Katholische Kirche
Bei seiner Neujahrsansprache an Diplomaten kritisierte Papst Leo XIV. die Einschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit und die Beschneidung der Grundrechte im Westen:
„Die Rede- und Meinungsfreiheit wird gerade durch die Gewissheit der Sprache und die Tatsache garantiert, dass jeder Begriff in der Wahrheit wurzelt. Es ist daher bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.“
„Aus dieser Fehlentwicklung ergeben sich leider weitere, die dazu führen, dass die Grundrechte des Menschen beschnitten werden, angefangen bei der Gewissensfreiheit. In diesem Zusammenhang ermöglicht es die Verweigerung aus Gewissensgründen dem Einzelnen, gesetzliche oder berufliche Verpflichtungen abzulehnen, die im Widerspruch zu moralischen, ethischen oder religiösen Grundsätzen stehen, die tief in seinen persönlichen Überzeugungen verwurzelt sind: sei es die Verweigerung des Militärdienstes im Namen der Gewaltfreiheit oder die Ablehnung von Praktiken wie Abtreibung oder Euthanasie durch Ärzte und medizinisches Personal.“
„Es darf aber ebenso nicht eine subtile Form der religiösen Diskriminierung gegenüber Christen vergessen werden, die sich auch in Ländern ausbreitet, in denen sie zahlenmäßig in der Mehrheit sind, wie in Europa oder Nord- und Südamerika, wo ihnen manchmal aus politischen oder ideologischen Gründen die Möglichkeit beschnitten wird, die Wahrheit des Evangeliums zu verkünden, insbesondere wenn sie sich für die Würde der Schwächsten, der Ungeborenen oder der Flüchtlinge und Migranten einsetzen oder die Familie fördern.“
„Angesichts solcher Herausforderungen muss nachdrücklich betont werden, dass der Schutz des Rechts auf Leben die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet. Eine Gesellschaft ist nur dann gesund und fortgeschritten, wenn sie die Heiligkeit des menschlichen Lebens schützt und sich aktiv für dessen Förderung einsetzt.“
„Die von mir dargelegten Überlegungen lassen vermuten, dass es im gegenwärtigen Kontext zu einem regelrechten „Kurzschluss“ der Menschenrechte kommt. Das Recht auf Meinungsfreiheit, auf Gewissensfreiheit, auf Religionsfreiheit und sogar auf Leben wird im Namen anderer sogenannter neuer Rechte eingeschränkt, was dazu führt, dass das System der Menschenrechte selbst an Kraft verliert und Raum für Gewalt und Unterdrückung öffnet. Dies geschieht dann, wenn jedes einzelne Recht selbstreferenziell wird und insbesondere dann, wenn es seine Verbindung mit der Wirklichkeit der Dinge, mit deren Natur und mit der Wahrheit verliert.“
Wortlaut der Neujahrsansprache
Foto: Screenshot Vatican News