Auferstehung beginnt innen

Osterpredigt von Diakon Markus

Zur Fastenzeit und zu Karfreitag hat die Krise mit all ihren Folgen und Einschränkungen ja irgendwie gepasst. Aber jetzt ist Ostern, wir feiern Auferstehung. Und doch geht alles weiter wie bisher? 

Es ist der erste Tag der Neuen Schöpfung, siehe ich mache alles neu! Und alles bleibt beim Alten? Kein Ende der Krise? Wie können wir da Auferstehung feiern, wenn die Umstände so gar nicht dazu passen?

Nun, es wurde schon in weit schlimmeren Zeiten und unter viel schwierigeren, ja gefährlicheren Umständen Ostern gefeiert. Und ja, wirklich gefeiert, mit Freude. 

Denn die Auferstehung Jesu Christi gibt uns die Gewissheit, dass Gott das letzte Wort hat, dass das Leben immer den Tod besiegt, das Licht immer die Dunkelheit überwindet. Auch wenn man oft in der Geschichte zuerst noch nicht viel davon gesehen hat. 

Wie lange haben die Jünger gebraucht, bis sie halbwegs begriffen haben, was da geschehen ist? Wie viele Jahre hat sich ein Übel – welcher Art auch immer – hingezogen, bis es schließlich doch verschwunden ist. 

Gott siegt immer – aber er wirkt im Verborgenen. Das Leben besiegt immer den Tod – aber immer im Stillen. Die Liebe ist die größte Macht des Weltalls – aber sie beginnt immer im Kleinen. Das Kleine und das Schwache hat Gott erwählt, um das Große und Starke zu beschämen.

Und das ist auch das Geheimnis von Ostern, das wir vielleicht in diesem Jahr, unter diesen Umständen besonders erfassen und erfahren können: Auferstehung beginnt innen! Die neue Schöpfung bricht sich von innen nach außen die Bahn und bricht hervor.

So geschah es bei der Auferstehung des Herrn: Niemand weiß, wann genau es geschah, zu welcher Stunde. Niemand weiß, wie es geschah, niemand war dabei, niemand hat es gesehen. Was ist im Grab geschehen, was im Reich des Todes? Was für ein Vorgang hat zwischen Vater und Sohn, vereint mit dem Heiligen Geist, stattgefunden?

Wir wissen es nicht. Es war ein innerer Vorgang, im Inneren Gottes selbst. Ein Geschehen im Inneren des Grabes, das dann schließlich das Grab gesprengt hat, den Stein fortgeschoben und die ganze Erde erschüttert hat.

Der Herr hat alle Sünden der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft auf sich geladen, aufs Kreuz getragen, ist für uns zur Sünde geworden und hat in seinem Opfertod die ganze Schuld für uns bezahlt. Am Pfahl ist er für uns zum Fluch geworden und ist in die äußerste Gottferne geschleudert worden. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Die Folge der Sünde, der Trennung von Gott, ist der Tod.

Doch hat er dies alles nicht aus seinem eigenen Verschulden erleiden müssen, sondern er hat es freiwillig, aus Liebe auf sich genommen. Diese Hingabe seiner selbst, die Hingabe sogar seiner eigenen Göttlichkeit hat aber den Tod besiegt. 

Indem der Sohn Gottes selbst in den Tod gegangen ist, konnte er den Tod von innen her, in seiner Wurzel überwinden und besiegen. Er hat das Grab von innen her aufgesprengt. So kann man es auch auf den schönen Anástasis-Ikonen der Ostkirche sehen, auf denen die Grabplatte zerbrochen ist.

Und so kann man es auch auf dem Turiner Grabtuch sehen. Es gibt unzählige stichhaltige Beweise seiner Echtheit, die aber hier nicht das Thema sein können. Auf einen möchte ich aber in unserem Zusammenhang hinweisen:

Bis heute weiß man nicht, wie das Negativbild des Gekreuzigten auf das Tuch gekommen ist. Selbst mit keiner der modernsten Methoden, die uns heute zur Verfügung stehen, kann man auch nur ein annähernd ähnliches Ergebnis erzielen. 

Die aktuelle Forschung kann es sich nur durch eine extrem hohe Strahlung erklären. Der italienische Forscher Giulio Fanti hat berechnet, dass es 34 Billionen Watt ultravioletter Vakuum-strahlung gewesen sein müssten. Eine für uns komplett unvorstellbare Energie.

Wir könnten im Grabtuch tatsächlich ein Zeugnis des Momentes der Auferstehung vor uns haben. Wie gesagt: Wir wissen nicht, wie Auferstehung geschieht, aber auch das Turiner Grab zeigt uns, dass es ein innerer Vorgang ist, der in die äußere Welt, in das Materielle, das für uns Sichtbare durchbricht. 

Man könnte sagen, die Auferstehung als Neuschöpfung ist wie ein zweiter Urknall.

Im Anfang schuf das Wort Gottes Himmel und Erde. Es werde, und es ward. Und den Moment des Urknalles können wir noch heute als Hintergrundrauschen des Weltalls wahrnehmen – auf materieller Ebene. Auch auf geistiger Ebene dauert die Schöpfung weiter fort, denn ohne das Wort Gottes, das alles hält und trägt, würde alles Seiende sofort ins Nichts zurückfallen.

Und bei der Auferstehung sprach Gott: „Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht, wenn du erscheinst in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe.“ Und der zweite Urknall breitet sich seitdem vom Heiligen Grab in Jerusalem aus und erneuert alles Leben, die ganze Schöpfung von innen her zur Herrlichkeit Gottes.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, und genau das geschieht auch, wenn wir es in den äußeren Umständen nicht – noch nicht – sehen und erfahren können. Das geschieht auch heute, wenn wir in einer Zeit der Krise nicht so Ostern feiern können, wie wir es gerne wollten.

Aber vielleicht helfen uns gerade die äußeren Umstände, in diesem Jahr mehr nach innen zu schauen, zu lauschen, auf das, was auf geistig-geistlicher Ebene geschieht.

Vielleicht erfahren wir selbst die unüberwindliche Kraft, den Sieg der Auferstehung in uns selbst, in unserem Inneren, das der Herr an diesem Tage neu erschaffen hat.
Amen.

Foto: Pfarrei Guben

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