„Wacht und betet allezeit“

Es geschieht immer ganz plötzlich: Wie leben dahin, das Jahr vergeht, und plötzlich ist Advent. Und kaum ist der Advent gekommen, ist auch schon Weihnachten da. 

Wie es in Psalm 90 heißt: „Rasch geht es (das Leben) vorbei, wir fliegen dahin.“

So ist der erste Adventsonntag ein gute und wichtige Bremse vor dem Weihnachtsfest. Er reißt uns heraus aus dem Dahinfliegen und stellt uns mit dem Blick auf das Ende der Welt die Frage: „Bist du bereit? Bist du bereit für das Ende? Bist du bereit zum Sterben?“

Diese Frage passt so gar nicht zu unserer adventlichen Stimmung. Doch es geht zu Beginn des Advents nicht um den romantischen Blick auf das Kindlein in der Krippe, sondern um den realistischen Blick auf unser Leben: Sind wir bereit Ihm zu begegnen, vor Ihm zu stehen, wenn die Ewigkeit in unser endliches Leben hereinbricht?

Der Zeichenlehrer meiner Frau hat sie gelehrt, dass ein Bild in jedem Stadium des Zeichnens oder Malens fertig sein muss. Wann immer ich mit der Arbeit an dem Bild abbreche, muss es so stehen bleiben können.

Das gilt auch für unser Leben. Wir wissen nicht, wann der Herr kommt. Sind wir bereit? Sind wir fertig?

Mit dem Blick auf unser Seelenheil und auf das ewige Leben, wird das meiste, mit dem wir uns jeden Tag beschäftigen, völlig unwichtig und unbedeutend. Nehmen wir uns ein Beispiel an todkranken Menschen, die ihr irdisches Ende vor Augen haben. Plötzlich erkennen sie, was wirklich wichtig ist im Leben, worauf es ankommt. Und sie verschwenden keine Zeit mehr, denn die Zeit die ihnen bleibt, ist zu kostbar, um sich mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen.

Nun, wie können wir das tun? Wie bereiten wir uns auf den „Adventus“ vor, auf die Ankunft  des Königs, unseres Herrn Jesus Christus? Er selbst sagt uns heute: „Wacht und betet allezeit.“

„Allezeit beten“, heißt nicht, dass wir 24 Stunden am Tag mit gefalteten Händen knien und das Vaterunser sprechen. Was heißt beten? Beten ist die Kommunikation mit Gott, die zur Kommunion führt. Also die Beziehung zu Gott, die Verbindung mit Gott, die zur Gemeinschaft mit ihm führt.

So können wir uns in diesem Advent vornehmen, was Tobit seinem Sohn Tobias rät: „Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit; bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt.“

Das Morgengebet, das Tischgebet und das Abendgebet sind die drei Säulen auf denen unser geistliches Leben ruht und die es tragen. Aber wir können vielleicht in diesem Advent einen Schritt weiter in Richtung „Beten ohne Unterlass“ gehen, in dem wir alles, was wir beginnen – und sei es die kleinste und unbedeutendste Tätigkeit – im Namen Gottes tun. Mit Ihm und für Ihn. Tun wir ganz bewusst nichts ohne Gott. Und wenn wir damit fertig sind, danken wir Ihm und loben Ihn. 

So entwickelt sich nach und nach ein ständiges inneres Gebet, ein Bewusstsein, dass Er immer gegenwärtig ist. Und so kann Er auch immer mehr in uns und durch uns handeln und wirken. Wir werden transparenter, durchlässiger für Gott.

So können wir auch nach und nach das Vertrauen und die Sicherheit bekommen, dass uns nicht die Politik oder Pharmakonzerne Heil und Erlösung von allem Übel bringen, sondern ausschließlich der wehrlose, ohnmächtige Sohn Gottes im Holz der Krippe und am Holz des Kreuzes. 

Und schließlich können wir zu der Haltung gelangen, von der Jesus im heutigen Evangelium auch gesprochen hat: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“

Sich „aufrichten“ und „das Haupt erheben“ sind in der biblischen Sprache Zeichen des Sieges. All die Schrecken und Verwirrungen dieser Zeit und selbst der Tod werden uns nichts anhaben können. Denn Er ist unser Herr, und Er kommt in unser Leben.

Diakon Markus

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