Maria Maienkönigin

Warum Maria „Maienkönigin“ heißt

Der Ausdruck verbindet zwei Bilder: Mai = Blüte, Neubeginn, Frische und Maria = Königin des Himmels / Mutter des Erlösers. In der katholischen Frömmigkeit wurde der Monat Mai deshalb als Marienmonat gelesen: Das farbenfrohe Aufblühen der Natur gilt als Bild für Maria, die in der Spiritualität als „schönste Blüte“ oder als „erste Blüte der Erlösung“ gedeutet wird. So bekommt der Titel „Maienkönigin“ eine poetische, nicht dogmatische Bedeutung: Maria ist die Königin, die dem aufblühenden Mai ihren Glanz gibt. 

Der Ausdruck wurde besonders durch das Marienlied „Maria, Maienkönigin“ von Guido Görres bekannt, das 1843/44 entstand und ausdrücklich für die Maiandacht gedacht war. Das Lied arbeitet mit Blumen-, Garten- und Frühlingsbildern und macht genau diese Verbindung von Naturblüte und Mariensymbolik sprachlich fest. 

Seit wann gibt es Maiandachten?

Die Maiandacht in ihrer heutigen Form ist vergleichsweise jung. Ihre Wurzeln liegen zwar in älteren barocken Mai-Frömmigkeitsformen, aber als eigenständige, auf den ganzen Monat Mai bezogene Andacht wird sie meist auf Italien im späten 18. Jahrhundert zurückgeführt. Die katholische Tradition nennt als frühen Bezugspunkt häufig Ferrara 1784. Die Catholic Encyclopedia beschreibt die heutige Form als in Rom entstanden, wo ein Jesuit namens P. Latomia am Ende des 18. Jahrhunderts den Monat Mai Maria weihte. Von dort verbreitete sich diese Praxis über die Jesuitenkollegs und dann über die lateinische Kirche weiter. 

Es gibt aber auch ältere Vorläufer. Bereits im Barock war der Mai in katholischen Gegenden marianisch geprägt; in einigen Regionen wurden den ganzen Monat über Andachten zu Ehren Mariens gefeiert. Man kann daher sagen: Die Idee ist älter, die klassische Form der Maiandacht ist neuzeitlich.

Wie entwickelte sich die Maiandacht weiter?

Von Italien aus verbreitete sich die Maiandacht im 19. Jahrhundert stark. Für Rom sind im frühen 19. Jahrhundert Maiandachten in zahlreichen Kirchen belegt. In Deutschland wurde am 1. Mai 1841 im Konvent der Schwestern vom Guten Hirten in München-Haidhausen die erste Maiandacht auf deutschem Boden gefeiert. 1842 ist sie bereits in Aachen bezeugt, und bis etwa 1860 hatte sie sich im katholischen Raum zu einer der wichtigsten marianischen Andachtsformen entwickelt. 

Im 19. Jahrhundert kamen dazu zahlreiche Andachtsbücher, Marienlieder, Rosenkranzgebete und die Praxis des Maialtars. Dieser kleine, mit Blumen geschmückte Marienaltar stand oft in Kirchen, aber auch in katholischen Familienhäusern. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war es vielerorts üblich, zu Hause im Mai einen solchen Altar mit Marienbild oder Marienfigur aufzustellen und davor zu beten. 

Typische Elemente der Maiandacht sind bis heute Marienlieder, Rosenkranz, Lauretanische Litanei, Schriftlesung, kurze Betrachtungen und Blütenschmuck. Der äußere Schmuck ist dabei nicht bloß Dekoration, sondern Teil der Symbolik: Die Blume steht für Schönheit, Wachstum und Geschenkhaftigkeit, also für das, was im Glauben an Maria betrachtet wird. 

Bild: KI

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