Leben in der neuen Wirklichkeit

Ostern ist aus dem jüdischen Pascha oder Pessach hervorgegangen. Jesus hat mit seinen Jüngern ein – ganz besonderes – Paschamahl gefeiert. Das Lamm dabei war er selbst. Und zur Stunde, als die Lämmer geschlachtet wurden, zur 9 Stunde am Vortag des Festes, ist Jesus am Kreuz gestorben, das wahre Osterlamm.

Das Paschafest geht zurück auf das Gedächtnis und die Vergegenwärtigung des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten unter Moses. Pascha heißt „Vorübergang“ oder auch „Durchgang“. Traditionell wurden und werden zwei Arten von Pascha unterschieden: ein auf Gott bezogenes und ein auf die Menschen bezogenes. Beim ersten ist der Todesengel Gottes an den Häusern der Israeliten vorbeigegangen, die das Blut des Opferlammes an die Türpfosten gestrichen hatten. Beim zweiten sind die Israeliten durch das Meer hindurch in die Freiheit gezogen.

Auch der Tod und die Auferstehung Jesu ein Pascha, ein Vorübergang oder Durchgang. Die Passion Jesu ist das wahre Pascha, in dem sich die Vorausbilder und Andeutungen des Alten Testaments wahrhaft und ganz erfüllen. Und auch hier unterscheiden wir ein Pascha Gottes und ein Pascha der Menschen: Das Pascha Gottes ist der Tod Jesu. Johannes ordnet sein ganzes Evangelium auf diese Bedeutung des österlichen Exodus hin. So heißt es in Joh 13,1: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.“ Und das Pascha der Menschen ist das Geheimnis unserer Erlösung: Wenn wir Jesus nachfolgen, werden wir mit ihm sterben und mit ihm auferstehen. Und das geschieht in der Taufe!

Deswegen ist auch die Ostern DER Ort für Taufen: Der Mensch taucht in das Wasser ein und stirbt. Der Heilige Geist kommt auf ihn herab, er taucht auf und wird in das neue, das ewige Leben geboren, in das Leben in Christus. Jesus sagt selbst im Gespräch mit Nikodemus: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Das Wasser ist das äußere Zeichen dieser Welt, die Geisttaufe ist das reale Heilgeschehen in der Wirklichkeit Gottes. Genau das hat unser neu getaufter René in der letzten Nacht erlebt. Er wurde neu geboren; und genau das bedeutet der Name René: der Wiedergeborene – und zwar aus Wasser und Geist! 

Mit dem Pascha Jesu vollziehen wir auch unser Pascha, unseren Durchzug durch das Rote Meer aus der Knechtschaft Ägyptens. der Sünde, in die Freiheit der Kinder Gottes. Wir leben also in einer neuen Wirklichkeit. Wie Jesus selber sagt: wir sind zwar noch in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. 

Und das ist jetzt der entscheidende Punkt an Ostern: Wir sind zwar dazu bestimmt und dazu befähigt in der Wahrheit zu leben, in der Glaubenswirklichkeit, in der Wirklichkeit Gottes. Aber tun wir es auch? Leben wir nicht viel mehr, zumindest die meiste Zeit als alte Menschen in der alten Welt, im gefallenen Zustand in der Welt der Sünde?

In der Taufe hat sich für uns das Pascha vollzogen, und das Gelobte Land, die neue Wirklichkeit hat sich für uns geöffnet. Nur, sind wir auch hineingegangen? Haben wir dieses Land in Besitzgenommen, es besiedelt, leben wir dort? Oder sind wir wieder zu den Fleischtöpfen Ägyptens, in das Land der Knechtschaft und der Sünde zurückgekehrt?

Liebe Schwestern und Brüder, die Taufe bewirkt gar nichts, wenn wir sie nicht leben! Deswegen feiern wir zu Ostern nicht nur das Pascha Christi, sondern auch unser eigenes Paschafest. Deswegen gibt es als Vorbereitung die Fastenzeit, die Bußzeit, damit wir erkennen, wo wir noch in Ägypten feststecken und noch nicht durch das Rote Meer in die Wahrheit und Freiheit gezogen sind. Deswegen feiern wir in der Osternacht auch die Erneuerung unseres Taufversprechens. Das ist nicht nur ein Gedächtnis an unsere Taufe, sondern die Vergegenwärtigung der Taufgnade, aus der wir befähigt sind, in der neuen Wirklichkeit zu leben. 

Liebe Schwestern und Brüder, vergessen wir nicht, zu welcher Herrlichkeit wir berufen sind, wie der Apostel Paulus sagt. Durch die Sakramente werden wir immer wieder mit dieser Herrlichkeit, mit dieser höheren Wirklichkeit verbunden. Deswegen: Falls sie noch nicht die Osterbeichte gefeiert haben – ich sage bewusst: gefeiert – dann holen sie diese noch in der Osterzeit nach! Wir können nicht in der höheren Wirklichkeit, nicht in der Gegenwart Gottes leben, wenn wir in Ägypten feststecken, wenn wir in Sünde sind. Ostern und Sünde verträgt sich nicht, das schließt einander aus. 

Und wenn Sie im Stand der Gnade sind, dann machen Sie sich bewusst, vergegenwärtigen Sie: Pascha ist die Tilgung aller Sünden und das Hinübergehen in die Freiheit der Kinder Gottes. Leben wir in dieser Wahrheit. Dafür ist Jesus gestorben und auferstanden. Halleluja!

Diakon Markus

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