Öffentliche Gottesdienste ab 4. Mai wieder möglich!

Brandenburg erlaubt wie zuvor Berlin ab 4. Mai Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmenden. Bedingung sei, dass die staatlichen Hygiene- und Abstandsvorschriften eingehalten würden, erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke.

Erlaubt sind auch Bestattungen mit bis zu 50 Personen und Trauerfeiern im privaten und familiären Bereich mit bis zu 20 Personen sowie die Begleitung Sterbender im engsten Familienkreis.

Ab Dienstag, den 5. Mai finden die Wochentagsmessen wieder öffentlich zu den regulären Zeiten in der Kapelle statt. Achtung: maximal 10 Teilnehmer!

Ab Sonntag, den 10.Mai finden die Sonntagsmessen wieder regulär um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche statt. Achtung: maximal 50 Teilnehmer!

Für die genauen Sicherheits- und Hygienevorschriften warten wir noch auf die Anweisungen des Bistums.
Auch werden wir bei den ersten wieder öffentlichen Messen Erfahrungen sammeln und gegebenenfalls Adaptierungen vornehmen.

Die Sonntagsmessen werden weiterhin auf unserer Facebookseite live übertragen!

Und eine wunderbare Überraschung gibt es am 10. Mai auch noch: Wir haben die Zeit der Corona-bedingten Beschränkungen genutzt und in den letzten Wochen die Pfarrkirche innen renoviert! Mehr darüber noch später …

Bild: Renovierungsarbeiten in der Pfarrkirche (Foto: Żuk)

Wichtige Informationen zu Veranstaltungen der Pfarrei

Die Corona-Krise hat uns leider weiter fest im Griff. Die Beschränkungen werden zwar schrittweise wieder gelockert, trotzdem sind einige unserer geplanten Festmessen und Veranstaltungen dieses Jahres nicht möglich.

So mussten wir ja schon unsere diesjährige Erstkommunion, die für den Barmherzigkeitssonntag geplant war, absagen. Einen neuen Termin wollen wir erst planen, wenn wir diesen auch mit Sicherheit halten können. Das kann daher noch dauern, bitte um Verständnis!

Schweren Herzens müssen wir auch die Firmung und die Beauftragung der Lektoren mit Bischof Wolfgang am Pfingstmontag absagen. Ebenso kann der für 27. Mai geplante Pfarrausflug nicht stattfinden – die Grenzen zu Polen werden noch geschlossen und größere Reisegruppen bis dahin auch noch nicht möglich sein.

Für den Religionsunterricht ist es sinnvoll, alle Klassen erst wieder im September zu beginnen. 

Über alle neuen Entwicklungen halten wir Sie hier auf dem Laufenden!
Bitte nützen sie auch weiterhin die Möglichkeit, einzeln oder in der Gruppe der im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen ins Pfarrhaus zu kommen, für eine Aussprache, geistliche Begleitung oder um das Sakrament der Beichte und die heilige Kommunion zu empfangen. 

Foto: Pfarrei Guben

Bischof hofft auf Möglichkeit von öffentlichen Gottesdiensten

Bischof Wolfgang Ipolt hat sich zu den gestern von der Bundesregierung in Abstimmung mit den Landesregierungen beschlossenen Lockerungen im folgenden Statement geäußert:

„Für die Menschen ist es ein Zeichen der Hoffnung, dass es ab kommenden Montag Lockerungen im Hinblick auf die Vorsichtsmaßnahmen in der Corona-Krise geben wird. So kann das normale Leben langsam wieder zurückkehren. Bedauerlich ist es allerdings, dass weiterhin öffentliche Gottesdienste verboten sein sollen. Der Verzicht auf die Feier des Osterfestes war ein großes Opfer, das die Kirchen in dieser Zeit gebracht haben. Am Freitag, dem 17. April 2020 wird es darum noch einmal Gespräche zwischen Religionsvertretern und der Bundesregierung geben und ich hoffe sehr, dass hier eine sinnvolle Einigung über die Möglichkeit von öffentlichen Gottesdiensten gefunden wird. Selbstverständlich werde ich die Gemeinden im Bistum Görlitz dazu anhalten, dabei die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen unbedingt einzuhalten. Wir können und müssen uns und unseren Nächsten schützen, aber wir dürfen uns nicht von Infektionsangst oder gar Todesangst treiben lassen. Ostern ist da für mich das große Hoffnungsreservoir, aus dem wir Christen leben.“

Foto: Bistum Görlitz

Auferstehung beginnt innen

Osterpredigt von Diakon Markus

Zur Fastenzeit und zu Karfreitag hat die Krise mit all ihren Folgen und Einschränkungen ja irgendwie gepasst. Aber jetzt ist Ostern, wir feiern Auferstehung. Und doch geht alles weiter wie bisher? 

Es ist der erste Tag der Neuen Schöpfung, siehe ich mache alles neu! Und alles bleibt beim Alten? Kein Ende der Krise? Wie können wir da Auferstehung feiern, wenn die Umstände so gar nicht dazu passen?

Nun, es wurde schon in weit schlimmeren Zeiten und unter viel schwierigeren, ja gefährlicheren Umständen Ostern gefeiert. Und ja, wirklich gefeiert, mit Freude. 

Denn die Auferstehung Jesu Christi gibt uns die Gewissheit, dass Gott das letzte Wort hat, dass das Leben immer den Tod besiegt, das Licht immer die Dunkelheit überwindet. Auch wenn man oft in der Geschichte zuerst noch nicht viel davon gesehen hat. 

Wie lange haben die Jünger gebraucht, bis sie halbwegs begriffen haben, was da geschehen ist? Wie viele Jahre hat sich ein Übel – welcher Art auch immer – hingezogen, bis es schließlich doch verschwunden ist. 

Gott siegt immer – aber er wirkt im Verborgenen. Das Leben besiegt immer den Tod – aber immer im Stillen. Die Liebe ist die größte Macht des Weltalls – aber sie beginnt immer im Kleinen. Das Kleine und das Schwache hat Gott erwählt, um das Große und Starke zu beschämen.

Und das ist auch das Geheimnis von Ostern, das wir vielleicht in diesem Jahr, unter diesen Umständen besonders erfassen und erfahren können: Auferstehung beginnt innen! Die neue Schöpfung bricht sich von innen nach außen die Bahn und bricht hervor.

So geschah es bei der Auferstehung des Herrn: Niemand weiß, wann genau es geschah, zu welcher Stunde. Niemand weiß, wie es geschah, niemand war dabei, niemand hat es gesehen. Was ist im Grab geschehen, was im Reich des Todes? Was für ein Vorgang hat zwischen Vater und Sohn, vereint mit dem Heiligen Geist, stattgefunden?

Wir wissen es nicht. Es war ein innerer Vorgang, im Inneren Gottes selbst. Ein Geschehen im Inneren des Grabes, das dann schließlich das Grab gesprengt hat, den Stein fortgeschoben und die ganze Erde erschüttert hat.

Der Herr hat alle Sünden der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft auf sich geladen, aufs Kreuz getragen, ist für uns zur Sünde geworden und hat in seinem Opfertod die ganze Schuld für uns bezahlt. Am Pfahl ist er für uns zum Fluch geworden und ist in die äußerste Gottferne geschleudert worden. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Die Folge der Sünde, der Trennung von Gott, ist der Tod.

Doch hat er dies alles nicht aus seinem eigenen Verschulden erleiden müssen, sondern er hat es freiwillig, aus Liebe auf sich genommen. Diese Hingabe seiner selbst, die Hingabe sogar seiner eigenen Göttlichkeit hat aber den Tod besiegt. 

Indem der Sohn Gottes selbst in den Tod gegangen ist, konnte er den Tod von innen her, in seiner Wurzel überwinden und besiegen. Er hat das Grab von innen her aufgesprengt. So kann man es auch auf den schönen Anástasis-Ikonen der Ostkirche sehen, auf denen die Grabplatte zerbrochen ist.

Und so kann man es auch auf dem Turiner Grabtuch sehen. Es gibt unzählige stichhaltige Beweise seiner Echtheit, die aber hier nicht das Thema sein können. Auf einen möchte ich aber in unserem Zusammenhang hinweisen:

Bis heute weiß man nicht, wie das Negativbild des Gekreuzigten auf das Tuch gekommen ist. Selbst mit keiner der modernsten Methoden, die uns heute zur Verfügung stehen, kann man auch nur ein annähernd ähnliches Ergebnis erzielen. 

Die aktuelle Forschung kann es sich nur durch eine extrem hohe Strahlung erklären. Der italienische Forscher Giulio Fanti hat berechnet, dass es 34 Billionen Watt ultravioletter Vakuum-strahlung gewesen sein müssten. Eine für uns komplett unvorstellbare Energie.

Wir könnten im Grabtuch tatsächlich ein Zeugnis des Momentes der Auferstehung vor uns haben. Wie gesagt: Wir wissen nicht, wie Auferstehung geschieht, aber auch das Turiner Grab zeigt uns, dass es ein innerer Vorgang ist, der in die äußere Welt, in das Materielle, das für uns Sichtbare durchbricht. 

Man könnte sagen, die Auferstehung als Neuschöpfung ist wie ein zweiter Urknall.

Im Anfang schuf das Wort Gottes Himmel und Erde. Es werde, und es ward. Und den Moment des Urknalles können wir noch heute als Hintergrundrauschen des Weltalls wahrnehmen – auf materieller Ebene. Auch auf geistiger Ebene dauert die Schöpfung weiter fort, denn ohne das Wort Gottes, das alles hält und trägt, würde alles Seiende sofort ins Nichts zurückfallen.

Und bei der Auferstehung sprach Gott: „Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, wenn du erscheinst in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe.“ Und der zweite Urknall breitet sich seitdem vom Heiligen Grab in Jerusalem aus und erneuert alles Leben, die ganze Schöpfung von innen her zur Herrlichkeit Gottes.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, und genau das geschieht auch, wenn wir es in den äußeren Umständen nicht – noch nicht – sehen und erfahren können. Das geschieht auch heute, wenn wir in einer Zeit der Krise nicht so Ostern feiern können, wie wir es gerne wollten.

Aber vielleicht helfen uns gerade die äußeren Umstände, in diesem Jahr mehr nach innen zu schauen, zu lauschen, auf das, was auf geistig-geistlicher Ebene geschieht.

Vielleicht erfahren wir selbst die unüberwindliche Kraft, den Sieg der Auferstehung in uns selbst, in unserem Inneren, das der Herr an diesem Tage neu erschaffen hat.
Amen.

Foto: Pfarrei Guben

Den Gipfel des Jahres wirklich erreichen…

Die Drei Heiligen Tage – das sogenannte TRIDUUM SACRUM – stehen unmittelbar vor uns. Verschiedene Sprachen bringen diese für die Christen heiligste Zeit auf den Punkt: Karwoche, Hohe Woche, Große Woche, Heilige Woche weisen auf das Wichtigste in unserem Glauben hin – auf die Einsetzung der Sakramente, auf das Leiden und den Erlösertod Christi, wie auch auf seinen endgültigen Sieg – die Auferstehung.

Wir merken ganz genau, dass diese Zeit anders ist, dass sie uns unseren Glauben einerseits herausfordert, andererseits wieder sehr deutlich stärkt und zum Klingen bringt. Die Drei Heiligen Tage beinhalten den intensivsten Glaubensprozess des Jahres. Auf drei Tage verteilt zelebrieren wir das eine große Geheimnis der Erlösung: 

–  Am Gründonnerstag rückt die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums ins Zentrum: In den Lesungen geht es um das Paschamahl im Alten Testament und das Letzte Abendmahl Jesu. Das Evangelium behandelt die Fußwaschung, die Jesus damals an seinen Jüngern vorgenommen hat. Die Besonderheit des Abends wird bei der Wandlung deutlich, wenn – zum einzigen Mal im Kirchenjahr – die Worte verändert werden. Dann heißt es je nach Hochgebet „Denn in der Nacht, da er verraten wurde – das ist heute -, nahm er das Brot und sagte Dank…“

–  Am Karfreitag feiert die ganze römisch-katholische Kirche keine Eucharistiefeier, aber dafür Kreuzenthüllung und Verehrung mit den Großen Fürbitten (die ältesten Gebete der Kirche). Man empfängt die Heilige Kommunion, die am Vortag konsekriert wurde, und den Schlusssegen ohne das Kreuzzeichen. Danach herrscht Grabesstille.

–  Die Osternachtsfeier ist das Zentrum des „Triduum Sacrum“, die „Mutter aller Vigilien“ und wie die Christmette die „Nacht der Nächte“, ja die längste Messe des Jahres. Die Liturgie besteht aus den vier Elementen: Lichtfeier, Wortgottesdienst, Wasserweihe und Eucharistie. Das ganze liturgische Geschehen begleitet große Freude des Lebens und der Auferstehung.

Nun stellt sich die Frage, ob ich es tatsächlich erleben will, oder es reicht mir halt meine Gewohnheit oder mein bisheriges Brauchtum? Um den Gipfel des Jahres zu erreichen muss ich mich doch etwas anstrengen, sowohl physisch (an den besonderen Gottesdiensten – wenn auch nur über Radio, Fernsehen oder Internet teilnehmen), als auch spirituell (eine ehrliche und tiefe Osterbeichte ablegen), mein Herz und meine Seele für die besondere Zeichen Gebete, Gesänge und vor allem für die Gegenwart des Herrn zu öffnen. In dieser heiligen Zeit dürfen wir nicht bloß auf eigene Bedürfnisse schauen, sondern das enorm riesige Geschenk der Gnade und der ewigen Zukunft, die Christus uns entgegenhält, zu empfangen. 

Merke! ER will dich nicht bloß ERheitern, sondern ERlösen! In diesem Sinne wünsche ich Euch allen tiefe Erlebnisse und starke Gotteserfahrung am kommenden Auferstehungsfest 2020: Frohe Ostern!

Ihr/Euer Pfarrer
Artur Zuk

Kollekte für das Heilige Land

Liebe Schwestern und Brüder!
Die Kollekte zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land am Palmsonntag, dem 5. April 2020, wird in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise stattfinden können. Wir Bischöfe bitten Sie, unserem Aufruf Beachtung zu schenken und Ihre Spende direkt dem Deutschen Verein vom Heiligen Land zukommen zu lassen.
Palästinensische Christen erleben sich in doppelter Weise als ausgegrenzt: als Palästinenser, die immer noch keinen eigenen Staat haben, und als christliche Minderheit unter der großenteils muslimischen Bevölkerung. Sie brauchen unsere Solidarität. Der Deutsche Verein vom Heiligen Land steht an der Seite der Christen und fördert das kirchliche Leben vor Ort.

Nähere Informationen finden Sie unter www.palmsonntagskollekte.de oder www.dvhl.de.

Ihr Bischof
+ Wolfgang Ipolt

Spendenkonto:
Deutscher Verein vom Heiligen Lande
Pax-Bank
IBAN: DE13 3706 0193 2020 2020 10
Stichwort: Spende zu Palmsonntag

Bild: Kuppeln der Grabeskirche in Jerusalem (Foto: Riccabona)

Kreuzweg für die Zeit der Corona-Krise

1. Station – Jesus wird zum Tod verurteilt
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Auf welcher Seite stehen wir, stehe ich? Verurteile auch ich Menschen? Stammtischparolen sind überall möglich! Wir suchen die Schuldigen der jetzigen Lage. Sätze wie „Die sind doch selber schuld“, kommen schnell aus unserem Mund. „Ans Kreuz mit ihm!“ – Wie oft sind Ausländer an allem schuld? Besonders in der Corona-Krise… Die Chinesen? Italiener? Franzosen? Wir doch nicht. Wir sind doch immer brav. Sind wir es wirklich? Halten wir uns tatsächlich an die aktuellen Maßnahmen?
V: Wir beten für all diejenigen, die heute ungerecht verurteilt werden und nicht die Möglichkeit haben, sich zu wehren. Für alle, die in unserer Stadt Guben durch die Corona-Krise direkt und indirekt betroffen sind. AllmächtigerGott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

2. Station – Jesus trägt sein Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Wie viele Menschen tragen heute bewusst ihr Kreuz? Kranke tragen ein Kreuz. Viele leiden nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. In diesen Tagen fühlen sie sich isoliert. In gesunden Tagen kamen Freunde, die mit ihnen feierten und Schönes erlebten. Aber jetzt ist ihre Zahl klein geworden. Denken wir heute besonders an die Opfer des Coronavirus, die ein enorm schweres Kreuz tragen müssen.
V: Wir beten für die Menschen, die in den Corona-Krisengebieten der ganzen Erde täglich bedroht sind. Für die Trauernden, die um einen lieben Verstorbenen weinen, die allein sind und niemanden haben, der sie tröstet. Für die kranken und leidenden Menschen, aber auch für alle, die im Alter gebrechlich geworden sind. Für alle, die ein Kreuz tragen, von dem niemand weiß als Gott allein. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

3. Station – Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Auch wir können auf unserem Lebensweg, der gelegentlich wie ein Kreuzweg sein kann, fallen. Es kann eine Krankheit sein, die uns bedrückt, oder eine Sorge. Denken wir einmal darüber nach: Wann hatte ich ein Kreuz zu tragen und lag schließlich am Boden? War es ein Versagen, eine Schuld, eine Sünde, die mich stürzen ließ? Was gab mir Kraft, um wieder aufzustehen? Fallen gehört zu unserem Leben. Niemand ist ohne Fehler, ohne Sünde. Doch die Botschaft dieser Kreuzwegstation lautet für jeden: Du kannst fallen, aber auch wieder aufstehen.
V: Wir beten für die Menschen, die oftmals schwer zu tragen haben: Eltern mit behinderten Kindern, Alleinerziehende, Verschuldete. Für die Kranken zu Hause oder in den Krankenhäusern und Pflegeheimen der Stadt Guben. Für Menschen, die von anderen verspottet, angegriffen oder niedergeknüppelt werden. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

4. Station – Jesus begegnet seiner Mutter
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Wenn jemand leidet, körperlich oder seelisch, ist es gut, wenn mitfühlende Menschen bei ihm sind. Häufig sind es Verwandte, Eltern, Geschwister, die Kranken und Leidenden beistehen, aber auch gute Freunde oder Freundinnen. Maria erweist sich ihrem Sohn gerade auf seinem Kreuzweg als Mutter. Können nicht auch wir für Menschen in der Corona-Krise Bruder und Schwester und Mutter sein?
V: Wir beten für die Menschen, die von anderen ausgegrenzt und verachtet werden wegen ihrer Herkunft, ihrer Überzeugung oder ihrer Krankheit. Für junge Menschen, die schwer erkrankt sind, ohne Aussicht auf Genesung. Für Mütter, die mit ansehen müssen, wie ihre Kinder leiden. Für die Betreuer und Pfleger. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

5. Station – Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Wie viele Menschen haben sich in diesen Tagen ihr Leben ganz anders vorgestellt: freier, schöner. Doch dann kam ein Kreuz, das sie zwang, auf die Verwirklichung ihrer Pläne zu verzichten. An wen denke ich, wenn ich Simon von Zyrene vor mir sehe? Wer ist bei uns Simon? Könnte ich ihn vielleicht für eine Weile ablösen? Warum finden Familien mit verwirrten älteren Menschen so selten Helfer, die sich für das Mittragen des Kreuzes anbieten? Sind wir uns dessen bewusst, dass jedes Mittragen eines Kreuzes Segen bringt?
V: Wir beten für die Menschen, die den Schwachen helfen, im Leben zurechtzukommen. Für die Angehörigen von Kranken, die sich oft bis zur Erschöpfung einsetzen. Für alle, die in Krankenhäusern und Sozialstationen tätig sind. Für alle, die auf Selbstverwirklichung verzichten, weil sie für andere in die Bresche springen. Besonders beten wir heute für die Ärzte, das Pflegepersonal, den Bürgermeister und die freiwilligen Helfer der Stadt Guben. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

6. Station – Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Suchen nicht auch wir das Angesicht Gottes? Am Ende hoffen wir, ihn zu sehen in der seligen Anschauung. Jetzt ist er für uns verborgen. Er begegnet uns aber im Antlitz Jesu und in den vom Leid und Angst gezeichneten Gesichtern zahlreicher Menschen. Jesus hat sich mit ihnen identifiziert: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Was Veronika tat, ist keine kleine Geste und doch mehr als bloßes Hinsehen. Jeden kann sie anregen, in der Corona-Krise mitmenschlich zu handeln und Caritas-Liebe zu üben.
V: Wir beten für die Menschen, die sich vom Leid anderer ergreifen lassen und helfen wollen. Für alte und kranke Menschen, denen es schwerfällt, Hilfe anzunehmen. Für alle, die jetzt den Kreuzweg Jesu betrachten und Mut brauchen die Veronika-Haltung zur eigenen Haltung zu machen. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

7. Station – Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Besonders in diesen Tagen fallen viele Menschen zu Boden, weil sie die Angst und Verunsicherung nicht mehr tragen können. Denken wir an diejenigen, die sich Tag und Nacht um sie kümmern. Die Welt ist voll von Beispielen erschöpfter Menschen. Vielleicht hat auch mancher von uns die Erfahrung gemacht, dass nichts mehr ging. Jesus ist wieder aufgestanden. Uns verleiht dieser Station starke Hoffnung. Sie will jemanden nach einem Zusammenbruch ermutigen, wieder aufzustehen und weiterzugehen. Jeder, der in der Nachfolge Jesu sein Kreuz trägt, darf wissen, dass Jesus es mit ihm trägt. Er lässt ihn nicht allein!
V: Wir beten für die Menschen, die müde und erschöpft und ohne Lebensperspektive sind. Für die Verzweifelten, die aus den Sackgassen ihres Lebens nicht herausfinden. Für alle, die sich in Schuld verstrickt haben und nicht mehr weiterwissen. Für alle, die trauern und keine Hoffnung haben. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

8. Station – Jesus und die weinenden Frauen
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Jesus fordert dazu auf, über uns selbst zu weinen, zumal dann, wenn wir nichts unternommen haben oder nichts unternehmen gegen den beklagenswerten Zustand der Corona-Krise. Bemühen wir uns darum, unseren Mitmenschen, die verängstig, traurig sind oder krank, echte Gefühle zu zeigen und unsere helfende Hand zu reichen? Was nützt es, Teilnahme zu zeigen oder zu bekunden, die doch nur geheuchelt ist? Nur die Echtheit und Authentizität im Glauben und in den Werken der Nächstenliebe werden die Tränen abwischen können.
V: Wir beten für die Menschen, die ungerührt sind gegenüber jetzigem Elend und Not. Für alle, die an leidvollen Verhältnissen etwas ändern möchten und denen es an Kraft und Mut fehlt. Für alle, die auf dem Weg der Umkehr sind und bereit, sich zu ändern. Für alle, die nicht mehr weinen können. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Jesus ist seinen Kreuzweg gegangen mit allen Konsequenzen. In unseren Schmutz ist er geraten wie ein Wurm, um uns zu erlösen. Was dagegen sind wir bereit, auf uns zu nehmen, um Menschen zu helfen? Vielleicht sind wir uns zu fein dafür und möchten mit dem Dreck der anderen nicht in Berührung kommen. Vielleicht gehören wir aber auch zu denen, die schon öfters am Ende waren mit ihrer Kraft, weil wir aus Nächstenliebe zu viel geschultert haben.
V: Wir beten für die Menschen, die mit ihrer Kraft am Ende sind, weil sie sich zu viele Lasten anderer aufgebürdet haben. Für Männer und Frauen in Hilfsorganisationen, die im Dienst an den Mitmenschen auf vieles verzichten. Für Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Gemeinden der Stadt Guben, denen immer mehr zugemutet wird. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

10. Station – Jesus wird seiner Kleider beraubt
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Einem Menschen die Kleider zu entreißen heißt: ihn schutzlos machen. Er wird verletzbar, ist der Kälte ausgesetzt und verliert seine Menschenwürde. Einen Menschen entblößen heißt auch: ihn bloßstellen, fertig machen: „Ich habe gehört“, heißt es dann, „es wird erzählt…“ Manche Medien tun sich damit hervor, Frauen und Männer möglichst unbekleidet abzubilden. Scham scheint es oft nicht mehr zu geben. Nackte und Entblößte zu bekleiden zählt zu den Werken der Barmherzigkeit. Reagieren wir mutig, wenn Menschen die Corona-Erkrankten verspotten.
V: Wir beten für die Menschen, die bloßgestellt und unwürdig behandelt werden. Für die Coronavirus-Kranken, denen es an Medikamenten und medizinischen Hilfe fehlt. Für alle, die sich dagegen mutig engagieren. Aber auch für alle, die in den Medien über sie schreiben und berichten. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

11. Station – Jesus wird gekreuzigt
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Menschen kreuzigen, festnageln: Das gibt es bis heute. Immer wieder werden Menschen aufs Kreuz gelegt, zur Bewegungslosigkeit verurteilt. Freiheitsberaubung gibt es in vielfacher Form. Auch die Corona-Krise bringt mit sich eine gewisse Einschränkung und Quarantäne. Die Kreuzigung Jesu brachte der ganzen Welt Rettung, Erlösung und Heil. Unsere kleine Kreuzigung kann uns Gesundheit bringen und vor dem Coronavirus bewahren.
V: Wir beten für die Menschen, die in Situationen stecken, aus denen sie sich nicht befreien können. Für Zivildienstleistende, die kranken und behinderten Menschen im täglichen Leben beistehen. Für alleinstehende Mütter und Väter, die in ihren Kontakten eingeschränkt sind. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

12. Station – Jesus stirbt am Kreuz
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Wenn wir Jesu Hingabe am Kreuz aus Liebe und Treue betrachten, dann sollten wir uns fragen, was wir zu geben bereit sind. Haben wir Ziele, für die es sich lohnt zu leben – und notfalls auch zu sterben? „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren“, sagt Jesus. Unsere Zeit braucht Menschen mit Zivilcourage, braucht Christen, die zu ihrer Überzeugung mutig stehen, auch wenn sie deshalb verachtet, bedroht und verfolgt werden. Die Kirche lebt vom Zeugnis Jesu und seiner Märtyrer, nicht vom Jammern, Meckern und der Besserwisserei.
V: Wir beten für die Menschen, die ihren Idealen treu bleiben und dafür Nachteile in Kauf nehmen. Für alle Menschen in Hilfs- und Rettungsdiensten, die in der Corona-Krise für andere täglich ihr Leben einsetzen. Für alle, die auf den Tod zugehen oder im Sterben liegen. Für alle, die in der angeblich aufgeklärten Welt, um des Evangeliums willen verfolgt und getötet werden. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

13. Station – Jesus wird vom Kreuz abgenommen
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Wenn wir einen Menschen verlieren, der uns viel bedeutet hat, erfüllt große Trauer unser Herz. Es ist wichtig, dass wir einfühlsam umgehen mit Trauer und Tod. Manche möchten den Tod verdrängen, schauen sich den Toten nicht mehr an. Sie wollen ihn so in Erinnerung behalten, wie er gelebt hat. Maria hat keine Berührungs.ngste. Sie trägt den Leichnam Jesu auf ihrem Schoß, spürt ihn, umfasst ihn… Wenn ein Mensch gestorben ist, beginnt die Zeit des Abschiednehmens, eine Zeit tiefer Gefühle. Wohl dem, der die Gabe hat, besonders in dieser schwierigen Krisenzeit zu trösten, zu helfen, die erforderlichen Schritte zu tun. Gehen auch wir gut mit den Toten um. Und sagen wir ja zur Trauer, zu einer Trauer in Hoffnung.
V: Wir beten für die Menschen, die voller Schmerz den Tod eines Nächsten beweinen müssen. Für die Menschen, die in einem Bestattungsunternehmen tätig sind. Für alle, die zur Schmerzensmutter Maria ihre Zuflucht im Leid nehmen. Für alle, die anderen Menschen bei Tod und Trauer Trost spenden. Für alle Menschen, die das Coronavirus bereits aus dem Leben gerissen hat. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

14. Station – Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich
A: Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
L: Ist für sie mit dem Tod alles aus? Erst allmählich werden die Jünger für die Erfahrung offen, dass Jesus von den Toten erstanden ist. Es ist nicht einfach, angesichts des Todes an ein neues Leben zu glauben. Gott selbst weckt durch seinen Geist den Glauben an die Auferstehung in den Menschen. Wir Christen, die an der Auferstehung festhalten, sollten immer wieder Zeugnis ablegen von dieser Überzeugung, damit die Menschen an den Gräbern nicht trauern müssen, wie jene, die keine Hoffnung haben. Die Grablegung Jesu ist die letzte Station seines Kreuzweges. Sie ist aber nicht der Endpunkt seines Lebens. Jesus lebt, und auch das Leben unserer Verstorbenen ist nur gewandelt, nicht genommen.
V: Wir beten für die Menschen, die um einen verstorbenen Menschen trauern, der ihnen nahestand. Für alle, die nicht an eine Auferstehung von den Toten glauben können. Für alle, die im Sterben liegen und keine Hoffnung haben. Für alle unsere Verstorbenen, die im Glauben gelebt haben. Für alle Armen Seelen der Stadt Guben, die im Fegefeuer geläutert werden. Allmächtiger Gott, erhöre unser Gebet durch Christus unseren Herrn.
A: Amen.
Antiphon: Du hast für uns schwer gelitten – Herr Jesus Christus, erbarme Dich unser!

Abschluss
L: Wir gingen diesen Weg mit Jesus. Jesus geht auch den Weg mit uns. Er geht ihn mit allen Bewohnern unserer Stadt Guben, die ungerecht verurteilt werden, leiden, fallen, gekreuzigt werden und sterben. Er starb unseren Tod, er will auch unseren Tod besiegen. In dem Vertrauen, das er in Gott gehabt hat, wollen wir beten mit den Worten, die er uns zu beten gelehrt hat:
A: Vater unser…
V: Leiden und Sterben Jesu sollen nicht umsonst gewesen sein. Der Segen seines Kreuzes komme herab auf uns und verwandle auch unsere Kreuze in das Leben bei Gott. Dazu segne uns Gott, † der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
A: Amen.

Foto: Shutterstock.com

In der Corona-Krise Ostern feiern

Hirtenbrief von Bischof Wolfgang Ipolt zum Osterfest 2020 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! 

Dieser Hirtenbrief erreicht Sie auf einem anderen Weg, als es sonst üblich ist. Er kann nicht in den Kirchen verlesen werden, weil wir uns wegen der Coronavirus-Pandemie nicht zum Gottesdienst versammeln können. 

Wir werden deshalb auch die Gottesdienste der Karwoche und des Osterfestes in diesem Jahr nicht gemeinsam feiern. 

Mich selber schmerzt das sehr und es ist für uns alle ein großer Verlust, das größte Fest der Christenheit nicht in der gewohnten Weise begehen zu können. Es ist uns ein Verzicht auferlegt, den wir annehmen müssen und fruchtbar machen können. Das Osterfest 2020 wird einmalig sein und wir werden es alle miteinander nicht vergessen. 

Ich möchte Ihnen als Ihr Bischof, als „euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis und im standhaften Ausharren in Jesus…“ (Offb 1, 9) in dieser schwierigen Zeit nahe sein und Ihnen mit diesem Brief ein Zeichen der Solidarität und der geschwisterlichen Gemeinschaft im Glauben senden. 

Drei kleine Anliegen gebe ich Ihnen für die kommenden Tage mit: 

1. Auf Christus schauen 

Wir werden jetzt überhäuft mit Nachrichten und Informationen. Die Zahl der vom Virus infizierten Menschen steigt täglich, ebenso wie die Zahl der Toten. Ich selber bin dankbar dafür, dass die Politiker und Wissenschaftler mit aller Kraft nach angemessenen und hilfreichen Lösungen für die von der Krise betroffenen Menschen suchen. Ich sehe mit Hochachtung und großem Respekt, dass das medizinische Personal oft bis zur Erschöpfung im Kampf gegen die Krankheit arbeitet. Die Medien erlauben es, dass wir erfahren, wie es um die Kranken und deren Versorgung steht und in welchem Land der Erde sich das Virus weiter ausbreitet. Plötzlich ist die ganze Welt zu einer Leidensgemeinschaft geworden. Wir erleben eine Globalisierung eigener Art. 

In diesen Tagen der Passionszeit schauen wir als Christen besonders auf den leidenden Herrn und seinen Kreuzweg. Wir glauben, dass er schon alles Leid der Welt in seinem Kreuz angenommen und getragen hat. Darum meine Bitte: Bewahren wir uns in allen – für viele auch beängstigenden Informationen – den tieferen Blick auf Christus. Die Nachrichten, die Zahlen, die Bilder im Fernsehen in ein kurzes Stoßgebet umwandeln – das sollten wir immer wieder versuchen, zum Beispiel mit dem Ruf, den wir beim Kreuzweg nach jeder Station wiederholen: „Herr, erbarme dich über uns und über die ganze Welt!“ Wer auf Christus schaut, bewahrt sich die Zuversicht, die den Apostel Paulus im Römerbrief gläubig sagen lässt: „Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendeine andere Kreatur, können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist.“(Röm 8,38) 

2. Auf andere Weise gläubig Ostern feiern 

Ostern fällt nicht aus. Dem am Beginn der Pandemie manchmal geäußerten Wunsch, das Osterfest zu verlegen, wurde relativ schnell eine Absage erteilt. Wenn wir uns auch nicht zur Feier der Liturgie versammeln können oder nur durch die Medien daran teilnehmen werden, so bietet sich uns dennoch an den Kar- und Ostertagen eine Chance, die wir beherzt ergreifen sollten. Gerade in der Karwoche und an Ostern haben wir als katholische Christen ein reiches Brauchtum, das wir jetzt in den Häusern lebendig werden lassen können. 

Vieles können wir als getaufte und gefirmte Christen auch ohne den Priester tun und auf diese Weise das Fest begehen. 

Ich schlage Ihnen darum vor: 

 Am Palmsonntag stecken Sie einen Zweig an das Kreuz in Ihrer Wohnung und beten dazu das Gebet aus dem „Gotteslob“ Nr. 17, 4. Wenn Sie als Familie zusammen sind, eignet sich auch das Lied „Singt dem König Freudenpsalmen“ (GL 280), das in den meisten Gemeinden am Palmsonntag gesungen wird. 

 Am Gründonnerstag sollte man sich in der Hausgemeinschaft zu einem einfachen Abendessen versammeln und dieses mit einem längeren Tischgebet im Gedenken an das letzte Mahl Jesu am Abend vor seinem Leiden eröffnen. Es eignet sich dazu der Abschnitt aus der Andacht „Gotteslob“ Nr. 675, 6 

 Der Karfreitag ist ein Fast-und Abstinenztag. Da es keine Kreuzverehrung in den Kirchen geben wird, könnte an diesem Tag in der Wohnung vor dem Kreuz eine Kerze brennen. Wir können uns allein oder in der Familie mit dem leidenden Herrn verbinden im schmerzhaften Rosenkranz oder im Gebet des Kreuzwegs (GL 683). 

 Der Karsamstag – der Tag der Grabesruhe – sollte ein Tag der Stille und des Gebetes besonders für die Opfer der Coronavirus-Pandemie sein. Unsere Kirchen werden geöffnet sein und Sie können dort sicher am Heiligen Grab einen Besuch machen. Besonders für Kinder kann das ein eindrückliches Erlebnis sein. Unsere polnischen Mitchristen werden wie immer die Speisen vorbereiten, die für das Ostermahl bestimmt sind. 

 Eine Osterkerze darf in keiner Familie fehlen. Sorgen Sie dafür, dass besonders die älteren Gemeindemitglieder, eine solche Kerze haben. Die Priester werden mit einigen wenigen Gläubigen das Osterlicht in den Pfarrkirchen entzünden. Auch ich werde das tun und in einfacher Weise die Osternacht begehen. Am Ostertag gehört dieses Zeichen der Hoffnung auf den Familientisch zu Hause. Stimmen Sie miteinander ein kräftiges Oster-Halleluja an oder eines der Ihnen lieb gewordenen Osterlieder aus dem Gesangbuch. So bekennen wir auch in diesem schweren Jahr unsere Hoffnung auf das Leben, auf Erlösung von aller Sünde und auf Rettung – auch von der Krankheit, die die ganze Welt überfallen hat. 

Wenn wir so die Kar- und Ostertage begehen, dann sind sie erfüllt von unserem Glauben und unserer Hoffnung. 

Ich wünsche und hoffe, dass wir alle 2020 anders Ostern feiern – dann kann das Fest in diesem Jahr zu einer wichtigen Glaubenserfahrung auch für die Zukunft werden. 

3. Den Nächsten nicht aus dem Blick verlieren 

Es ist erstaunlich, welche Solidarität jetzt wächst. Junge Menschen gründen Initiativen und bieten sich an, um älteren Menschen zu helfen. Das zeigt etwas vom Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. 

Dabei sollen wir Christen nicht fehlen. Kirche ist nicht nur Gottesdienstgemeinschaft, sondern immer auch eine Liebesgemeinschaft, in der die Caritas gelebt wird. Das darf auch jetzt nicht ausfallen. Die Besuchsdienste und Caritaskreise in den Pfarreien bitte ich, jetzt besonders aufmerksam zu sein und besonders den einsamen und kranken Gemeindemitgliedern Hilfe zu ermöglichen, wo es nötig ist. Manchmal geht es nur darum, das entsprechende Fernsehprogramm für den Gottesdienst einzustellen oder einen Internetanschluss zu organisieren. Ein anderes Mal ist ein Einkauf oder ein Weg zu einem Amt eine wichtige Unterstützung. Schon ein kurzer Telefonanruf hilft manchmal, um jemandem ein wenig Angst zu nehmen und Zuversicht zu verbreiten. Solche kleinen Zeichen der Nächstenliebe sind meist nicht teuer – sie kosten nur etwas Zeit. Aber diese Zeit haben wir jetzt vielfach geschenkt bekommen, weil manches andere derzeit nicht möglich ist. 

Liebe Schwestern und Brüder, mit diesem Hirtenwort grüße ich Sie sehr herzlich zum Osterfest, das wir in diesem Jahr in außergewöhnlicher Form begehen werden. Die kommenden Wochen können eine Lebens- und Glaubensschule werden, wenn wir uns dafür öffnen. 

An jeder Osterkerze sind nach altem Brauch die fünf Wundmale Christi zu sehen, die in der Osternacht in die Kerze eingefügt werden. Die Jünger haben den Auferstandenen an seinen 

Wunden erkannt. Daran erinnern die fünf roten Weihrauchkörner. Inmitten der Sorge und Angst vor einer bedrohlichen Krankheit und in der Todesnot mancher, die daran gestorben sind und sterben werden, rufe ich Ihnen die Worte zu, die bei der Bereitung der Osterkerze in jedem Jahr dabei gesprochen werden: 

Durch seine heiligen Wunden, 
die leuchten in Herrlichkeit, 
behüte uns und bewahre uns Christus, der Herr. 
Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. 
Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen. 

Mit Ihnen allen im Gebet verbunden grüßt Sie 
Ihr Bischof 
+ Wolfgang Ipolt 

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Leere Kirchen leider auch zu Ostern

„Leider lässt die augenblickliche Lage im Zusammenhang mit der Verbreitung des Corona-Virus keine andere Entscheidung zu, als Ihnen schweren Herzens mitzuteilen, dass die Feier des Österlichen Triduums in diesem Jahr nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden kann.“ Das teilt Bischof Wolfgang Ipolt unter Weiterleitung eines Dekrets der Kongregation für den Gottesdienst zur Feier der Heiligen Woche mit.

„Außerdem muss ich Ihnen mitteilen, dass bis einschließlich 19. April 2020 (Weißer Sonntag) weiterhin keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden können.“ Damit fällt definitiv auch die Erstkommunion aus. Einen neuen Termin geben wir bekannt, sobald wir wissen, wie sich die Situation weiter entwickelt.

Das Triduum muss unter Ausschluss der Gläubigen gefeiert werden. Dabei sollen die Gläubigen über die Uhrzeit informiert werden, um sich von zu Hause aus im Gebet verbinden zu können. 

Die Gründonnerstagsliturgie darf ausnahmsweise ohne Beteiligung der Gläubigen gefeiert werden. Die Fußwaschung entfällt, ebenso die Sakramentsprozession mit der Übertragung des Allerheiligsten. Priester, die nicht die Möglichkeit haben, die Heilige Messe zu zelebrieren, sollen stattdessen die Vesper des Gründonnerstags beten. 

Der Karfreitag soll dort, wo es möglich ist, vom Priester ohne Beteiligung der Gläubigen gefeiert werden. Bei den Fürbitten der Liturgie ist eine besondere Fürbitte in den Anliegen der Corona-Krise hinzuzufügen.

Die Osternacht kann nur in der Kathedrale oder in einer Pfarrkirche gefeiert werden, jedoch ohne Beteiligung der Gläubigen. Der Ritus des Osterfeuers und die Prozession zu Beginn in die Kirche entfallen. Die Osterkerze wird entzündet, dann folgt das Exsultet und wie vorgesehen die biblischen Lesungen. Bei der „Tauffeier“ ist nur die Erneuerung des Taufversprechens vorgesehen. Auch hier sollen die Gläubigen über die Zeit informiert werden, damit sie sich im Gebet mit der Feier verbinden können. 

Besondere Ablässe

Dekret der Apostolischen Pönitentiarie über die Gewährung spezieller Ablässe an die Gläubigen in der aktuellen Pandemie-Situation

Es wird das Geschenk spezieller Ablässe an Gläubige, die von der Krankheit Covid-19, allgemein Coronavirus genannt, befallen sind, sowie an die in den Gesundheitsdiensten Arbeitenden, an ihre Angehörigen und an all jene gewährt, die aus welchem Grund auch immer, auch durch das Gebet, sich um diese sorgen.

«Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!» (Röm 12,12). Die vom hl. Paulus an die Kirche von Rom geschriebenen Worte hallen entlang der ganzen Geschichte der Kirche wieder und geben dem Urteil der Gläubigen über jede Art von Leiden, Krankheit und Unglück Orientierung.

Der gegenwärtige Augenblick, in dem sich die gesamte Menschheit befindet, bedroht von einer unsichtbaren und heimtückischen Krankheit, die schon seit einiger Zeit aufgetreten und mit großer Macht Teil des Lebens von allen geworden ist, ist Tag für Tag gezeichnet von angstvollen Befürchtungen, neuen Ungewissheiten und vor allem verbreitetem physischen und moralischen Leiden. Die Kirche hat sich nach dem Beispiel ihres göttlichen Meisters immer schon den Beistand für die Kranken zum Herzensanliegen gemacht. Wie vom hl. Johannes Paul II. angedeutet, ist der Wert menschlichen Leidens ein zweifacher: «Er ist übernatürlich, weil er im göttlichen Geheimnis der Erlösung der Welt wurzelt, und ist andererseits zutiefst menschlich, weil der Mensch in ihm sich selbst, sein Menschsein, seine Würde, seine Sendung wiederfindet» (Apost. Schreiben Salvifici doloris, 31).

Auch Papst Franziskus hat in diesen letzten Tagen seine väterliche Nähe deutlich gemacht und die Einladung erneuert, unablässig für die an Coronavirus Erkrankten zu beten.

Damit alle, die wegen des Covid-19 leiden, gerade im Geheimnis dieses Leidenmüssens «das Erlösungsleiden Christi selbst » (ebd., 30) entdecken können, gewährt diese Apostolische Pönitentiarie, aus päpstlicher Vollmacht, im Vertrauen auf das Wort Christi des Herrn und in Ansehung der gegenwärtig umlaufenden Epidemie aus einem Geist des Glaubens heraus, die unter dem Gesichtspunkt persönlicher Umkehr gelebt werden muss, das Geschenk von Ablässen nach Maßgabe folgender Verfügung.

Es wird ein vollkommener Ablassden vom Coronavirus befallenen Gläubigen gewährt, die einer Quarantäne kraft Verfügung der Gesundheitsbehörden in Krankenhäusern oder in den eigenen Wohnungen unterworfen sind, wenn sie in einer Gesinnung, die sich von jeder Sünde abkehrt, sich geistlich mittels der Kommunikationsmittel bei der Feier der Hl. Messe zusammenschließen, beim Gebet des Rosenkranzes, bei der frommen Praxis der Kreuzwegandacht oder anderen Formen der Andacht, oder wenn sie wenigstens das Glaubensbekenntnis, das Vater unser und eine fromme Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria beten und dabei diese Prüfung in einem Geist des Glaubens an Gott und der Liebe zu den Schwestern und Brüdern aufopfern mit dem Willen, die üblichen Bedingungen (sakramentale Beichte, eucharistische Kommunion und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters) erfüllen, sobald ihnen das möglich ist.

Die Mitarbeiter/innen im Gesundheitswesen, die Angehörigen und alle, die nach dem Beispiel des Guten Samariters sich dem Risiko der Ansteckung aussetzen und den am Coronavirus Erkrankten helfen gemäß dem Wort des göttlichen Erlösers: «Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt » (Joh 15,13), werden dasselbe Geschenk des vollkommenen Ablasses zu denselben Bedingungen erhalten.

Darüberhinaus gewährt diese Apostolische Pönitentiarie gerne zu denselben Bedingungen den vollkommenen Ablass anlässlich der aktuellen weltweiten Epidemie auch jenen Gläubigen, die einen Besuch des Allerheiligsten Altarssakramentes oder die eucharistische Anbetung oder die Schriftlesung wenigstens eine halbe Stunde lang, oder das Gebet des hl. Rosenkranzes  oder die fromme Andacht des Kreuzweges oder den Rosenkranz zur göttlichen Barmherzigkeit (Gebete der hl. Schwester Faustyna) aufopfern, um vom allmächtigen Gott das Ende der Epidemie zu erbitten, Befreiung für jene, die von ihr befallen sind, und das ewige Heil für jene, die der Herr zu sich gerufen hat.

Die Kirche betet für alle, denen es derzeit unmöglich ist, das Sakrament der Krankensalbung und der Wegzehrung zu empfangen und anempfiehlt der göttlichen Barmherzigkeit alle und jeden kraft der Gemeinschaft der Heiligen, und gewährt diesem Gläubigen denvollkommenen Ablass im Augenblick des Todes, wenn er nur entsprechend disponiert ist und gewohnheitsmäßig zu Lebzeiten irgendein Gebet gesprochen hat (in diesem Fall ersetzt die Kirche die drei üblichen geforderten Bedingungen). 

Für den Empfang dieses Ablasses wird der Gebrauch eines Kruzifixes oder einfachen Kreuzes empfohlen (vgl. Enchiridion indulgentiarum, Nr. 12).

Die allzeit selige Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mutter der Kirche, Heil der Kranken und Hilfe der Christen, unsere Fürsprecherin, komme der leidenden Menschheit zu Hilfe, vertreibe von uns das Übel dieser Pandemie und erflehe uns jegliches Gut, das wir zu unserem Heil und zu unserer Heiligung brauchen.

Vorliegendes Dekret ist gültig, auch wenn irgendeine andere Verfügung entgegenstünde. 

Gegeben zu Rom, am Sitz der Apostolischen Pönitentiarie, am 19. März 2020

Kardinal Mauro Piacenza, Großpönitentiar
Prälat Krzysztof Nykiel, Regent

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