Brief des zukünftigen Pfarrers an die Pfarrei

Liebe Schwestern und Brüder in Neuzelle und Guben,

die Zusammenlegung unserer beiden Pfarreien Neuzelle und Guben wird, wie bereits angekündigt, zum ersten Fastensonntag stattfinden. Auf diesem gemeinsamen Weg stehen nun einige wichtige Schritte an, die wir in einem Geist der Einheit und des Vertrauens auf Gott gehen wollen.

Vor Kurzem hat sich bereits die gesamte Runde der Gremien (Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat) aus beiden Gemeinden getroffen. Ein weiteres Treffen hat am vergangenen Montag stattgefunden, diesmal mit Vertretern beider Gremien, um erste konkrete Fragen zu besprechen.

Die erste Entscheidung, die ansteht, betrifft die Ordnung der Sonntagsmessen, anschließend werden wir auch die Wochentags- und Feiertagsordnung gemeinsam festlegen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf Folgendes hinweisen:
Zurzeit bin ich, Pater Isaak, noch nicht Pfarrer von Guben, sondern weiterhin Pfarrer von Neuzelle. Ich habe daher keine rechtliche oder pastorale Autorität in Bezug auf Entscheidungen, die Guben betreffen. Bis zum ersten Fastensonntag versieht Pfarrer Žuk weiterhin das Amt des Administrators in Guben – mit allen Rechten und Pflichten.

Ab dem ersten Fastensonntag werde ich dann Pfarrer der neuen gemeinsamen Pfarrei sein. Schon jetzt ist es jedoch meine Aufgabe, den Übergang vorzubereiten und manche organisatorischen und geistlichen Fragen zu moderieren. Dabei geht es besonders um jene, die unsere Gottesdienstordnung und das gemeinsame geistliche Leben betreffen.

Wir erleben in dieser Zeit nicht einfach nur organisatorische Veränderungen – wir stehen in einem viel größeren Umbruch.
Papst Franziskus sagt: „Es ist nicht nur eine Epoche des Wandels, sondern ein Wechsel der Epochen.“

Wir müssen uns ehrlich fragen, ob uns wirklich bewusst ist, in welcher Zeit wir leben. Wir erleben derzeit die erste große Entchristianisierung Europas seit vielen Jahrhunderten. Und gerade in unseren Breitengraden stellt sich ernsthaft die Frage: Wird das Christentum – wird die Botschaft Jesu Christi – in dieser Form, wie wir sie kennen, in den kommenden Jahrzehnten hier noch verkündet werden? verwalten wir den Untergang oder sind wir wirklich bereit neue Menschen für den Glauben zu gewinnen?

Diese Frage dürfen und müssen wir uns stellen – nicht aus Angst, sondern aus geistlicher Wachsamkeit. Ich verstehe, dass sich in dieser Situation viele Sorgen, Spannungen und auch Aggressionen bündeln – auch in meiner Person. ich weiß, dass Veränderungen immer auch Schmerz auslösen. Manchmal durchläuft man dabei die sogenannte Trauerkurve nach Kübler Ross, die typische Phasen beschreibt: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und schließlich Akzeptanz. Es ist normal, dass Menschen diese Gefühle nacheinander erleben, bevor sie zu einem neuen, tragfähigen Gleichgewicht finden.

Aber lassen Sie uns den Blick weiten: Es geht nicht um mich, nicht um Strukturen oder Zuständigkeiten, sondern um die Frage, was wir als Kirche heute sein wollen. „Woran halten wir mehr fest – an der Mission Jesu Christi oder am Modell von Kirche?“

  • Das „Modell“, also die Art und Weise, wie wir Kirche gestalten, darf und muss sich verändern.
  • Die Mission Jesu Christi aber bleibt dieselbe: das Evangelium zu verkünden, Hoffnung zu schenken und die Liebe Gottes erfahrbar zu machen.

In dieser Haltung möchte ich, möchten wir alle diesen Weg weitergehen.

Ich bitte alle, diese Zeit als das zu verstehen, was sie ist: Ein geistlicher Prozess.
Es geht nicht nur um Organisation oder Struktur, sondern darum, dass wir als Gemeinschaft prüfen, was der Geist Gottes uns sagen will.

Ich lade Sie herzlich ein, Gerüchte zu vermeiden und stattdessen das eigene Herz zu prüfen:

  • Was erzähle ich weiter – und warum?
  • Mit welchem Geist, mit welcher Haltung spreche ich über andere oder über Veränderungen?
  • Bin ich bereit, mich für Neues zu öffnen und die Zukunft aktiv und konstruktiv mitzugestalten?
  • Denn das Werk Gottes geschieht nicht durch verschränkte Arme, sondern durch offene Herzen und Hände.

Zur geistlichen Orientierung mögen uns einige Worte der Heiligen Schrift helfen:

  • „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21)
  • „Wer seine Zunge im Zaum hält, bewahrt sein Leben; wer aber unbedacht redet, stürzt ins Verderben.“ (Spr 13,3)
  • „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9)
  • „Erneuert euch im Geist eures Denkens, und zieht den neuen Menschen an.“ (Eph 4,23 24)

Am Ende des Monats November wird es Pfarrversammlungen in Guben und Neuzelle geben, bei denen das gesamte Pastoralteam – einschließlich meiner Person – Rede und Antwort stehen wird.

Besonders am Herzen liegt mir die Sorge um jene, die sich in dieser Zeit vielleicht zurückgelassen fühlen. Jede Veränderung kann Unsicherheit oder auch Traurigkeit mit sich bringen. Umso mehr möchte ich Sie alle bitten, aufeinander zu achten und niemanden zurückzulassen.
Wir alle tragen Verantwortung füreinander – und ich als Pfarrer ebenso wie jede und jeder Einzelne von Ihnen.
Am Ende werden wir unsere Entscheidungen vor Gott verantworten müssen:

  • Bin ich bereit, diesen neuen Weg im Glauben mitzugehen?
  • Bin ich offen, andere mitzunehmen, die sich schwer tun, sie zu ermutigen, aufzubauen und einzuladen?
  • Oder tue ich vielleicht, bewusst oder unbewusst, das Gegenteil?

Diese Fragen dürfen wir uns ehrlich stellen. Ich bitte Sie: Helfen wir gemeinsam, dass niemand auf der Strecke bleibt, sondern alle ihren Platz in der neuen Gemeinschaft finden.

Bis dahin bitte ich Sie, im Gebet verbunden zu bleiben – besonders in der Heiligen Messe. Es wird in Kürze ein eigenes Gebet für den Weg der Zusammenlegung geben, das wir in beiden Gemeinden regelmäßig beten möchten – vor oder nach der Messe. Dieses Gebet wird derzeit von den Gremien vorbereitet.

Ich danke Ihnen allen herzlich für Ihr Vertrauen, Ihre Geduld und Ihr Mitgehen. Lassen wir uns vom Geist Gottes führen – im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.

Mit Segensgrüßen,

Ihr
Pater Isaak M. Käfferlein
zusammen mit
Pater Niklaus Schneider
Diakon Markus Michael Riccabona

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