Dreifaltigkeit: die größte Liebesbeziehung

Heute feiert die katholische Kirche den Dreifaltigkeitssonntag. So rückt sie das vielleicht größte und zugleich schwierigste Glaubensgeheimnis der Christenheit an diesem Tag in den Mittelpunkt. Sogar einer der größten Theologen der Gegenwart, Josef Ratzinger – Papst Benedikt XVI., schreibt in seinem Werk „Einführung in das Christentum“, dass alles Reden und Schreiben über die Trinität nur „armseliges Gestammel“ sein kann.

Gott ist immer größer. Wir können als Geschöpfe nicht Gott, den Schöpfer, begreifen, ja nicht einmal denken. So schreibt auch Dionysius Areopagita, der Begründer der christlichen Mystik, am Ende des 5. Jahrhunderts, dass die Geheimnisse Gottes in seinem Schweigen und Dunkel unenthüllbar bleiben. Die Frage ist, was können wir denn überhaupt von Gott wissen, was nicht aus unseren eigenen, armseligen, völlig begrenzten Ideen und Überlegungen kommt? Hat nicht Ludwig Feuerbach recht, wenn er sagt, dass Gott nur eine Projektion der Wünsche und Vorstellungen des Menschen ist?

Der große Unterschied zwischen Christentum und Judentum einerseits und allen anderen Religionen und Philosophien andererseits ist: Wir glauben, zwar auch, dass Gott von uns aus nicht erreichbar, nicht erkennbar, nicht einmal denkbar ist – dass er aber von sich aus erkannt werden will! Gott will sich uns zeigen, Gott will dass wir ihn kennenlernen können. Von Anfang an ist Gott zum Menschen unterwegs, um eine Gemeinschaft mit ihm zu bilden. Der Bund mit Gott ist der tiefe Sinn aller Schöpfung!

In Jesus Christus hat sich Gott schließlich unüberbietbar geoffenbart, sich den Menschen so gezeigt, wie ER will, dass wir ihn kennen: als die Liebe selbst! Um mit den Menschen zu sein, um eine Liebesbeziehung mit uns einzugehen, ist er selbst Mensch geworden und doch auch ganz Gott geblieben. „Wer mich sieht, hat den Vater gesehen“, sagt Jesus. In ihm und an ihm können wir anfangen zu erkennen, wer und wie Gott wirklich ist. Er hat sich selbst entäußert, wie es im Philipperbrief heißt. Das heißt, er hat auf seine Göttlichkeit verzichtet. Das heißt, er hat, um uns zu begegnen, auf sich selbst verzichtet. Bis zum Kreuz.

Durch den Sohn haben wir den Vater erkannt, und er hat uns auch den Heiligen Geist gesandt. Er hat uns geoffenbart, dass Gott, der EINE, in sich drei Personen ist, die Fülle selbst. Wenn Gott DIE Liebe ist, dann muss er in sich, in seinem innersten Wesen Liebe sein und lieben. Und wenn Er, der ohne Anfang und Ende ist, schon Liebe ist bevor die Welt ist, ja wenn die Schöpfung ursächlich aus Seiner Liebe hervorgeht – dann muss diese anfangs- und endlose Liebe in Ihm selbst lebendig sein.

Liebe ist aber Beziehung. Die höchste Form von Beziehung. Und genau das heißt – vereinfacht ausgedrückt – Dreifaltigkeit: dass Gott in sich Beziehung ist. So sind auch die Bezeichnungen „Vater“ und „Sohn“ keine Geschlechtsbezeichnungen, sondern Beziehungswörter: Der Vater liebt den Sohn, und der Sohn liebt den Vater. Der Vater schenkt sich ganz dem Sohn, und der Sohn schenkt sich ganz zurück. So sagt Jesus im heutigen Evangelium: „Alles, was der Vater hat, ist mein.“

Gott ist in diesem Sinne nicht statisch, sondern in sich dynamische Beziehung. Und diese Beziehung zwischen Vater und Sohn, diese Hingabe zwischen dem Schöpfer und Seinem Wort, diese LIEBE – das ist der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist Beziehung, er ist die Liebe und das Leben Gottes selbst. Er ist Gott und so ist er auch Person. Deswegen hat uns Jesus, der Sohn, durch die Sendung des Heiligen Geistes mit hineingenommen in eben diese Liebesbeziehung mit Seinem Vater.
Wir sind DURCH Jesus und IM Heiligen Geist auch zu Töchtern und Söhnen Gottes geworden und damit zu Erben.

Bild: Schematische Darstellung der Trinität auf dem Hochaltar des Domes in Bautzen (Foto: Riccabona)

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