„Im Anfang …“

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ So ähnlich beginnt auch das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel überhaupt: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.“ Und das Markusevangelium beginnt auch ähnlich. Wir haben es erst kürzlich, am 2. Adventsonntag gehört: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“

Es geht also um einen Anfang und es geht um Gott. Und wenn zwei der Evangelien so ähnlich beginnen wie das Alte Testament, dann geht es um einen neuen Anfang. Und zwar nicht nur um ein neues Kapitel, um einen neuen Abschnitt, um etwas Neues, das einfach zum Bestehenden dazukommt. Nein! Wenn das Evangelium, die Frohbotschaft, so beginnt wie der Schöpfungsbericht, dann geht es tatsächlich um eine neue Schöpfung! Da wird nicht nur ein bisschen etwas ausgebessert, ein Fehler repariert, die Folgen eines Unfalls beseitigt. Nein! Es geht um einen grundlegenden, radikalen Neubeginn!

Mit der Geburt Jesu Christi tritt Gott selbst, das Wort Gottes, durch das alles erschaffen wurde, in die Geschichte des Menschen ein. Dadurch werden alle Bedingungen des Lebens, alle Parameter der gesamten Schöpfung komplett neu ausgerichtet. Es ist, zeitgemäß ausgedrückt, wie wenn eine universelle Reset-Taste gedrückt wird, die Schöpfung neu bootet und ein neues Betriebssystem installiert wird, mit dem nun alle anderen Programme laufen.

„Im Anfang“ heißt es. Das ist ganz entscheidend! Nicht „am Anfang“! „Am Anfang“ würde einen zeitlichen Beginn bedeuten, der einmal in der Vergangenheit geschehen und abgeschlossen ist. Mit „am Anfang“ beginnt eine Geschichte, die vorbei ist. So wie: „Es war einmal …“

„IM Anfang“ bedeutet etwas Ursächliches. Etwas, das noch immer fortdauert, das ewiger Anfang, das Grundlage von allem ist und bleibt. Eine neue Bedingung alles Seienden. Im Kind in der Krippe ist dieser ewige Anfang unter uns erschienen, hat unter uns gewohnt, „gezeltet“, wie es wörtlich heißt. Indem Gott selbst einen Menschenkörper angenommen hat, hat er auch die menschliche Natur von innen heraus und grundlegend verändert. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er dem Menschen dann auch den Weg zum ewigen Leben und zur Einheit mit dem Vater im Heiligen Geist eröffnet. 

„Im Anfang“. Wenn wir Weihnachten wirklich begehen, wenn wir Weihnachten als inneres Fest feiern, dann können auch wir in unserem Leben einen neuen Anfang setzen, neue Bedingungen schaffen. In der Taufe ist das ontologisch, seinsmäßig bereits geschehen. In der Taufe sind wir zu dieser neuen Schöpfung geworden. Aber es gilt, unser Taufversprechen einzulösen, unsere Taufe in unserem Leben auch einzuholen.

Weihnachten kann für uns bedeuten, dass wir tatsächlich Jesus Christus zum Betriebssystem unseres ganzen Lebens machen, um diese Bild noch einmal zu verwenden. Wenn er die Grundlage unseres ganzen Lebens ist und nicht nur ein zusätzliches, nettes Beiwerk, dann verändert sich alles. Dann laufen auch alle Programme in unserem Leben grundlegend anders – nämlich ganz ausgerichtet auf Gott. Von ihm her, erfüllt von ihm und auf ihn hin.  „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.“

Liebe Brüder und Schwestern! Für die meisten ist mit dem heutigen Tag Weihnachten vorbei und man bereitet sich auf den Jahreswechsel vor. Für uns hat heute Weihnachten erst begonnen, und wir feiern Weihnachten eine ganze Woche lang bis zum Oktavtag, dem 1. Januar. Und die Weihnachtszeit geht noch bis zum Fest der „Taufe des Herrn“. Aber Weihnachten sollte für uns eigentlich niemals enden. Es soll die Grundlage unseres ganzen Lebens sein und bleiben. Das Wort Gottes, das uns erschaffen hat, das uns belebt und in dem wir vollendet werden. 

Weihnachtspredigt von Diakon Markus am 25. Dezember 2020

Foto:  Żuk

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