Papst Franziskus weist Pfarreien an, missionarisch zu werden


Die Pfarreien der katholischen Kirche müssen sich missionarisch ausrichten – als „pulsierende Zentren der Begegnung mit Jesus Christus“ in einem „globalen und pluralen Dorf“ – und können auch in Zukunft nur von Priestern geleitet werden. Das schreibt Papst Franziskus mit einer neuen Instruktion vor, die den programmatischen Titel „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ trägt.

Dort, wo keine Pfarreien möglich sind – oder nicht mehr möglich sind – sollen Bischöfe „missionarische Vorposten“ erreichten: Diese „Missionsstationen“ sollen „Gebets- und Anbetungszeiten, Katechesen und andere Initiativen zum Wohl der Gläubigen“ gewährleisten.

Die Instruktion zur „pastoralen Umkehr“ in den Pfarreien der Weltkirche wurde am Montag im Vatikan vorgestellt und im vollen Wortlaut auf dessen Website auch in deutscher Sprache veröffentlicht.

Das Dokument der Kleruskongregation regelt verbindlich – in Auslegung des geltenden Kirchenrechts – die Erneuerung der traditionellen Pfarrei: Es geht um Neuevangelisierung, ein besseres Verständnis des Glaubens sowie die rechte Feier der Sakramente.

„Die missionarische Sendung der Kirche bildet das grundlegende Leitmotiv der Erneuerung“, erklärte Msgr. Andrea Ripa, Untersekretär der Kleruskongregation, in einer am 20. Juli vorgestellten Präsentation.

„Da die Pfarrei anders als in der Vergangenheit nicht mehr der vorrangige Versammlung- und Begegnungsort ist, muss sie andere Weisen der Nähe und der Nachbarschaft im Hinblick auf ihre normalen Aktivitäten finden. Diese Aufgabe ist keine Last, die zu ertragen ist, sondern eine Herausforderung, die es mit Enthusiasmus anzupacken gilt“, heißt es in der Instruktion.

Monsignore Ripa erklärte: „Es geht darum, Perspektiven auszumachen, die es erlauben, die ‚traditionellen‘ pfarrlichen Strukturen unter missionarischem Gesichtspunkt zu erneuern“.

„Die Vertiefung der Kenntnis des Wortes Gottes, die ansprechend gestaltete Feier der Sakramente, vor allem der heiligen Eucharistie, und eine erneuerte ‚Kultur der Begegnung‘, die den Dialog, die Solidarität und die Offenheit fördert, sind die zentrale Bausteine dieser Erneuerung“.

Die erneuerte Pfarrei weise zwei weitere Charakteristika auf: „Sie will alle erreichen und einschließen, und sie ist auf die Armen bedacht. ‚Als Heiligtum, das allen offensteht, erinnert die Pfarrei, die alle ohne Ausnahme erreichen muss, daran, dass die Armen und die Ausgeschlossenen im Herzen der Kirche immer einen bevorzugten Platz haben müssen“‚.

Das elf Kapitel umfassende Schreiben ist sowohl theologisch und kirchenrechtlich begründet als auch ganz konkret in seinen Anweisungen – und mit seinen Warnungen, etwa vor den Häresien, die Franziskus als „Gnostizismus“ und „Pelagianismus“ bezeichnet.

Deutlich warnt der Papst vor diesem Hintergrund vor „Reformen“ und anderen Prozessen, die am Volk Gottes vorbeigehen und nur die Vorstellungen von Gremien und Funktionären bedienen. Strukturreformen dürfen die Gläubigen nicht außen vor lassen, mahnt Franziskus:

„Wenn wir das Volk Gottes als Ganzes und in seinen Unterschieden verdrängen, zum Schweigen bringen, zerstören, ignorieren oder auf eine kleine Elite beschränken wollen, setzen wir Gemeinschaften, pastorale Pläne, theologische und spirituelle Akzente und Strukturen ohne Wurzeln, ohne Geschichte, ohne Gesicht, ohne Gedächtnis, ohne Leib, ja ohne Leben in die Welt“.

Nur der Pfarrer ist auch ein Pfarrer

„Das Ziel der Mission und Evangelisierung der Kirche ist stets das Volk Gottes als Ganzes. Der Kodex des kanonischen Rechts hebt hervor, dass die Pfarrei kein Gebäude oder ein Bündel von Strukturen ist, sondern eine konkrete Gemeinschaft von Gläubigen, in der der Pfarrer der eigene Hirte ist“, heißt es in Abschnitt 27 der Instruktion.

Das Schreiben würdigt zugleich die Rolle eines „Pastoralrates“ – im deutschen Sprachraum oft „Pfarrgemeinderat“ – der den Pfarrer eben beraten soll; der Vatikan betont aber, dass dieser Rat auch nur beratendes Stimmrecht habe. Um legitim zu sein, „darf die Mitwirkung der Laien in der Seelsorge den Rahmen geregelter Beauftragung und Sendung nicht überschreiten“, so Ripa in der Präsentation am Montag. 

Die Instruktion stellt dazu nüchtern fest: „Das Amt des Pfarrers dient der umfassenden Seelsorge. Daher muss ein Gläubiger die Priesterweihe empfangen haben, damit er gültig zum Pfarrer ernannt werden kann. Wer sie nicht hat, kann, auch nicht im Falle des Priestermangels, weder den Titel noch die entsprechenden Funktionen erhalten“, erklärt Abschnitt 66.

„In diesem Zusammenhang spielt nicht zuletzt die Wahl der Terminologie eine Rolle, die den Unterschied zwischen dem gemeinsamen und dem besonderen Priestertum schützen muss“, so Ripa.

„Eine rein funktionale Betrachtungsweise des pastoralen Dienstes wird der Notwendigkeit einer präzisen und eindeutigen Terminologie wenig abgewinnen können. Sie bedarf der unentbehrlichen Ergänzung durch ein wirklich sakramentales Verständnis des Priestertums.“

Die Instruktion wurde vom Präfekten der Kongregation für den Klerus und vom zuständigen Sekretär des Dikasteriums am Hochfest der Heiligen Petrus und Paulus – dem 29. Juni – unterzeichnet und vom Papst approbiert.

Quelle: CNA
Foto: KNA

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