Katholische Pfarrei Beata Maria Virgo Neuzelle
An Allerseelen denken wir besonders an unsere Verstorbenen und beten für sie. Doch warum tun wir das eigentlich? Sind die Toten nicht längst in Gottes Hand? Und kann unser Gebet überhaupt noch etwas für sie bewirken?
Die katholische Kirche glaubt, dass der Tod nicht das Ende unserer Gemeinschaft ist. Durch Christus sind wir miteinander verbunden – über den Tod hinaus. Die Kirche spricht deshalb von der Gemeinschaft der Heiligen: Wir Lebenden, die Verstorbenen und die Vollendeten bei Gott gehören zusammen. Der Tod zerreißt diese Gemeinschaft nicht.
Wir beten für unsere Verstorbenen, weil die Liebe nicht mit dem Tod aufhört.
Die katholische Kirche glaubt, dass ein Mensch nach seinem Tod der Begegnung mit Gott entgegengeht. Nicht jeder ist schon vollkommen bereit für diese Gemeinschaft mit Gott. Was noch der Reinigung und Heilung bedarf, darf durch Gottes Gnade vollendet werden. Diesen Weg nennen wir Fegefeuer – nicht als einen Ort der Angst, sondern als Ausdruck der Hoffnung, dass Gottes Liebe alles in uns heilt, was noch nicht vollkommen ist.
Unsere Gebete, die Feier der heiligen Messe und das Gedenken an die Verstorbenen sind deshalb keine leeren Gesten. Wir vertrauen darauf, dass Gott unser Gebet hört und es unseren Verstorbenen zugutekommen lässt. Schon die frühe Kirche kannte diesen Brauch. Im zweiten Buch der Makkabäer heißt es: „Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten“ (2 Makk 12,45).
Allerseelen erinnert uns aber auch an unser eigenes Leben. Es stellt uns die Frage: Worauf kommt es wirklich an? Was bleibt von uns, wenn wir einmal nicht mehr da sind? Und worauf setzen wir unsere Hoffnung?
Wir beten für unsere Verstorbenen nicht aus Angst vor dem Tod, sondern aus Hoffnung auf das ewige Leben. Wir legen sie in Gottes Hände, weil wir darauf vertrauen, dass seine Barmherzigkeit größer ist als alles, was uns voneinander getrennt hat.
Die Liebe hört nicht am Grab auf. Und unsere Hoffnung endet nicht mit dem Tod.