verantwortungsvolles Leben möglich ist. In Deutschland und auf der ganzen Welt. Wie viel Kraft aus dem gemeinsamen Willen zur Veränderung erwachsen kann, beweisen MISEREOR-Partner in Bolivien. Dort fördert die PSC Reyes indigene und kleinbäuerliche Gemeinschaften in ihrer Anbauweise im Einklang mit der Natur. CEJIS unterstützt indigene Völker dabei, ihre Rechte wahrzunehmen und ihre Gebiete zu schützen.

Mehr Informationen dazu gibt es hier!

Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wertvollen Beitrag dazu – danke!
Spendenkonto IBAN DE75 3706 0193 0000 1010 10

Misereor-Fastenaktion

Asche als Dünger für die Fastenzeit

Die Asche für das Aschenkreuz stammt immer von den Palmzweigen des Palmsonntags im Vorjahr, die dafür verbrannt werden. So entsteht eine Kontinuität zwischen der letzten Karwoche und der kommenden Fastenzeit. 

Das Bild, dass ausgerechnet Asche weitergegeben wird, mag überraschen, denn man kennt ja den Spruch, was lebendige Tradition (= Weitergabe) ausmacht: „Tradition ist nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers.“ 

Asche ist jedoch nicht nur der Überrest von verloschenem, ausgebranntem Feuer. Sie ist auch Dünger! 

Und genau den brauchen wir in der Fastenzeit: einen guten Dünger für unseren Glauben! Das dichte Erdreich unseres Lebens soll aufgelockert und gut durchlüftet werden, um anschließend – mit gutem Dünger genährt – wieder reiche Frucht zu bringen. 

Was ist nun dieser Dünger für uns? Oder besser: Wer ist dieser Dünger? Die Palmzweige sind ein Symbol für die Verehrung des Königs, des Messias‘, der – auf einem Esel reitend – in Jerusalem eingezogen ist. Ebenso sind sie Symbol für das Martyrium, gleichsam der Siegeskranz derer, die ihr Leben für Christus hingegeben haben. 

In der Asche der Palmzweige begegnet uns bereits die Passion Jesu, der uns durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz erlöst hat. ER ist der wahre und ewige Dünger unseres Lebens! 

Beitrag aus dem aktuellen Gemeindebrief „Angelus“ – HIER die ganze Ausgabe herunterladen!

Foto: Mitchell Lugo/Unsplash

Fastenpost – Schritte zum Osterfest

Das Bistum Görlitz bietet in Kooperation mit dem Evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz eine besondere Aktion für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern an. Ein Angebot, das sich ausdrücklich nicht nur an Christen richtet und das ganz ohne Computer und Internet funktioniert.

Wer sich zu einer Teilnahme entschlossen hat, erhält sieben Mal einen Brief zu Wochenbeginn. Dieser wiederum beinhaltet sieben weitere Briefe mit Impulsen für jeden Tag, beispielsweise Bildern, Texten und Gebeten. So kann man mit dieser Hilfe einen eigenen Rhythmus finden und ihn in einem ganz persönlichen Ritual umsetzen.

Wer diesen Weg mitgehen möchte, meldet sich bitte bis zum 10. Februar an. Sie erhalten einen Willkommensbrief mit den nötigen Informationen.

Telefon: 03581 478237 oder www.bistum-goerlitz.de/kursanmeldung

„Sonntag des Wortes Gottes“

Zum zweiten Mal wird am kommenden 31. Januar der „Sonntag des Wortes Gottes“ gefeiert. Papst Franziskus hat am 30. September 2019, dem Gedenktag des heiligen Hieronymus, im Motu proprio „Aperuit illis“ den 3. Sonntag im Jahreskreis in besonderer Weise dem Wort Gottes gewidmet (in Deutschland wegen des traditionellen Bibelsonntags der letzte Sonntag im Januar!). Hieronymus, der die Bibel ins Lateinische übersetzt hatte, hatte gesagt: „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“

Die Entscheidung, diesen Sonntag einzurichten, sei als Antwort auf zahlreiche Anfragen Gläubiger zu verstehen, erläuterte Franziskus in seinem Dokument: „Auf besondere Weise einen Sonntag des Kirchenjahres dem Wort Gottes zu widmen, ermöglicht es vor allem, dass die Kirche die Handlung des Auferstandenen wieder erfährt, der auch uns den Schatz seines Wortes erschließt, damit wir in der Welt Verkünder dieses unerschöpflichen Reichtums sein können.“

Die Emmaus-Begegnung der Jünger mit Jesus erinnere daran, „wie untrennbar die Beziehung zwischen Heiliger Schrift und Eucharistie ist“, betont Franziskus, der in diesem Zusammenhang auch auf die dogmatische Konstitution Dei Verbum über die göttliche Offenbarung hinweist. Die Kirche, so heißt es dort, habe „die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht“ (Dei Verbum, 21).

Franziskus rief dazu auf, sich niemals an das Wort Gottes „zu gewöhnen“ Dieses rufe ständig „zur barmherzigen Liebe des Vaters“ auf und sei gleichzeitig in der Lage, „unsere Augen zu öffnen, damit wir aus dem Individualismus herauskommen, der zu Erstickung und Sterilität führt. Dazu tut es uns den Weg des Miteinanders und der Solidarität auf.“
Der dem Wort Gottes gewidmete Sonntag, so der Wunsch des Papstes, möge „im Volk Gottes die andächtige und beständige Vertrautheit mit der Heiligen Schrift wachsen lassen“, doch wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang vor allem eines: „Der der Bibel gewidmete Tag soll nicht ,einmal im Jahr‘, sondern einmal für das ganze Jahr stattfinden.“ 

Foto: Shutterstock.com

„Angelus“ für die Fastenzeit

Der neue Gemeindebrief „Angelus“ für die Monate Februar und März 2021 ist erschienen und kann hier heruntergeladen werden: Angelus Nr. 7

Den Leitartikel von unserem Pfarrer Artur Żuk können sie gleich hier lesen:

Neue Hoffnungen –
neue Herausforderungen

Der Zauber des Weihnachtsfestes und des Silvesters, ja sogar die Neujahrsvorsätze wurden bereits vergessen… und anstatt „Neues Jahr – neue Hoffnung“ auszurufen, kommt eher ein anderer Spruch in den Sinn: „Neues Jahr – neue Herausforderungen“.

Für unsere Pfarrei gilt das ebenso. Allerdings nehmen wir als Christen die neuen Herausforderungen gelassen, eher als eine wirksame Methode unserer Heiligung und inneren Entfaltung, denn wir glauben fest daran, dass alles, was uns widerfährt, doch eine Gnade ist, die wir nur richtig entziffern und nutzen sollen. In diesem Kontext betrachten wir alles, was uns im neuen Jahr begegnen wird, als Gottes Gabe und Auf-Gabe! Denn an solchen wird es uns im Jahr 2021 nicht fehlen.

Außer den traditionellen, typisch christlichen Aufgaben, wie die ordentliche spirituelle Vorbereitung (beginn am Aschermittwoch – 17. Februar) auf das Hochfest unserer Erlösung – Ostern (4. April), Erstkommunion (24. April), Pfingsten mit der Firmung und dem Patrozinium unserer Pfarrkirche am Pfingstmontag (23./24. Mai), dem grenzüberschreitenden Fronleichnamsfest (3. Juni)… und vielem anderen, erwartet uns in diesem Jahr etwas Einmaliges: Das doppelte JUBILÄUM und eine außergewöhnliche ZEIT der GNADE.

Im Herbst 2021, am Sonntag, den 17. Oktober, eröffnen wir feierlich, unter der Leitung unseres Bischofs Wolfgang Ipolt, das große JUBILÄUMSJAHR: 160 Jahre der Gründung der katholischen Pfarrei St. Trinitas in Guben und zugleich 50 Jahre der Einweihung der Pfarrkirche Maria, Mutter der Christenheit.

Diese Ereignisse wollen wir ordentlich und ausgiebig feiern, um uns selbst und allen Bewohnern der Stadt Guben bewusst zu machen, dass die katholische Kirche lebt, und dass es uns hier gibt. Wir wollen allen zeigen, dass wir auf eine reiche Geschichte zurückgreifen können und dass sogar die dämonischen Mächte der Vergangenheit die Kirche hier vor Ort nicht zerstören konnten, denn Jesus versprach dem ersten Papst, dem hl. Petrus, als er ihm die Schlüsselgewalt anvertraute: „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Das große JUBILÄUMSJAHR soll demnach für uns zwei Merkmale hervorheben: FREUDE über die katholische Kirche in Guben, wie auch UMKEHR und ERNEUERUNG des GLAUBENS in uns, damit die Kirche in Guben weiterhin bestehen kann als ein klares Zeichen des Wirkens Gottes in unserer Region.

Der erste, der einer ständigen Umkehr und Erneuerung des Glaubens bedarf, bin ich – euer Pfarrer, daher bitte ich EUCH ALLE schon heute, um ein beharrliches Gebet für mich, für die ganze Pfarrei und die Stadt Guben, damit das große JUBILÄUMSJAHR zu einem großen zwölfmonatigen Fest des Glaubens wird und zum Sieg Jesu sowohl in unserem persönlichen Leben, als auch in der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen. Dies soll unsere wahre Hoffnung und zugleich eine freudenbringende Herausforderung sein.

Es grüßt und segnet Euch/Sie
Pfarrer Artur Żuk

Foto: Kirchweihe durch Bischof Gerhard Schaffran 1971 (Archiv)

Papst fordert in Corona-Krise „konkreten Wandel“

Papst Franziskus hat in einem TV-Interview des italienischen Senders Canale 5 erneut zu einer Umkehr angesichts globaler Missstände aufgerufen. In dem am Sonntagabend ausgestrahlten Gespräch mit dem TV-Journalisten Fabio Marchese Ragona im Gästehaus Santa Marta äußerte er sich unter anderem zur Corona-Pandemie und den jüngsten Unruhen in den USA.

Die Pandemie bezeichnete er als eine beispiellose Krise, aus der die Menschheit entweder besser oder schlechter hervorgehen könne. Die Welt benötige einen „konkreten Wandel“, um Kriege, Hunger und andere Ungerechtigkeiten zu beenden. Dies sei nur durch Brüderlichkeit und Solidarität möglich. „Das ‚Wir‘ muss überwiegen, das Gemeinwohl aller“, so der Papst.

Einem solchen Wandel stehe jedoch die weit verbreitete „Kultur der Gleichgültigkeit“ entgegen, die immensen Schaden verursache. Ebenso kritisierte Franziskus eine „Wegwerfkultur“, in der die Achtung vor dem menschlichen Leben abhanden gekommen sei. Sie zeige sich im rücksichtslosen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten oder in der Abtreibungsfrage.

Abtreibung sei „kein religiöses, sondern ein menschliches Problem“, sagte der Papst. „Es ist ein Problem menschlicher Ethik. Ist es richtig, ein Menschenleben zu vernichten, um ein Problem zu beseitigen?“, fragte Franziskus. Erneut warnte er auch vor Sterbehilfe: „Niemand darf den Tod eines Kranken oder eines älteren Menschen beschleunigen, damit alles für uns angenehmer wird, damit wir weniger Probleme haben.“

Unter den drängendsten aktuellen Problemen weltweit nannte Franziskus in dem TV-Interview die Lage in Armut lebender Kinder. „Es gibt Kinder, die im Krieg geboren wurden und seit zehn Jahren im Krieg leben. Sie wissen nicht, was Frieden ist“, erklärte der Papst und beklagte die zahlreichen Konfliktherde. „Wir erleben bereits den Dritten Weltkrieg, einen Weltkrieg in Stücken“, warnte Franziskus einmal mehr.

Quelle: KAP
Foto: Ashwin Vaswani auf Unsplash

Bischof Ipolt ermutigt zur Haussegnung

Liebe Schwestern und Brüder!
Die Corona-Zeit bringt auch neue Chancen mit sich – man mag es kaum glauben! In diesem Jahr kommen die Sternsinger nicht zu Ihnen nach Hause. Ich lade Sie darum sehr herzlich ein, in den nächsten Tagen im Kreis Ihrer Familie oder auch für sich ganz allein eine kleine Andacht zu halten und den Segen für das neue Jahr zu erbitten. Besonders in dieser schwierigen Zeit sollten wir auf Gott bauen und seinen Schutz erbitten. Anbei finden Sie einen kleinen Vorschlag für einen solchen Haussegen. Anschließend schreiben Sie den Haussegen – so wie es sonst die Sternsinger tun – über Ihre Haustür – 20+C+M+B*21. Das ist gerade hier in der Diaspora ein Zeichen dafür, dass hier Christen wohnen.

Und eins sollten wir auch nicht vergessen: Die Spende für das Kindermissionswerk ist in diesem Jahr der Pandemie vielleicht noch wichtiger als sonst. Die Büchse der Sternsinger finden Sie dieses Mal nur digital auf der Seite www.sternsinger.de.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinn ein gesegnetes neues Jahr,
Ihr Bischof
+ Wolfgang Ipolt

Die Haussegnung zum neuen Jahr für Familien finden Sie hier.
Die Haussegnung zum neuen Jahr für Alleinstehende finden Sie hier.

„Im Anfang …“

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ So ähnlich beginnt auch das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel überhaupt: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.“ Und das Markusevangelium beginnt auch ähnlich. Wir haben es erst kürzlich, am 2. Adventsonntag gehört: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“

Es geht also um einen Anfang und es geht um Gott. Und wenn zwei der Evangelien so ähnlich beginnen wie das Alte Testament, dann geht es um einen neuen Anfang. Und zwar nicht nur um ein neues Kapitel, um einen neuen Abschnitt, um etwas Neues, das einfach zum Bestehenden dazukommt. Nein! Wenn das Evangelium, die Frohbotschaft, so beginnt wie der Schöpfungsbericht, dann geht es tatsächlich um eine neue Schöpfung! Da wird nicht nur ein bisschen etwas ausgebessert, ein Fehler repariert, die Folgen eines Unfalls beseitigt. Nein! Es geht um einen grundlegenden, radikalen Neubeginn!

Mit der Geburt Jesu Christi tritt Gott selbst, das Wort Gottes, durch das alles erschaffen wurde, in die Geschichte des Menschen ein. Dadurch werden alle Bedingungen des Lebens, alle Parameter der gesamten Schöpfung komplett neu ausgerichtet. Es ist, zeitgemäß ausgedrückt, wie wenn eine universelle Reset-Taste gedrückt wird, die Schöpfung neu bootet und ein neues Betriebssystem installiert wird, mit dem nun alle anderen Programme laufen.

„Im Anfang“ heißt es. Das ist ganz entscheidend! Nicht „am Anfang“! „Am Anfang“ würde einen zeitlichen Beginn bedeuten, der einmal in der Vergangenheit geschehen und abgeschlossen ist. Mit „am Anfang“ beginnt eine Geschichte, die vorbei ist. So wie: „Es war einmal …“

„IM Anfang“ bedeutet etwas Ursächliches. Etwas, das noch immer fortdauert, das ewiger Anfang, das Grundlage von allem ist und bleibt. Eine neue Bedingung alles Seienden. Im Kind in der Krippe ist dieser ewige Anfang unter uns erschienen, hat unter uns gewohnt, „gezeltet“, wie es wörtlich heißt. Indem Gott selbst einen Menschenkörper angenommen hat, hat er auch die menschliche Natur von innen heraus und grundlegend verändert. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er dem Menschen dann auch den Weg zum ewigen Leben und zur Einheit mit dem Vater im Heiligen Geist eröffnet. 

„Im Anfang“. Wenn wir Weihnachten wirklich begehen, wenn wir Weihnachten als inneres Fest feiern, dann können auch wir in unserem Leben einen neuen Anfang setzen, neue Bedingungen schaffen. In der Taufe ist das ontologisch, seinsmäßig bereits geschehen. In der Taufe sind wir zu dieser neuen Schöpfung geworden. Aber es gilt, unser Taufversprechen einzulösen, unsere Taufe in unserem Leben auch einzuholen.

Weihnachten kann für uns bedeuten, dass wir tatsächlich Jesus Christus zum Betriebssystem unseres ganzen Lebens machen, um diese Bild noch einmal zu verwenden. Wenn er die Grundlage unseres ganzen Lebens ist und nicht nur ein zusätzliches, nettes Beiwerk, dann verändert sich alles. Dann laufen auch alle Programme in unserem Leben grundlegend anders – nämlich ganz ausgerichtet auf Gott. Von ihm her, erfüllt von ihm und auf ihn hin.  „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.“

Liebe Brüder und Schwestern! Für die meisten ist mit dem heutigen Tag Weihnachten vorbei und man bereitet sich auf den Jahreswechsel vor. Für uns hat heute Weihnachten erst begonnen, und wir feiern Weihnachten eine ganze Woche lang bis zum Oktavtag, dem 1. Januar. Und die Weihnachtszeit geht noch bis zum Fest der „Taufe des Herrn“. Aber Weihnachten sollte für uns eigentlich niemals enden. Es soll die Grundlage unseres ganzen Lebens sein und bleiben. Das Wort Gottes, das uns erschaffen hat, das uns belebt und in dem wir vollendet werden. 

Weihnachtspredigt von Diakon Markus am 25. Dezember 2020

Foto:  Żuk

„Das Licht leuchtet in der finsternis“

Hirtenwort von Bischof Wolfgang Ipolt zum 4. Adventssonntag

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

I.

Heute ist der 4. Advent. Das Evangelium dieses Sonntags lenkt unseren Blick auf die Mutter des Herrn, die sich großherzig und gläubig dem Weg Gottes in diese Welt zur Verfügung stellt.
Kurz bevor wir in wenigen Tagen Weihnachten feiern werden – wie in jedem Jahr und doch dieses Mal ganz anders – möchte ich Ihnen allen mit diesem Brief ein Zeichen der Verbundenheit und der Ermutigung senden.

Das Weihnachtsfest in diesem Jahr ist für viele Menschen überschattet von Ängsten, Verunsicherung und Vereinsamung. Es ist nicht möglich, sich zum Fest in größerem Kreis zu treffen. Schon länger sind in dieser Zeit der Pandemie manche Selbstverständlichkeiten des menschlichen Miteinanders, wie zum Beispiel die Begrüßung durch einen Händedruck, bei uns allen der Vorsicht vor Ansteckung und der Sorge um den Nächsten gewichen. Ich gebe zu, dass dies auch für mich ein schwerer Verzicht ist, denn wir sehnen uns nach Berührung der Menschen, die wir lieben und denen wir unser Wohlwollen zeigen wollen. Solche Nähe müssen wir jetzt auf andere Weise zeigen und Ideen entwickeln, wie wir trotz Abstand Gemeinschaft bilden können.

Ich sehe auch zunehmend, dass manche Menschen in lähmender Angst gefangen sind und sich schwer tun, zu Vertrauen und größere Gelassenheit zu finden, was natürlich nicht zu verwechseln ist mit unverantwortlicher Unvorsichtigkeit.

Vieles ist im zurückliegenden Jahr im wahrsten Sinn des Wortes „frag-würdig“ geworden. Papst Franziskus hat es in seinem gerade erschienenen Buch „Wage zu träumen“ so ausgedrückt: „Diese

Krise deckt unsere Verwundbarkeit auf, sie legt die falschen Sicherheiten bloß, auf denen wir unser Leben aufgebaut haben. Es ist eine Zeit der ehrlichen Reflexion, der Besinnung auf unsere Wurzeln.“1 Wir merken doch alle: Auch unser Glaube ist herausgefordert oder gar angefochten in diesen Zeiten der Pandemie, vor allem dann, wenn uns Gewohntes wie am kommenden Weihnachtsfest versagt ist.

Da drängen sich Fragen auf, die nach einer Antwort rufen:
Auf welche Weise ist Gott auch jetzt in der Pandemie gegenwärtig? Was kann er uns in und durch eine solche Erfahrung sagen?
Was bedeutet es, dass wir trotz erheblicher Anstrengungen, die Krankheit derzeit nicht besiegen können?
Wie wichtig ist uns in dieser Zeit die eigene Beziehung zu Gott?
Mit vorschnellen Antworten auf diese Fragen bin ich zurückhaltend, weil Gott eben immer ein Geheimnis bleibt und wir nur tastend und vielleicht erst im Rückblick einmal entdecken, auf welche Weise er uns nahe war und auf welchen Weg er uns geschickt hat.

II.

Aber die Heilige Schrift, das Wort Gottes, kann uns Hinweise geben, wie wir auch in diesem Jahr Weihnachten christlich und vielleicht sogar näher am eigentlichen Kern des Festes feiern können.

Bei der Geburt des Täufers Johannes stimmt sein Vater Zacharias ein Lied an, das „Benedictus“,in dem es am Ende erwartungsvoll heißt: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes.“(Lk 1, 78f.) Was der „Schatten des Todes“ sein kann, erleben wir in diesen Wochen und Monaten hautnah – zunächst nur am Fernsehschirm, aber in den letzten Wochen auch in unseren Gemeinden, wenn vor allem ältere Menschen mit Covid 19 gestorben sind.Dennoch: Es gibt das „Licht aus der Höhe“, dass uns in der Finsternis nicht allein lässt. Zacharias sieht schon voller Hoffnung den Messias und Erlöser, dessen Geburtstag wir bald feiern werden. Wie in jedem Jahr werden wir Lichter anzünden in unseren Wohnungen, an der Krippe, in den Kirchen, an den Christbäumen auf den Marktplätzen unserer Städte und Dörfer. Das ist ein Zeichen, dass wir Gott zutrauen, dass er uns tatsächlich in der augenblicklichen Lage besucht als„das aufstrahlende Licht aus der Höhe“, und uns nahe sein will. Darüber dürfen wir uns an Weihnachten aus ganzem Herzen freuen.

Ein anderes Wort der Bibel aus dem Buch Ijob ist mir in den letzten Wochen zur Wegweisung geworden. Als Ijob mit einer schweren Krankheit geschlagen wird und vom Aussatz gezeichnet seine Gesundheit verliert, will seine Frau an Gott verzweifeln und auch ihrem Mann die Frömmigkeit ausreden. Darauf antwortet Ijob mit einer einfachen Frage: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“(Ijob 2,10) So kann nur jemand antworten, der immer unter der Vorsehung Gottes lebt und sich ihm verdankt weiß. In einer Zeit der Gottvergessenheit ist das nicht selbstverständlich, das weiß ich wohl. Viele meinen, dass das Leid unvereinbar sei mit dem Glauben an Gott und sie verlieren im Leid den Glauben oder zweifeln an Gottes Güte.

Weihnachten will uns zeigen, dass Gott gerade nicht Abstand („social distancing“) zu uns und zu dieser von der Pandemie geplagten Welt halten will, sondern wirklich Mensch wird und in Freud und Leid bei uns sein will. Gott zeigt sich in beiden Wirklichkeiten – im Glück und auch im Leiden. Wir glauben nicht an einen Gott, der alle unsere Wünsche erfüllt – dann wäre er nur eine Marionette unserer Vorstellungen. Gerade die letzen Monate haben uns gezeigt, dass Gott manche unserer Erwartungen durchkreuzt, dass Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden und dass das Leben zerbrechlich ist. Wir brauchen darum jetzt die Gelassenheit und das Vertrauen eines Ijob, der sagen kann: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“

III.

Liebe Schwestern und Brüder,
nach diesem Blick in die Heilige Schrift möchte ich Ihnen am heutigen Sonntag für das besondere Weihnachtsfest, vor dem wir stehen, einige ganz konkrete Empfehlungen geben, mit denen Sie trotz aller Einschränkungen den kommenden Tagen ein christliches Profil geben können. Vielleicht kann ja dadurch sogar etwas wachsen, was wir auch in der Zukunft weiter pflegen können.

1. In unseren Gottesdiensten werden wir in diesem Jahr aus bekannten Gründen die beliebten Weihnachtslieder nicht singen können. Darum meine erste Empfehlung: Singen Sie zu Hause im Kreis Ihrer Familie aus ganzem Herzen die Lieder, die von der Freude über die Geburt Christi erzählen. Für manchen wird das ungewohnt sein, im kleinen Kreis ein Lied anzustimmen. Sie können dabei die Erfahrung machen: „Wer singt, betet doppelt“, wie es der heilige Augustinus einmal ausgedrückt hat. Was früheren Generationen selbstverständlich war – zu Hause zu singen und zu musizieren – dazu kann uns die Corona-Zeit ermutigen.

2. Manch einem wird das übliche Krippenspiel am Heiligen Abend fehlen, andere vermissen das festliche Hochamt mit dem Kirchenchor. Nicht alle können in diesem Jahr an einem Gottesdienst teilnehmen. Aber Weihnachten darf nicht vorbei gehen ohne den Blick auf das eigentliche Geheimnis dieses Festes. Darum meine zweite Empfehlung: Halten Sie mit Ihren Familienangehörigen selbst am Heiligen Abend vor der Bescherung eine kleine Hausandacht an der Krippe in Ihrer Wohnung. Unser Gesangbuch „Gotteslob“ hat dafür unter der Nr. 26 einen schönen Vorschlag, den man dafür nutzen kann.

3. Meine dritte Empfehlung lautet: Ahmen Sie ein wenig das nach, was Gott tut: Er baut eine Brücke zu uns Menschen indem er selbst Mensch wird. Vergessen Sie darum an den Festtagen besonders ältere und kranke Menschen aus der Gemeinde nicht! Denken Sie an die Verwandten, die gern bei Ihnen wären aber wegen der Pandemie nicht eingeladen werden können oder die man nicht besuchen kann. Ein Telefonanruf – heute ja sogar schon mit Video möglich – baut eine solche Brücke von Mensch zu Mensch. Man kann sogar am Telefon zusammen beten oder singen – viele haben das schon probiert. Weihnachten lehrt uns, die Brücken zum Nächsten in dieser schwierigen Zeit zu festigen und nicht abreißen zu lassen. Wenn es in Ihrer Pfarrei ein Pflegeheim oder ein Krankenhaus gibt, kann es ein schönes Zeichen sein, dem Personal einen Weihnachtsgruß zu bringen als Dank für dessen aufopferungsvollen Dienst in dieser Zeit.

Liebe Schwestern und Brüder,
lassen Sie uns jetzt zuversichtlich auf Weihnachten zugehen. Auch in diesem Jahr können wir uns darüber freuen, dass wir an einen Gott glauben, der uns nicht im Stich lässt, sondern hinabgestiegen ist in unsere menschliche Armseligkeit. Ich bin sicher, dass er uns auch durch diese Krisenzeit führen wird. Darum lasst uns ein frohes Zeugnis für das Leben und für die Freude geben inmitten einer sterblichen Welt, die wir in der Pandemie jetzt existentiell erfahren.

Von solcher Zuversicht spricht eindrucksvoll das bekannte Gedicht des evangelischen Theologen und Märtyrers Dietrich Bonhoeffer:
Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

In dieser Zuversicht segne und begleite euch durch die kommenden Festtage hinüber in das neue Jahr der allmächtige Gott, der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Euer Bischof

Foto: Screenshot Bistum Görlitz